Das Beobachten und Messen der Mobilität

Mobilitätsveränderungen treten oft schleichend auf. Dadurch ist es schwierig, sich ein objektives Bild über die Entwicklung der eigenen Beweglichkeit zu verschaffen. Mit Hilfe von Mobilitätstests kann der Arzt untersuchen, wie mobil ein MS-Patient ist, wie schnell er gehen kann oder wie gut er mit alltäglichen Aktivitäten zurechtkommt. Da Symptome wie Mobilitätseinschränkungen abhängig sind vom Stadium der Krankheit und sich je nach Tageszeit ändern können, müssen die Messungen regelmäßig wiederholt werden.

Wichtig ist außerdem, dass sich MS-Patienten selbst beobachten. Wie leicht fällt ihnen das Gehen, Stehen oder Treppensteigen? Anhand einer Referenzstrecke machen sich Veränderungen rasch bemerkbar. Geeignet sind zum Beispiel der Weg zum Supermarkt, die Treppe im Haus oder die Lieblingsstrecke mit dem Hund. Es empfiehlt sich für MS-Patienten, ein Mobilitätstagebuch zu führen, in dem sie alles notieren, was ihnen hinsichtlich ihrer Beweglichkeit am jeweiligen Tag auffällt. Menschen, die MS-Patienten nahe stehen, können ebenfalls eine große Hilfe sein. Oft kann ein Außenstehender Veränderungen besser erkennen und beurteilen als der Patient selbst.

Die Beobachtungen der Patienten und ihrer Angehörigen werden zusammen mit den in speziellen Mobilitätstests gemessenen Leistungen ausgewertet. Anhand dieser Testergebnisse werden oft Entscheidungen über die geeignete Therapie getroffen und ihre Wirksamkeit überprüft.

  • EDSS-SkalaOpen or Close

    Mithilfe der EDSS-Skala (Expanded Disability Status Scale) wird die körperliche Verfassung geprüft und bewertet. Die EDSS-Skala bewertet vor allem motorische Defizite, insbesondere die Gehfähigkeit. Je stärker die Beeinträchtigung, desto höher der Wert. Der Wert "1" bedeutet "keine Beeinträchtigung", bei einem Wert von "6" sind zur Fortbewegung Hilfsmittel, beispielsweise ein Gehstock, erforderlich.

    1,0: Keine Behinderung
    © Biogen
  • Patientenfragebogen MSWS-12Open or Close

    Ein verbreiteter, standardisierter Patientenfragebogen ist der MSWS-12 (Multiple Sclerosis Walking Scale-12), auch Walk-12 genannt, bei dem die Gehfähigkeit aus Patientensicht erfragt wird. Mittels des Fragebogens nehmen MS-Patienten anhand von 12 Fragen eine Selbsteinschätzung vor, wie sich die MS auf ihre Gehfähigkeit auswirkt. Dabei wird eine Werteskala verwendet, die von "überhaupt nicht" bis "sehr stark" reicht. Hier sind einige Beispiele für die gestellten Fragen:

    • Welchen Einfluss hatte Ihre MS-Erkrankung in den letzten beiden Wochen darauf, wie weit Sie gehen konnten?
    • Wie hat die MS Sie in den letzten beiden Wochen bei Tätigkeiten im Stehen beeinträchtigt?
    • Wie stark mussten Sie sich in den letzten beiden Wochen aufgrund der MS-Erkrankung auf das Gehen konzentrieren?

    Alle Antworten werden für ein Gesamtergebnis zusammengerechnet. Je höher dieser Wert ausfällt, desto größer ist die Beeinträchtigung der Gehfähigkeit.

    In der Praxis können auch gekürzte Patientenfragebögen dem Arzt interessante Aufschlüsse über die Mobilität der Patienten geben. Hier finden Sie einen einfachen Patientenfragebogen mit fünf Fragen, die einfach mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können. Sie können sich diesen Fragebogen in Vorbereitung Ihres nächsten Arzttermins ausdrucken und ausfüllen. Besprechen Sie Ihre Antworten hinsichtlich Mobilität bei Ihrem nächsten Termin und diskutieren Sie mit Ihrem Arzt einen möglichen Handlungsbedarf.