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ETIMSred und Immuntoleranz

Autor Nachricht
Verfasst am: 14. 06. 2019 [21:15]
Yuna65
Themenersteller
Dabei seit: 08.01.2019
Beiträge: 2
Liebes Expertenteam,
ich habe kürzlich über eine Studie namens ETIMSred gelesen. Ich weiß, dass man sich bei den meisten Ankündigungen neuer, vielversprechender Studien und Therapieansätze erst mal nicht allzu viel Hoffnung machen sollte. Aber trotzdem fand ich den Ansatz sehr interessant, zumal hierbei mal nicht Immunsuppression, sondern Immuntoleranz das Ziel darstellt. Ich wollte mal Ihre Meinung dazu hören, ob die Wiederherstellung von Immuntoleranz bei MS prinzipiell eher unwahrscheinlich ist? Wenn man an Allergien denkt, ist eine Desensibilisierung ja auch gut möglich. Vielleicht ist es aus meiner Laien-Perspektive viel zu einfach gedacht, dass eine solche Methode bei einer Krankheit wie MS wirklich funktionieren könnte?
Mit freundlichen Grüßen,
Yuna
Verfasst am: 18. 06. 2019 [10:39]
Experte Elias-Hamp
Experte
Dabei seit: 15.01.2018
Beiträge: 48
Liebe Yuna,

das ist eine sehr gute und interessante Frage, die letztlich zur Zeit nicht beantwortet werden kann.

Es gab vor der ETIMSred schon Studienansätze mit Lymphozyten, die gelabelt wurden. Ob das Prinzip auch bei der MS gut funktioniert, kann aktuell noch nicht sicher beurteilt werden. Dabei war such die ETIMSred „nur“ eine Phase 1-Studie, das heißt, dass getestet wurde, ob der Wirkstoff überhaupt einsetzbar ist. Dabei wurden eben keine Lymphozyten, sondern Erytrhozyten als Trägerzellen genutzt. Der Wirksamkeitsnachweis bei einer größeren Patientengruppe steht damit letztlich aus.

Neuartig ist an diesem Ansatz, dass es eine individualisierte Therapie sein soll, die körpereigene Zellen des Patienten nutzt.

Da bislang nicht bekannt ist, welche Antigene die MS auslösen könnten, ist es natürlich aber schwierig zu ergründen, gegen welches Oberflächeneiweiß Immuntoleranz erzeugt werden soll. Das ist bei Allergien, deren Auslöser bekannt ist, oder bei Impfungen deutlich einfacher.

Es deutet sich bei genetischen Untersuchungen an, dass mehrere Oberflächenweiße, die allerdings zumeist immunologische Eiweiße kodieren, beteiligt sind. Ob nun jeder MS-Patient gegen dieselben Einweißstoffe reagiert, ist unwahrscheinlich. Eigentlich müßte bei jedem Patienten die "persönliche" Mischung an Eiweißstoffen an die Zellen gekoppelt werden, um einen Effekt zu testen.

Ich halte den Ansatz insgesamt für sehr wichtig und interessant- noch ist es aber zu früh, um weitere Aussagen auch hinsichtlich der Praktikabilität treffen zu können.


Beste Grüße
Dr. Birte Elias-Hamp




 

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