Möglichkeiten zur Selbsthilfe bei multipler Sklerose

Um mit der Diagnose MS fertig zu werden, müssen Patienten akzeptieren, dass MS ein Teil ihres Lebens ist. Sie werden anfangen, über die Krankheit und ihre Auswirkungen zu reden, und lernen, Hilfe anzunehmen. Beides ist für den Gewöhnungsprozess von außerordentlicher Bedeutung. Wenn MS-Patienten die chronische Krankheit in ihr Leben integrieren und zu einem neuen inneren Gleichgewicht finden, werden sie feststellen, wie sie innerlich gewachsen sind.

Mit jeder Veränderung, die die Krankheit in Zukunft ins Leben bringen wird, werden MS-Patienten wie in einem Kreislauf immer wieder die gleichen Gewöhnungsprozesse durchmachen. Die folgenden Abschnitte geben ein paar praktische Hinweise zur Selbsthilfe.

Nicht zulassen, dass MS das ganze Leben beherrscht

Natürlich spielt die MS eine wichtige Rolle, aber sie ist weder für den Patienten noch für seine Familie und seinen Freundeskreis das Einzige, was im Leben zählt. MS-Patienten sollten auch über andere Dinge sprechen, und weiterhin das tun, was ihnen Freude macht, auch wenn es jetzt anstrengender ist. Sie sollten die Zeit nutzen, in der sie sich gut fühlen, um etwas Schönes zu unternehmen.

Freizeit und Mußestunden

MS-Patienten sollten ihre freie Zeit in vollen Zügen genießen und sich ruhig mal dem Müßiggang hingeben: sich auf eine Parkbank setzen, durch den Wald spazieren oder durch die Einkaufsmeile schlendern. MS-Patienten können Sport treiben, Tanzen gehen, Partys besuchen, ins Kino gehen und natürlich verreisen. Sie sollten das tun, was sie schon immer gerne in ihrer Freizeit getan haben. Jede Aktivität wird den Patienten gut tun, wenn sie sich dabei nicht überanstrengen. Sie werden rasch lernen, auf ihren Körper zu hören und seine Reaktionen richtig einzuschätzen.

Wichtig ist es, dass MS-Patienten Gelegenheiten suchen, um weiter am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das Einhalten neuer Grenzen, die die MS vorgibt, muss keinen sozialen Rückzug bedeuten.

Grenzen erkennen und aufzeigen

Nach einiger Zeit fühlen sich MS-Patienten sicherer, denn sie wissen jetzt mehr über MS und haben gelernt, mit ihr umzugehen. Jetzt sind sie so weit, ihren Mitmenschen deutlich machen zu können, dass sie kein Objekt des Mitleids sind und dass es Dinge gibt, die sie weiterhin tun, aber auch solche, die sie nicht mehr tun können. Sie können sich jetzt gegen eine übertriebene Beschützerhaltung - auch wenn sie gut gemeint ist - wehren. Das wird dem Umfeld von MS-Patienten helfen, das Hilfsangebot den Bedürfnissen des Patienten anzupassen.

Realistisch planen

MS-Patienten sollten nach ihren Möglichkeiten planen und keine unrealistischen Anforderungen an sich selbst stellen. Wenn sie ihre Möglichkeiten im Auge behalten, werden sie flexibel auf Veränderungen der körperlichen Verfassung reagieren können.

Manchmal wird die Krankheit es erfordern, dass Pläne geändert werden müssen. Deshalb sollten MS-Patienten, wenn sie sich etwas Größeres vornehmen, einen alternativen Plan zurechtlegen, für den Fall, dass es ihnen nicht so gut geht. MS-Patienten sollten von einem Tag auf den anderen leben und die Zukunft ein bisschen offen halten. Sie sollten nur über einen Zeitraum planen, den sie überblicken können.

Positives Denken

Wenn man negativen Lebensumständen doch noch etwas Positives abgewinnt, ist man eher im Stande, Kräfte zu mobilisieren und angemessene Verhaltensweisen zu entwickeln – nach dem Motto: „Es könnte sich lohnen, dass ich mich dieser Herausforderung stelle. Also will ich es wenigstens versuchen!“
Auch Lachen kann enorm erleichtern und kann helfen, Schwierigkeiten ins richtige Licht zu rücken. MS-Patienten sollten MS als einen Neubeginn und nicht als das Ende eines besseren Lebens betrachten.

Sport und Bewegung

Regelmäßige Bewegung versorgt MS-Patienten nicht nur mit neuer Energie, sondern wirkt sich außerdem positiv auf das Immunsystem und auf den Verlauf der Erkrankung aus. Sport kann zudem Depressionen und Fatigue ebenso wie funktionelle Einschränkungen reduzieren. Mit Sport können MS-Patienten ihre Ausdauer, ihre Koordinationsfähigkeit und ihre Beweglichkeit trainieren. Dabei sollten sie sich jedoch immer mit dem behandelnden Arzt oder einem Physiotherapeuten abstimmen, welche Sportart für sie in Frage kommt. Wichtig ist, dass MS-Patienten ihre Leistungsgrenze erkennen und respektieren. Sport sollte in erster Linie Spaß machen und Entspannung schenken.

Kontakt zu Menschen in einer ähnlichen Situation

Ein Gespräch mit Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, verhilft dem MS-Patienten oft zu größerer Klarheit und Motivation. Diese Menschen kennen bereits vieles von dem, was der Patient gerade erlebt, und haben Fragen und Probleme, die sich mit seinen vergleichen lassen. Menschen in ähnlichen Situationen können sich gegenseitig viele wertvolle Tipps und Informationen zum Umgang mit MS im täglichen Leben geben. MS-Patienten können sich einer MS-Selbsthilfegruppe in ihrer Nähe anschließen oder auch über Diskussionsforen im Internet mit anderen MS-Patienten kommunizieren.


Im MS-Diskussionsforum treffen sie auf Menschen, die sich aktiv mit ihrer MS-Erkrankung auseinandersetzen und sich mit ihren Erfahrungen gegenseitig unterstützen.