Dr. med. Feneberg

Interview zur Expertentätigkeit auf MS-life: Oberarzt Dr. Feneberg

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Oberarzt Dr. Feneberg,
seit wann sind Sie als Oberarzt im Behandlungszentrum für Multiple Sklerose der Marianne-Strauss-Klinik Berg tätig und wie lange arbeiten Sie bereits schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der MS?

Ich arbeite seit 18 Jahren schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie von Multipler Sklerose, und bin seit 2004 als Oberarzt im Behandlungszentrum für Multiple Sklerose der Marianne-Strauss-Klinik Berg tätig.

Seit wann sind Sie schon Experte im MS-Life-Expertenrat?
Als Experte im MS-Life-Expertenrat bin ich seit Januar 2008 tätig.

Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen: Was kann der Expertenrat leisten bzw. wie können die Nutzer profitieren?
Der Expertenrat kann z.B. allgemeine Fragen zu Therapie und Diagnostik bei Multipler Sklerose zu beantworten suchen, bei Verständnisproblemen weiterhelfen und den Umgang mit Symptomen der Erkrankung erklären. Hierbei sind meine Erfahrungen bisher durchweg positiv.

Sicherlich haben Patienten manchmal auch überzogene Vorstellungen darüber, was eine Beratung via online leisten kann und was nicht. Um auch dies klarzustellen: Was leistet der Expertenrat nicht?
Eine individuelle Therapieentscheidung oder eine Diagnosestellung ist über das Internet natürlich nicht möglich. Zur Therapieentscheidung und auch zur Frage, welche diagnostische Maßnahmen im individuellen Fall wirklich notwendig sind, wird sinnvollerweise immer der behandelnde Arzt herangezogen werden, der den Patienten ja auch am besten kennt. Möglich ist es uns natürlich, die Vor- oder Nachteile des jeweiligen Vorgehens oder entsprechender Medikamente gegeneinander abzuwägen. Aber der Vorschlag eines bestimmten immunologischen Medikamentes oder einer bestimmten Klinik zur Behandlung gehört nicht zu unseren Aufgaben.

Gibt es bestimmte Spezialgebiete, die Sie bei der Behandlung und gegebenenfalls Beratung von MS-Patienten anbieten?
Bereiche, mit denen ich mich schon seit längerem beschäftige, sind die Behandlung von neurogenen Blasen- und Darmstörungen, Schluckstörungen, Spastik und Schmerzen bei Multipler Sklerose.

Was motiviert Sie persönlich dazu, sich neben Ihrer täglichen Arbeit als Arzt auch noch der Tätigkeit im MS-life-Expertenrat zu widmen?
Motivierend ist, dass im Expertenrat die eigene Meinung der Nutzer oder auch Fragen oft ausführlicher und anders geäußert werden, als ich es im klinischen Alltag erleben. Man ist hier z. T. näher an den Empfindungen und Alltagsproblemen der Patienten dran und erlebt auch, wie ärztliche Entscheidungen empfunden werden, bzw. welche Irritationen hier z. T. ausgelöst werden können. Insofern kann auch ich selbst im Expertenrat immer wieder neu dazulernen.

In welche Richtung gehen die Fragen der Nutzer und gibt es eine Anfrage, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Die Fragen decken ein sehr breites Spektrum ab; von der Diagnostik und Therapie der MS bis hin zur Frage nach Impfungen, sozialen Konsequenzen, alternativen medizinischen Behandlungen, Hilfsmittelversorgung, Probleme mit den Kostenträgern usw.
Im Gedächtnis blieben mir vor allem zwei Fragen zum Thema, ob es möglich sei, als MS Betroffener Blut bzw. Organe spenden zu können. Dies hat mich doch bewegt.

Welches Feedback bekommen Sie von den Nutzern? Was war Ihr positivstes Erlebnis bislang?
Ich habe mehrfach positive Rückmeldungen bekommen, dass meine Antwort weitergeholfen hat, was mich naturgemäß freut.

Zur Mitteilung an die Leser/Nutzer: Was sollten sie bei Anfragen und für die Fragestellung berücksichtigen?
Je präziser eine Frage gestellt wird, desto genauer kann sie auch beantwortet werden. Insbesondere die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung, die anhand bestimmter Untersuchungen (z. B. Liquor, Kernspintomografie, evozierte Potentiale, neurologische Untersuchungsbefunde) zu diagnostizieren ist. Auf eine Schilderung klinischer Beschwerden mit der Frage, ob z. B. auch eine MS vorliegen könnte, ist ohne weitere Untersuchungen leider oft nicht befriedigend zu antworten. Auch sollte berücksichtigt werden, daß es uns natürlich nicht möglich ist, bestimmte Institutionen oder eine konkrete Medikation zu empfehlen.


Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!


bsmo - Redaktion