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An apple a day keeps the doctor away

06.07.2015

So lautet ein altes Sprichwort und bedeutet übersetzt: „Ein Apfel pro Tag hält den Doktor fern“. Doch was ist dran an der Redensart?

Der Ursprung dieser Weisheit stammt aus Wales, wo sie 1866 in etwas anderer Form das erste Mal schriftlich erwähnt wird. Der Spruch wurde also zu der Zeit geprägt, in der ein Besuch des Arztes meistens das Schlimmste befürchten ließ und möglichst vermieden wurde. Ob der Apfel stellvertretend für eine gesunde Ernährung steht oder mehr hinter diesem Sprichwort steckt, dem wollten nun Forscher aus den USA nachgehen.

Der Apfel – eine Wunderfrucht?
So viel ist klar: Der Apfel gehört zu den Kernobstgewächsen und ist eine der beliebtesten Obstsorten der Deutschen. Aber sind Äpfel wirklich so gesund? Ein Apfel enthält im Vergleich zu anderen Obstsorten viel Pektin, das als Ballaststoff verschiedene Funktionen im Körper unterstützen kann. Pektine können Nahrungscholesterin binden und durch die starke Bindung von Wasser sättigend wirken. Außerdem enthält ein Apfel viel Wasser, wenig Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett. Wenn der Apfel reif gepflückt wird, enthält er große Mengen an Vitamin C, die sich bei dunkler und kühler Lagerung lange halten. Außerdem enthalten Äpfel wertvolle Kalium‐Verbindungen, die für die Verdauung wichtig sind, sowie Calcium, Magnesium, Phosphor und Eisen. Dass ausgerechnet der Apfel in diesem Sprichwort vorkommt, hat vermutlich aber auch historische Bedeutung. Äpfel konnten früher auch schon ohne weitere Konservierung lange aufbewahrt werden und stellten im Winter eine wichtige Vitaminquelle dar. Äpfel sind also gesund. Allerdings lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die sich auf entsprechende wissenschaftliche Datensätze stützt, fünf Portionen Obst oder Gemüse am Tag in den Speiseplan einzubauen. Hier können Äpfel dabei sein, müssen aber nicht.

Apfel‐Verzehr im Dienste der Wissenschaft
Gefördert von diversen Interessensgruppen, wie beispielsweise der US Apple Association, wurden die günstigen Auswirkungen des Apfelkonsums untersucht. Obwohl die Ergebnisse nicht eindeutig sind, konnte der Verzehr von Äpfeln mit einigen positiven gesundheitlichen Effekten wie beispielsweise Gewichtsreduktion in Zusammenhang gebracht werden. Für ihre Publikation haben nun die Wissenschaftler Daten des großen nationalen Gesundheits‐ und Ernährungsfragebogens, National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES), von 2007 bis 2010 ausgewertet.

Im Rahmen dieses Fragebogens wird unter anderem die Nahrung der letzten 24 Stunden abgefragt und ob diese typisch für die tägliche Ernährung ist. In der Studie wurden nur Teilnehmer berücksichtigt, die aussagten, dass die Angaben der letzten 24 Stunden der tagtäglichen Ernährung entsprachen. Insgesamt rund 8.700 Datensätze konnten so ausgewertet werden.

Durch diese Einschränkung ist davon auszugehen, dass jemand, der in den letzten 24 Stunden einen Apfel gegessen hatte, dies auch täglich tat. Diese Datenerhebung ergab, dass schätzungsweise 9,3 % der Bevölkerung täglich einen Apfel verspeist. Neben den Ernährungsgewohnheiten wurden die Teilnehmer außerdem gefragt, wie oft sie im vergangenen Jahr einen Arzt aufgesucht und Medikamente eingenommen haben.

Apfelesser bekommen tendenziell weniger Medikamente verschrieben
Apfelesser hatten ein signifikant höheres Bildungsniveau, rauchten seltener, verdienten mehr und waren insgesamt schlanker als die Vergleichsgruppe. Berücksichtigt man diese Unterschiede in der Ausgangspopulation, können die Forscher keine Unterschiede in der Anzahl der Arztbesuche feststellen.

Die Forscher schlussfolgern, dass der Apfel als Symbol für einen allgemein gesunden Lebensstil betrachtet werden kann. Der Apfel an sich hat jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Arztbesuche. Allerdings hängen der Verzehr von Äpfeln und die gesunde Lebensweise mit einer verminderten Menge von verschreibungspflichtigen Medikamenten zusammen.

Fast 48 % der Vergleichsgruppe hatte im vorhergehenden Monat Medikamente verschrieben bekommen, während dies nur für 42 % der täglichen Apfelesser zutraf. Dieser Unterschied war auch dann noch erkennbar, wenn alle Unterschiede in Bezug auf Lebensstil und sozialdemografische Faktoren berücksichtigt wurden. Der tägliche Apfel hatte weder auf die Anzahl der Klinikaufenthalte noch auf die Besuche bei Psychotherapeuten einen Einfluss.

Die Bedeutung des Apfels im 21. Jahrhundert
Diese Studie konnte zwar nicht zeigen, dass der tägliche Verzehr von Äpfeln einen Arztbesuch verhindert, aber es konnte gezeigt werden, dass sich eine gesunde Ernährung und Lebensweise vorteilhaft auf die Gesundheit und die Menge der verschreibungspflichtigen Medikamente auswirkt. Wenn überhaupt könnte das Sprichwort angepasst auf heutige Verhältnisse lauten: „Der tägliche Verzehr von Äpfeln könnte dazu beitragen, den Apotheker fernzuhalten“.

Referenz:
Matthew A. Davis, DC, MPH, PhD, Julie P.W. Bynum, MD, MPH, and Brenda E. Sirovich, MD,MS. Association Between Apple Consumption and Physician Visits: Appealing the Conventional Wisdom That an Apple a Day Keeps the Doctor Away. JAMA Intern Med. 2015 May 1; 175(5): 777–783.

 

 

 


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