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Ausbildung mit MS

16.03.2017

Gerade jungen MS-Patienten, die noch eine Ausbildung oder ein Studium vor sich haben, fällt es oft nicht leicht die chronische Erkrankung und ihre berufliche bzw. akademische Laufbahn aufeinander abzustimmen. Wir geben im folgenden Artikel Tipps und Anregungen für die Karriereplanung mit MS.

Neben einer betrieblichen Ausbildung, z. B. im Handel, Handwerk oder der Industrie, besteht auch die Möglichkeit einer schulischen Ausbildung oder eines Studiums. Eine Ausbildung ist dabei meist sehr strukturiert, bietet einen geregelten Ablauf und wird von Anfang an vergütet. Ein Studium ist kostspielig, erfordert viel Eigeninitiative und Mobilität, eröffnet aber nach erfolgreichem Abschluss meist eine besser bezahlte Karriere und mehr berufliche Entfaltungsmöglichkeiten.

Erfahrungen anderer MS-Patienten legen nahe, dass der gewählte Beruf körperlich nicht zu anstrengend sein sollte. Betroffene sollten möglichst keinen Extremsituationen wie Hitze, Kälte oder sehr starken Belastungen ausgesetzt sein. Auch Berufe mit Schicht- oder Akkordarbeit oder die hohe Ansprüche an die Feinmotorik und den Gleichgewichtssinn stellen, können weniger geeignet sein.

Was am besten zu Ihnen passt, können nur Sie selbst herausfinden. Ein ehrlicher und gründlicher Selbstcheck hilft, die für Sie stimmige Ausbildung zu finden:

•    Was sind Ihre Stärken und Begabungen?
•    Was tun Sie gern?
•    Wie hoch ist Ihr Bedürfnis nach Sicherheit und Struktur?
•    Wollen Sie in Ihrem Umfeld bleiben oder finden Sie einen Ortswechsel gut?
•    Gibt es körperliche Einschränkungen, die Sie beachten müssen?
•    Haben Sie Unterstützung durch Ihr soziales Umfeld?

Haben Sie erste Ideen, welche Art der Ausbildung zu Ihnen passen könnte, dann sammeln Sie Informationen darüber. Rat und Hilfe finden Sie unter anderem bei der Bundesagentur für Arbeit und im BIZ, dem Berufs- und Informationszentrum – online, genauso wie vor Ort im persönlichen Beratungsgespräch.

Wo werden Sie während Ihrer Ausbildung wohnen und wie gestalten Sie Ihren Alltag? Neben guten Ausbildungsbedingungen kann auch eine optimale Infrastruktur sehr unterstützend sein: Einkaufs- oder Freizeitmöglichkeiten sind dabei genauso wichtig wie die Erreichbarkeit Ihres behandelnden Arztes. Wo und von wem wird die Ausbildung angeboten bzw. welche Studienorte kommen infrage? Schauen Sie sich Ihre Wunschausbildungsstätte an. Ein Schnupperpraktikum im Wunschausbildungsbetrieb oder der Besuch spezieller Informationsveranstaltungen Ihrer Wunschhochschule kann die Entscheidung erleichtern. Welche Anlaufstellen gibt es für Menschen mit Behinderungen? Studentenwerke und auch der allgemeine Studentenausschuss (AStA) halten besondere Beratungsangebote für Studierende mit Behinderung vor. Als ein positives Beispiel für außergewöhnliches Engagement im Bereich Hochschulorganisation für Menschen mit Behinderung kann Raúl Krauthausen gelten. Er berichtet in Vorträgen über seine Erfahrungen zum Studieren mit Behinderung. Er spricht über den alltäglichen Umgang mit Menschen mit Behinderung ebenso anschaulich wie über die immer noch bestehenden baulichen Barrieren der Hochschulgebäude. Und er thematisiert unser Verständnis davon, was wir als „normal“ ansehen. Mit viel Humor macht er Menschen mit einer Beeinträchtigung Mut, sich mehr zuzutrauen.

Die Agentur für Arbeit bietet finanzielle Unterstützung mit dem sogenannten „Ausbildungsgeld“ für Menschen mit Behinderung. Mit einem Antrag zur Berufsausbildungshilfe (BAB) können Sie, neben finanziellen Mitteln, z. B. auch eine Verlängerung der Ausbildungszeit bei längeren Krankheitsphasen beantragen. Die Leistungen der BAB müssen im Gegensatz zum BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) nicht zurückgezahlt werden. Weitere Informationen hierzu finden Sie beispielsweise auf der Internetseite des Studentenwerks. Auch spezielle Stipendien für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung werden von verschiedenen Institutionen und Stiftungen vergeben, die Dr. Willy Reblein Stiftung ist ein Beispiel dafür.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

https://www3.arbeitsagentur.de/web/content/DE/BuergerinnenUndBuerger/MenschenmitBehinderung/index.htm (Zugriff: 27.01.2017)

https://www.studentenwerke.de/de/behinderung (Zugriff: 27.01.2017)

Broschüre „Aktiv im Beruf“: www.amsel.de/shop/index.php?kategorie2=shopartikel&shopartcnr=41&shopartanr=30 (Zugriff: 27.01.2017)

https://www.studentenwerke.de/de/content/darlehen-besonderen-h%C3%A4rtef%C3%A4llen-nach-%C2%A7-27-sgb-ii (Zugriff: 09.02.2017)

http://www.mystipendium.de/stipendien/Dr.-Willy-Rebelein-Stiftung-1640 (Zugriff: 09.02.2017)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/themenreihe-berufstaetigkeit-und-ms-teil-1/ (Zugriff: 08.02.2017)

 

 

 

 

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