Dr. Elias

Interview zur Expertentätigkeit auf MS-life: Dr. Elias

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. Elias,
seit wann sind Sie als Arzt tätig und wie lange arbeiten Sie bereits schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der MS?
Bereits 1971 begann ich als Arzt in der Klinik zu arbeiten, seit 1977 bin ich schon Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und arbeitete ab 1983 selbstständig als niedergelassener Nervenarzt. Beeinflusst durch meinen damaligen Klinikchef und Lehrer, Professor Helmut Bauer, habe ich ab 1995 einen Schwerpunkt für Multiple Sklerose in Hamburg aufgebaut.

Seit wann sind Sie schon Experte im MS-Life-Expertenrat?
Seit 2011.

Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen: Was kann der Expertenrat leisten bzw. wie können die Nutzer profitieren?

Die Aufgaben des Expertenrat sind vielfältig. So können Informationen über das gesamte Gebiet der Multiplen Sklerose mit Diagnostik und Therapie gegeben werden, für die oft im direkten Patienten-Arzt-Gespräch weniger Zeit ist, darüberhinaus hilft manchmal eine zweite Expertenmeinung dem Betroffenen, Entscheidungen zur weiterführenden Diagnostik oder zur krankheitsmodifizierenden Therapie auf einer sicheren Grundlage zu fällen. Häufig sind es gerade relativ einfache Fragen, deren Beantwortung dem Betroffenen Erleichterung verschafft.

Was leistet der Expertenrat nicht?
Der Expertenrat kann hilfreiche Informationen über krankheitsmodifizierende Therapie liefern und eine Entscheidung erleichtern, kann jedoch keine Entscheidungen übernehmen oder  fällen. Hierzu fehlen ihm vornehmlich die notwendigen umfassenden Informationen über den individuellen Krankheitsverlauf, andererseits ist es aber auch nicht seine Auftrag. Der Entscheidung für eine bestimmte Therapie und deren Durchführung oder über weiterführende Diagnostik bleibt immer in der Hand des behandelnden Neurologen/der behandelnden Neurologin. Der Expertenrat versteht sich hier als dessen/deren Unterstützer.

Gibt es bestimmte Spezialgebiete, auf die Sie im Expertenrat eingehen können?
Themen, mit denen ich mich besonders intensiv beschäftige, sind das Fatigue-Syndrom, die psychologische/psychotherapeutische Unterstützung in der Krankheitsverarbeitung, die Notwendigkeit einer sportlichen Aktivität oder auch Schwangerschaft und Wochenbett unter einer Multiple Sklerose.

Was motiviert Sie persönlich dazu, sich neben Ihrer täglichen Arbeit als Arzt auch noch der Tätigkeit im MS-life-Expertenrat zu widmen?
MS-Betroffene sind in der Regel in der Mitte ihres Lebens, gut informiert über die Krankheit, Diagnostik und Therapie und gehen in der Regel mit ihrer Krankheit aktiv um, sie spielen keine Opferrolle. Durch die Entwicklung von therapeutischen Möglichkeiten zur Beeinflussung des Krankheitsverlaufs können wir den Betroffenen auch aktive Hilfe zur Reduzierung der Krankheitsaktivität und der Behinderungszunahme anbieten. Es ist immer wieder erfreulich und motivierend, zu beobachten, dass MS-Betroffene ihren ursprünglichen Lebensentwurf fortsetzen können, auch dass diese Krankheit paradoxerweise ihnen hilft, ihr Leben neu und befriedigender zu ordnen. Hierzu können wir im Expertenrat  viel beitragen.

Welches Feedback bekommen Sie von den Nutzern?
In der Regel kann ich den anfallenden Fragen auch tagsüber ausreichend Zeit widmen. Dies wird von den Fragestellern oft sehr positiv gewürdigt.

Was war Ihr positivstes Erlebnis bislang?
In einigen Fällen entwickelte sich ein regelrechtes Frage-Antwort-Spiel mit mehrfachen Nachfragen, die mir zeigten, dass meine Antworten sehr wohl verstanden wurden und auch ein eigenes Nachdenken (und hoffentlich auch Handeln) anstießen.

Zur Mitteilung an die Leser/Nutzer: Was sollten sie bei Anfragen und für die Fragestellung berücksichtigen?
Es ist verständlich, dass viele sich allein gelassen fühlen und und eine lange Krankengeschichte zu erzählen und dementsprechend viele Fragen an den Expertenrat haben. Oft ist es schwierig und zeitaufwendig, hier die wichtigsten Fragen herauszudestillieren und zu beantworten. Deshalb sollte der/die Betroffene versuchen, Fragen sowie die dazu erforderlichen Angaben knapp und ausreichend präzise zu formulieren. Es ist dann auch leichter möglich, gezielte Nachfragen zu stellen, die ebenso zielgerichteterer beantwortet werden können. Antworten auf viele Fragen können auch bei direkten Recherchen im Internet gefunden werden: sehr viele Fragen sind bereits in der letzten Jahren gestellt und in verschiedenen Foren beantwortet worden.

Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!

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