Dr. Elias-Hamp

Interview zur Expertentätigkeit auf MS-life: Prof. Dr. Elias-Hamp

 

 

 

 

Sehr geehrte Frau Dr. Elias-Hamp,

seit wann sind Sie als Ärztin tätig und wie lange arbeiten Sie bereits schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der MS?
Ich bin seit 2000 als Ärztin tätig. Nach einem Abstecher in die Neurochirurgie bin ich seit 2002 endgültig in der Neurologie gelandet und dort von Anfang an schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der MS tätig. Das ist sicherlich auch eine Art „Familienerbe“, da mein Vater bereits seit Anfang der 1980er Jahre eine Schwerpunktpraxis für MS in Hamburg geführt hat.

Seit wann sind Sie Expertin im MS-Life-Expertenrat?
Ich durfte seit Anfang 2017 meinen Vater als Experte bei MSLife „beerben“.

Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen: Was kann der Expertenrat leisten bzw. wie können die Nutzer profitieren?
Unser Expertenrat kann sicherlich dort unterstützen, wo es um bestehende Wissenslücken und Verunsicherungen geht, indem fundiertes Wissen auf die Möglichkeit einer Zweitmeinung (ohne Zeitdruck) trifft. D.h. wir können z.B. Zusammenhänge erläutern, Hinweise auf notwendige Diagnostik oder Therapiemöglichkeiten geben. In meiner Praxis habe ich die Erfahrung gemacht, dass bei langen Arzt-Patienten-Beziehungen es manchmal zu einer Art „Betriebsblindheit“ kommen kann. Im Expertenrat gibt es die Möglichkeit objektiv ohne Vorkenntnis des Patienten vorbehaltlos zu antworten und ggf. auch in eine neue, andere Richtung zu weisen.

Sicherlich haben Patienten manchmal auch überzogene Vorstellungen darüber, was Beratung via online leisten kann und was nicht. Um dies klarzustellen: Was leistet der Expertenrat nicht?
Via online ist kein persönliches Gespräch mit all seinen Facetten inkl. Empathie und Emotionalität, keine körperliche Untersuchung oder weitere Diagnostik ersetzbar. Wir können daher einen Kollegen vor Ort nicht ersetzen– und wollen das auch nicht. Oft werden uns sehr lange Krankheitserfahrungen geschildert und um eine Lösung gebeten. Das übersteigt dann leider das Machbare- so gerne wir helfen möchten. Zu komplexe Fragestellungen sind nicht gutachterlich zu klären.

Gibt es Spezialgebiete, die Sie bei der Behandlung und gegebenenfalls Beratung von MS-Patienten anbieten?
Ich interessiere mich seit Jahren sehr für die Betreuung/Behandlung von MS-Patientinnen mit Kinderwunsch bzw. Patientinnen in der Schwangerschaft. Neu hinzugekommen ist das Thema MS und Wechseljahre. Dieses Thema steckt international in den Kinderschuhen, so dass ich mich freue, in den letzten Jahren auch global die Chance erhalten zu haben, andere Neurologinnen mit ins Boot zu holen und diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Was motiviert Sie persönlich dazu, sich neben Ihrer täglichen Arbeit als Ärztin auch noch der Tätigkeit im MSLife-Expertenrat zu widmen?
Mein Anspruch ist, meine Patienten so gut wie mir möglich basierend auf Wissen, aber auch Menschlichkeit zu beraten. Wie ich immer wieder mitgeteilt bekomme, ist es manchmal nicht so leicht, einen Arzt zu finden, der dieses leisten kann, so dass ich mich freue, wenn ich meine Erfahrungen auch anderen Patienten zugänglich machen kann. Außerdem muß ich mir bei der Beantwortung der Fragen immer selbst auf den Zahn fühlen, meine Antworten gut abwägen. Durch dieses Reflektieren mache ich mich selbst auf Fehler aufmerksam und kann daher durch den Expertenrat einiges lernen. Diese Tätigkeit zeigt mir auch oft, dass ich mich glücklich schätzen kann, so zu arbeiten, wie ich es für richtig halte.

Welches Feedback bekommen Sie von den Nutzern?
Leider habe ich bislang wenige Rückantworten erhalten. Diese wenigen waren aber durchweg positiv und motivieren mich weiterzumachen. Es tut auch einem Arzt gut, ab und an gelobt zu werden…

Was war Ihr positivstes Erlebnis bislang?
Die Rückmeldung einer Patientin, die mir zeigte, dass sie sich durch meine Äußerung wieder auf einem sichereren Weg trotz ihrer Erkrankung befand und Hoffnung ausstrahlte.

Zur Mitteilung an die Leser/Nutzer: Was sollten sie bei Anfragen und für die Fragestellung berücksichtigen?
Ich weiß, dass man uns am liebsten alle Informationen zur Verfügung stellen möchte. Leider kommt es immer wieder zu sehr langen Mails, die nicht nur unübersichtlich sind, sondern auch das Machbare übersteigen. Versuchen Sie, die wesentlichen Punkte knapp zusammenzufassen. Sollte es Rückfragen geben, merken wir das ohnehin an. Und sehen Sie uns bitte nicht als „Heilmittel“- wir sind ebenso Ärzte wie Ihre Neurologen und können leider auch nicht alles wissen und klären.


Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!


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