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Coping: Wege in ein aktives Leben!

19.05.2017

Die Diagnose „Multiple Sklerose“ trifft viele schon in jungen Jahren. Daran nicht zu verzweifeln und trotzdem sein Leben zu genießen ist eine Herausforderung für alle Betroffenen.

MS ist die „Krankheit der 1.000 Gesichter.“ Diese Umschreibung haben wohl schon viele Betroffene gehört. In erster Linie beziehen sich die „1.000 Gesichter“ darauf, dass die MS in ihrem Verlauf schwer bis gar nicht vorhersagbar ist. Gerade das macht den Umgang mit der Diagnose für viele Betroffene schwierig. Niemand kann zu Beginn der Erkrankung abschätzen, ob und wann es zu welchen Einschränkungen kommen wird. Viele haben Angst vor einem Leben im Rollstuhl oder davor, irgendwann von Dritten abhängig zu sein. Die Gewissheit an einer chronischen Erkrankung zu leiden und die Ungewissheit über den weiteren Verlauf lösen unterschiedliche Gefühle wie Wut, Verzweiflung, Trauer oder Niedergeschlagenheit aus. Solche Gefühle sind vollkommen in Ordnung und sogar von zentraler Bedeutung bei der Bewältigung der Diagnose. Ändert sich die gesundheitliche Situation abrupt, müssen sich die Betroffenen neu orientieren. Sie müssen eigene Wege finden, mit der veränderten Situation, ihren Gefühlen und Ängsten umzugehen. Von Psychologen wird dies im Allgemeinen unter dem Begriff „Krankheitsbewältigung“ oder auch „Coping“ zusammengefasst.

Die Diagnose MS gleicht oftmals einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Am Anfang steht zumeist ein emotionaler Schock, der die Betroffenen aus ihrem „gesunden Leben“ reißt. Bisherige Lebensgewohnheiten und Entscheidungen scheinen nun nicht mehr gültig zu sein. Oftmals fühlen sich Betroffene so, als würde die gesamte bisherige Existenz auf die Probe gestellt. Es kommen viele Fragen auf wie: Bin ich meinem Alltag weiterhin gewachsen? Muss ich meinen Beruf aufgeben? Kann ich noch eine Familie gründen und wie sieht es mit der Kinderplanung aus?

Die Erschütterung des bisher so „normal“ verlaufenden Lebens versetzt so manchen in eine seelische Notsituation. Gefühle, die aufkommen, sind oftmals geprägt von Verzweiflung und Wut. Viele stellen sich die Frage „Warum gerade ich?“ und die Suche nach der Ursache beginnt. Da die Gründe für die Entstehung der Erkrankung nahezu unbekannt sind, wird diese Suche jedoch wahrscheinlich ohne Antwort verlaufen. Sie kostet Kraft und lässt den Betroffenen nicht zur Ruhe kommen. Jetzt ist es wichtig, sich aktiv mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen und diese auch zuzulassen. Die Familie, Freunde oder auch eine psychologische Betreuung können Ihnen helfen, Ihrer Trauer und Wut Luft zu machen und Sie werden bemerken, dass es Menschen gibt, die trotz der Diagnose hinter Ihnen stehen und den weiteren Lebensweg gemeinsam mit Ihnen beschreiten. Lassen Sie auch diese Menschen an Ihren Gefühlen teilhaben.

Der Phase des ersten Schocks folgt oftmals eine Zeit, in der die Betroffenen die Diagnose nicht wahr haben wollen und anzweifeln. Unter Umständen verstricken sie sich in scheinbare „Verhandlungen“ mit dem Arzt oder dem Schicksal, ob bei der Diagnosestellung nicht doch ein Irrtum unterlaufen sein könnte. Ist die Diagnose bestätigt, kann sie Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen auslösen. Hier kann sehr entscheidend sein, Hilfe durch nahestehende Personen oder professionelle psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Rückhalt im Leben kann Ihnen dabei helfen, diese Trauer zu überwinden, denn nur wenn Sie die Krankheit akzeptieren, sind Sie in der Lage, ihr aktiv zu begegnen! Dafür steht Ihnen auch das Team des MS Service-Centers (MSSC) zur Verfügung und beantwortet gerne alle Fragen zu Ihrer Erkrankung. Sie erreichen das MSSC unter der gebührenfreien Servicenummer 0800-0307730.

Wesentlich ist also, all diese Gefühle der Trauer, Wut und Frustration zuzulassen. Wichtig für Ihren späteren Krankheitsverlauf ist vor allem: Sie sollten die Diagnose annehmen und akzeptieren! Denn wenn Sie das getan haben, werden Sie sich wahrscheinlich auch aktiv mit der Multiplen Sklerose auseinandersetzen. Sind Sie gut über die Erkrankung und Ihre eigene Situation informiert, können Sie einem Arztgespräch entsprechend begegnen und sich aktiv in die Auswahl einer entsprechenden Medikation einbringen. Sie sollten sich nicht gezwungen fühlen, Ihr bisheriges Leben komplett zu ändern, sondern vielmehr auf alle eventuellen Situationen mental vorbereitet sein und trotz der Diagnose MS ein aktives und erfülltes Leben führen. Akzeptieren Sie die Erkrankung als Teil Ihres Lebens, aber reduzieren Sie Ihr Leben nicht auf die Erkrankung. Einigen Betroffenen hilft es, sich mit anderen Betroffenen beispielsweise in Foren oder Selbsthilfegruppen auszutauschen. Andere suchen Unterstützung in ihrer Familie oder bei Freunden. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) bietet „Coping-Seminare“ an, die den Betroffenen den Umgang mit der Erkrankung erleichtern sollen.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

http://www.dmsg-niedersachsen.de/multiple-sklerose-seminare/ms.html (Zugriff: 22.02.2017)
http://psychologie-news.stangl.eu/85/coping (Zugriff: 22.02.2017)
http://www.ms-life.de/ms-leben/neudiagnose/emotionale-reaktion/ (Zugriff: 09.03.2017)

 

 

 

 

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