Wie MS die Mobilität beeinflussen kann

Aufgrund einer Fehlsteuerung des Immunsystems greifen bei MS körpereigene Immunzellen die Schutzhülle der Nervenfasern – auch Myelin genannt – im Gehirn und Rückenmark an und zerstören diese. Dabei wird die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen gestört. Diese Störungen im zentralen Nervensystem (ZNS) wirken sich auf zahlreiche neurologische Funktionen aus und können die Beweglichkeit und Gehfähigkeit einschränken.

  • Transport von Informationen über die NervenzellenOpen or Close
    Nervenfaser: Intakte Myelinhülle gegen Geschädigte Myelinhülle
    © schmid:heilig/Biogen

    Nervenzellen transportieren Informationen mit hoher Geschwindigkeit durch den Körper. Für die Weiterleitung von Nervenimpulsen sind lange, faserartige Fortsätze der Nervenzellen verantwortlich, die Nervenfasern oder auch Axone genannt werden. Die meisten dieser Nervenfasern sind von einer schützenden Hülle umgeben, dem Myelin. Dabei verläuft die isolierende Myelinhülle nicht durchgehend, sondern weist kleine Lücken auf, die sogenannten Ranvierschen Schnürringe. Damit sich Signale mit hoher Geschwindigkeit entlang der Nervenfasern ausbreiten können, springen die elektrischen Impulse von Schnürring zu Schnürring.

  • Austausch elektrischer SignaleOpen or Close

    Nervenzellen kommunizieren miteinander über elektrische Signale, die sogenannten Aktionspotenziale. Jede Nervenzelle trägt dabei eine schwache elektrische Ladung, die durch ein Wechselspiel von Ionen (elektrisch geladene Teilchen) zustande kommt. Durch winzige Kanäle in der Zellwand können positiv geladene Natrium- und Kaliumionen in den Nervenzellen hin- und herwandern.

    Trifft nun der elektrische Reiz einer Nachbarzelle ein, wechselt die Nervenzelle blitzschnell ihre elektrische Ladung. Ausgelöst wird diese Spannungsänderung durch eine Kette von Öffnungs- und Schließvorgängen in den Ionenkanälen: Zuerst strömen Natriumionen aus der Zelle hinaus, wodurch sich das Aktionspotenzial aufbaut. Im zweiten Schritt entweichen die Kaliumionen und das Aktionspotenzial baut sich wieder ab – der Impuls wurde zur nächsten Zelle übermittelt. Dieser Ablauf dauert lediglich eine Millisekunde.

  • Störung der ReizweiterleitungOpen or Close
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    In den Lücken der Myelinhülle, den Schnürringen, sitzen vor allem Kanäle für die positiv geladenen Natriumionen. Die meisten Kaliumionenkanäle dagegen befinden sich unterhalb der schützenden Myelinhülle zwischen den Schnürringen. Ist das Myelin geschädigt, liegen die Kaliumionenkanäle zwischen den Schnürringen in der Zellwand frei. Die positiv geladenen Kaliumionen (K+) können unkontrolliert aus der Nervenzelle entweichen und das Aktionspotenzial schwächt sich ab. Nervenimpulse werden blockiert oder nicht mehr so schnell weitergeleitet.

    Diese Störungen bei der Signalübermittlung im zentralen Nervensystem wirken sich auf zahlreiche neurologische Funktionen aus und können die Beweglichkeit und Gehfähigkeit einschränken oder verschlechtern.

  • Neue therapeutische OptionenOpen or Close

    Neben der Physiotherapie gibt es medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, die speziell durch eine Wiederherstellung der Leitfähigkeit beschädigter Nervenbahnen neurologische Funktionen verbessern könnten. Das ist eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Gehfähigkeit.