MS News

Aus der Forschung: Selbstheilungsprozesse

22.08.2016

Multiple Sklerose (MS) kann viele unterschiedliche Symptome zeigen. Diese werden durch Schädigungen im Gehirn und Rückenmark verursacht. Ein elementares Ziel der Medizin ist es, diese Schädigungen schnellstmöglich zu reparieren und dadurch den Krankheitsverlauf zu modifizieren. Dabei liegt in der Mobilisierung von Selbstheilungsprozessen eine große Hoffnung für die MS-Therapie.

Die MS kann sich in sehr unterschiedlichen Ausprägungen zeigen. Zu den häufigsten Symptomen zählen Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen oder auch Beschwerden im Bewegungsablauf. Neben diesen können jedoch noch weitere auftreten. Trotz der Fülle an Symptomen ist ihnen eines gemein: Sie sind auf eine Schädigung von Myelin zurückzuführen. Zellen des Immunsystems sind so verändert, dass sie körpereigene Strukturen, eben das die Nervenzellfortsätze umhüllende Myelin, angreifen. Dies führt zu einer Schädigung und schließlich zum Abbau von Myelin (Demyelinisierung). Durch die Zerstörung der Myelinschicht, kann die schnelle Informationsweitergabe entlang des Nervenzellfortsatzes nicht mehr aufrechterhalten werden, was zu den typischen Symptomen führt. Mehr Information zu dieser Thematik finden Sie auch auf MS-life.de.

Dem Prozess der Demyelinisierung (Entmarkung) steht der Prozess der Remyelinisierung (Wiederherstellung) geschädigter Myelinbereiche gegenüber. Wie ausgeprägt der Prozess des Myelinwiederaufbaus abläuft, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist, dass der Prozess umso schleppender abläuft je größer die vorliegende Schädigung ist. Demzufolge ist es ein großes Anliegen der MS-Therapie, die körpereigenen Remyelinisierungsprozesse frühstmöglich voranzutreiben. Aktuell sind die Mittel dazu jedoch begrenzt. In einem tierexperimentellen Forschungsansatz von 2015 konnten Wissenschaftler zeigen, dass die Behandlung von an MS erkrankten Fischen mit dem Wirkstoff Sulfasalazin die Regeneration des Nervensystems verbessert. Sulfasalazin findet bereits seit längerem Anwendung in der Rheumatologie und bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Es handelt sich um einen antientzündlichen, immunmodulierenden Wirkstoff. Für eine Erprobung bei MS-Patienten sind jedoch zunächst experimentelle Daten erforderlich.

Bisher gibt es keine Medikamente die in diesem Bezug für die MS-Behandlung zugelassen sind. In Zukunft könnte sich mit der Beeinflussung körpereigner Reparaturmechanismen im Gehirn und Rückenmark jedoch eine Tür zu weiteren Therapieoptionen öffnen und steht somit im Fokus der aktuellen MS-Forschung.

 

Referenzen und weiterführende Informationen

https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-forschung/multiple-sklerose-sulfasalazin-fuehrt-im-tierversuch-zu-verbesserter-regeneration-im-nervensystem/ (Stand 06.07.2016)

S. Kim, Y. Lee, K.-Y. Chang, D.-W. Lee, S. C. Cho, Y. W. Ha, J. E. Na, I. J. Rhyu, S. C. Park and H.-C. Park, Promotion of Remyelination by Sulfasalazine in a Transgenic Zebrafish Model of Demyelination http://www.molcells.org/journal/view.html?doi=10.14348/molcells.2015.0246 (Stand 17.06.2016)

 

 

ALL-GER-0522