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Thema mit vielen Antworten

Jahre sind vergangen...

Autor Nachricht
Verfasst am: 09. 12. 2017 [16:05]
katzoff
Themenersteller
Dabei seit: 09.12.2017
Beiträge: 7
Hallo zusammen,

ich erzähle erst einmal von meinem bisherigen Weg:

ich habe meine MS Diagnose 2015 gestellt bekommen. Mein erster Schub zog sich lange hin und ich durchlebte einen derben Ärzemarathon, da ich zu dem Zeitpunkt gar nicht wusste was überhaupt mit mir los war.
Nach zig Untersuchungen, Notaufnahmen und wenigen Ergebnissen, landete ich zuletzt bei meiner heutigen Neurologin. Ich bekam nach klaren Mrt Bildern und positiver Lumbalpunktion dann die Diagnose gestellt.
Ich brach innerlich zusammen. Mein Freund und ich haben uns zusammen im Vorfeld alles Mögliche ausgemalt, Unter anderem auch MS. Habe mich dann relativ schnell (am selben Tag noch) damit "abgefunden" und durchlebe seitdem eine Form der Verdrängung...
Diese ist zum einen meine (eher ungesunde) Art mich mit komplizierteren als auch schlimmeren Formen von Problemen auseinderzusetzen- nämlich leise für mich...Dies kommt daher, weil ich nicht genau weiss wie ich damit umgehen soll. Menschen um mich habe ich, aber verstehen tun sie vieles von meinem Innenleben nicht. Rede ich offen darüber, heisst es: Es wird schon, dir geht es doch gut? Mach dir nicht so viele Gedanken..
Ich mache mir aber Gedanken. Ich fühle mich alleine. Und ja, es geht mir "gut", neurologisch gesehen, aber psychisch ist es weit bergab gegangen. Ich bin in therapeutischer Behandlung und das nicht nur wegen der MS Geschichte. Anfänglich schon, aber ich trage nen Berg an Last mit mir rum. Mit Sicherheit auch aus diesem mir vertrautem Verdrängungsmechanismus.

Mein Frage ist einfach:
Es sind nun fast 3 Jahre vergangen seit der Diagnose und immer noch komme ich nicht damit zurecht. Innerlich nicht - wohl bemerkt. Nach Aussen ist alles gut! Vielleicht ist es eine Art Trauma?

Manchmal denke ich: pfff easy, es gibt so viele Menschen mit Krankheiten oder Problemen, mir geht es da doch gut. (wenn ich vergleiche)

Und dann denk ich wieder: Nein ich habe eine Krankheit, warum nehmen die Leute keine Rücksicht?Velleicht geht es mir nicht gut? (psychisch oder weil ich hart gestresst bin von Arbeit und dem Ganzen)

Ich kannund will ja keinem einen Vorwurf machen, da alle nach ihren Arten und Weisen reagieren und agieren. Das ist vollkommen okay eigentlich. Nur wo finde ich selbst den Frieden mit mir, den Menschen und der Diagnose. Meist hätteich nur gerne Verständnis, da es mal auf und mal ab geht in meiner Welt.

Wie geht ihr damit um? Gibt es hier Menschen die genauso denken?Bzw sich trotz vieler Gleichgesinnter unwohl und sehr sehr unverstanden fühlen? Vielleicht weil es bei euch auch nicht nur die MS ist?Vielleicht könnt ihr auch nicht wirklich drüber reden? Dazu möchte ich sagen, dass ich es durchaus kann, aber irgendwie bin ich immer so unzufrieden mit dem Ausgang der Gespräche. Es hilft nix...

Ich würde mich über Geschichten und eure Bewältigungsstrategien freuen...

Liebe Grüße,

K.

Verfasst am: 09. 12. 2017 [16:09]
katzoff
Themenersteller
Dabei seit: 09.12.2017
Beiträge: 7
Oh je, als Neuling nicht ganz enfach hier...Wollte das ganz woanders hinposten !In den MS-Alltag
Sorry icon_frown.gif
Verfasst am: 09. 12. 2017 [18:56]
Glückskind66
Dabei seit: 28.07.2014
Beiträge: 3975
Hallo Katzoff,

willkommen in unserer Runde.

Das mit den einzelnen Rubriken lernst Du schon noch, wenn Du hier aktiv dabei bleibst.

Hast du schon mal über psychologische Unterstützung nachgedacht? Vor allem, wenn Du möglicherweise noch ein Medikament nimmst, das als Nebenwirkung eine „wunderschöne“ Depression hat. Tecfidera gehört übrigens dazu. Hat mir meine Psychiaterin erst diese Woche bestätigt.

Ich würde Deiner Vermutung, daß man mit der Diagnose ein Trauma erlitten hat, zustimmen. Man bekommt eine als unheilbare Krankheit ohne 100%ig erfolgreiche Behandlungsmethoden um die Ohren gehauen. Das muß man verarbeiten, gegebenenfalls mit professioneller Hilfe.

Daß die Umwelt, selbst wenn sie Kenntnis von der Krankheit hat, dauerhaft Rücksicht nimmt, ist ein frommer Wunsch, wie der nach dem Lottogewinn. Du wirst lernen müssen, für Dich selbst zu sorgen.

Mir sieht man meine MS auch nicht an. Probleme habe ich durchaus, besonders wenn Streß hinzukommt. Meine eigene Familie nimmt das nicht zur Kenntnis, weil es für sie auch eine Änderung bedeuten würde. Niemand verläßt gern seine Wohlfühlzone. Freunde kann man sich zum Glück selbst aussuchen.

Mir haben der Austausch hier im Forum und mit anderen Betroffenen und nun auch meine Gespräche mit einem Therapeuten schon sehr geholfen.

Verdrängung dagegen ist wohl der „normale“ Versuch, mit der MS umzugehen, wenn man nur kurzzeitig etwas eingeschränkt war. Leider ist er ziemlich untauglich.

Ich wünsche dir, daß du einen guten Weg für Dich findest. Gern auch hier im Forum.

Marga
Verfasst am: 09. 12. 2017 [21:28]
Brillosaurus01
Dabei seit: 24.01.2013
Beiträge: 5205
Hallo katzoff,

schön, dass du den Weg hierher gefunden hast. Ich hoffe, du gewöhnst dich an das Forum

und fühlst dich wohl hier.

Den Ärzte-Marathon haben hier vermutlich alle mitgemacht.

Vielleicht ist das auch notwendig, um wirklich die gesicherte Diagnose MS zu bekommen.

Ich selbst habe Jahre gebraucht, um mich mit der Dia MS abzufinden.

Das ist aber auch dem Umstand geschuldet, dass ich anfangs (die ersten Jahre)

nicht viel von der MS gemerkt habe. Sie hat mich zwar mehr oder weniger regelmäßig

heimgesucht (Schub), aber nach einigen Wochen oder Monaten

war ich wieder fast vollständig hergestellt.

Konnte weiterhin arbeiten gehen, reisen, Sport. einfach alles.

Symptome wie Fatigue, waren aber immer mein ständiger Begleiter.


Ich bin auch so, dass ich weitestgehend alles mit mir selbst ausmache.

Glaube die meisten Nicht-Betroffenen, können sich eh nicht richtig in einen

MS kranken hinein versetzen.

Wie auch. Wenn sie die Krankheit nicht zu fühlen bekommen ?

Die Ängste und Nöte, für sie nicht wirklich real sind.


Mitleid ist das Letzte, was ich bekommen möchte !


MS ist bestimmt für jeden eine Art Trauma.

Depressionen sind vorprogrammiert.

Wenn man sich mit der Krankheit arrangiert und sie annimmt, wird es leichter.

Von Menschen die MS nicht verstehen, habe ich mich dauerhaft getrennt.

Das ist besser so. Für wen ? Für MICH !


Selbstmitleid war nie mein Ding. Diese Krankheit wurde mir auferlegt und ich

bin bereit zu kämpfen.

Die MS zwingt einen zu viel Verzicht.

Man soll sein Leben nicht von der MS bestimmen lassen, es ist aber ratsam sein Leben

zumindest ein wenig auf die eigene MS abzustimmen.


Dann kann man auch gut mit MS leben.

MS zu haben, bedeutet nicht das Ende.

Man kann auch ein tolles Leben führen, nur etwas anders.


Jetzt habe ich wieder viel geschrieben. Das wollte ich nicht.

Es sprudelt einfach so aus mir heraus.

Wenn du glaubst, dass du professionelle Hilfe brauchst, dann hole sie dir.

Das ist keine Schande !

Auch Gespräche mit Gleichgesinnten helfen.


Liebe Grüße, Jörg




Verfasst am: 10. 12. 2017 [12:08]
katzoff
Themenersteller
Dabei seit: 09.12.2017
Beiträge: 7
Hey,

danke erstmal für eure Antworten icon_smile.gif

Ich befinde mich bereits in professioneller Hilfe, nur ist es schwer (wie bei allem was innerlich vorgeht) Gedanken und Gefühle zu erklären oder eben selbst erstmal greifen zu können.

Mir geht es auch nicht um Mitleid, das brauchen die Wenigsten denk ich. Nur eben das Verständnis (auch wie bei einer Depression oder anderer Erkrankung) fehlt mir so sehr. Ich meine, oftmals weiss ich selber nicht warum es mir schlecht geht...und dann muss ich in meinem Koffer den ich hinter mir her ziehe erst einmal selbst nomma reinschauen um was es eigtl gerad geht.

Das ich krank bin ist für mich nich das Schlimmste. Das die Leichtigkeit weg gegangen ist, das is das was mich am meisten (ver)stört.

Lieber Jörg, wieviele Jahre hast du denn gebraucht für den Prozess der Abfindung?

Und liebe Marga, ich erwarte keine dauerhafte Rücksicht. Das wäre ja auch unangenehm irgendwann icon_wink.gif
Ich habe mich genau aus den Gründen hier angemeldet. Habe Foren immer gemieden. Zumal es in den meisten um den gesundheitlichen Aspekt von Schüben und Therapien geht und da seh ich momentan kein Problem oder Bedarf für.

Danke füre eurer Worte,

K.
Verfasst am: 10. 12. 2017 [12:22]
Brillosaurus01
Dabei seit: 24.01.2013
Beiträge: 5205

Hallo K.,

wäre es nicht ein Stück weit netter, wenn du uns deinen Namen verraten würdest ?

Ist aber nicht unbedingt zwingend erforderlich.


Wie lange ich dafür gebraucht habe, mich mit der Diagnose abzufinden ?

Ich weiß es nicht mehr genau. Aber es hat lange gedauert.


Ja, das mit der Leichtigkeit die man verloren hat, ist schlimm.

Es ist aber leider so und damit sollte man sich abfinden.

Es akzeptieren. Man kann es eh nicht ändern.


LG, Jörg
Verfasst am: 10. 12. 2017 [13:16]
katzoff
Themenersteller
Dabei seit: 09.12.2017
Beiträge: 7
Mein Name ist Kata icon_smile.gif

Und das ist mein Problem. Das Abfinden-das Akzeptieren icon_frown.gif
Das wist ein langer Prozess, das weiss ich wohl. Ich kann mit kaum wem darüber reden, also so intensiv...

Klar werde ich meinen Weg finden (müssen) wie alle andern Menschen auch. Manchmal isses aber nicht so leicht! Ihr kennt es ja alle.
Verfasst am: 10. 12. 2017 [14:10]
Brillosaurus01
Dabei seit: 24.01.2013
Beiträge: 5205
Hallo Kata,

also das Abfinden und akzeptieren, ist für dich problematisch ?

OK.

Welchen Sinn macht es sich Gedanken über etwas zu machen, was man eh hinnehmen muss

und nicht ändern kann. ?

Man sollte doch lieber überlegen, wie man das Beste rausholen kann.


Ich habe mich nie gefragt, warum ist das so und weshalb bekomme gerade ich MS ????

Man muss einfach lernen, das Beste für sich daraus zu machen.


Ist vielleicht ein unpassender Vergleich, aber wenn ich am Auto einen Platten habe,

reagiere ich ja auch nur darauf. An der Tatsache kann ich nichts ändern.


Oder wenn das Mondlicht mein Zimmer nachts so erhellt, dass ich keinen Schlaf finden kann.

Dann denkt doch kein Mensch über das Warum nach, sondern nur was er am Besten für sich tun kann.


OK. Ich war für dich bestimmt nicht sehr hilfreich.

Ich bin mir aber absolut sicher, dass du es lernen wirst.

Früher oder später garantiert. Das haben wir alle.


An der Tatsache MS können wir nichts ändern.

Also passe dein Leben der Krankheit an. Lebe dein Leben aber modifiziere es etwas.

Du brauchst dich doch "nur" mit der MS abstimmen.

LG, Jörg


Verfasst am: 10. 12. 2017 [18:02]
katzoff
Themenersteller
Dabei seit: 09.12.2017
Beiträge: 7
Ja ich verstehe dich sehr gut Jörg, nur hat jeder Mensch sein eigenes Tempo..
Ich bin da wohl langsamer oder so. Grübeln und in Gedanken hängen tu ich von Natur aus. Dies hilft mir nicht mich mit Dingen 'gut' auseinanderzusetzen. Und deswegen mache ich zB auch die Psychotherapie. Das gekoppelt mit ungünstigen Phasen lässt es nicht leichter werden.

Ich zum Beispiel hab mich selten gefragt 'warum' irgendwas so ist wie es ist. Bei der Diagnosestellung zB gar nicht. War zu allererst froh, dasses nichts 'schlimmeres' ist.
Merke nur immer wieder, wie ich an der Tatsache scheitere. Eben weil mein Leben nicht angepasst werden kann. Ist halt individuell bei jedem anders denk ich icon_frown.gif

Das ich überhaupt mal mit wem darüber schreibe allein hilft mir bereits icon_smile.gif
Klar wir alle schaffen es irgendwann..hoffe dasses mcih nicht zu sehr von anderen Dingen abhält oder aufhält!
Es ist ja meist leichter gesagt als getan-leider.

Liebe Grüße,

K.
Verfasst am: 10. 12. 2017 [18:18]
Glückskind66
Dabei seit: 28.07.2014
Beiträge: 3975
Hallo Kata,

ja, die Leichtigkeit des Lebens ist irgendwie erst mal dahin. Aber sie kommt, wenigstens in einigen Momenten durchaus wieder. Und diese Momente muß man dann genießen!

Mit dem Rest muß man sich arrangieren. Was anderes bleibt einem wirklich nicht übrig, da kann ich Jörg nur zustimmen. Allerdings arbeite ich auch noch an der Akzeptanz. Speziell bei der Diagnose MS habe ich Schwierigkeiten. Ich komme schwer damit zurecht, daß keiner wirklich was weiß. Ich bin ein Mensch, der gern auf der Grundlage gesicherter Informationen was tut. Das klappt bei MS so nicht. Trotzdem muß man aktiv dran bleiben.

Jedes Leben läßt sich anpassen. Blöder Spruch, aber wenn die MS richtig zuschlägt, hat man gar keine Wahl mehr. Also besser vorher mal schauen, was sich in kleinen Schritten ändern läßt. Für große Sprünge bin ich auch nicht mehr zu haben.

Ich habe übrigens meine Verdachtsdiagnose 2009 bekommen. Gesichert ist das Ganze seit 2014. Und ich experimentiere immer noch. Du liegst also noch gut in der Zeit.

Wenn Du einfach hier abseits der MS quatschen willst, kannst Du auch gern im Tagesecho unter „Alle Themen“ vorbeischauen. Wir sind dann allerdings neugierig, mit wem wir es zu tun haben. icon_wink.gif Dafür muß man dort seine Tagesform nicht jeden Tag neu erklären. Die Tips sind selten belehrend, sondern immer lieb gemeint.

Viele Grüße

Marga




 

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