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Dem Uhthoff-Phänomen die kalte … Zunge zeigen?

29.06.2018

Sommer, Sonne … Sorge vor dem Uhthoff-Phänomen? Probieren Sie an warmen Tagen doch mal, einen Eiswürfel zu lutschen. Eine aktuelle Studie lässt vermuten, dass eiskaltes Wasser im Mund die Symptome abmildern könnte ...

Ob Sie den Sommer im Süden, im Norden oder zu Hause verleben: Wärmer als sonst ist es − zumindest zwischendurch − allemal. In einer aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftler die Auswirkungen einer genauso simplen wie kostengünstigen Methode, durch welche die Folgen des Uhthoff-Phänomens bei einigen MS-Patienten gelindert werden konnten. Dafür baten sie 10 Probanden mit MS und 10 Probanden ohne MS, unter jeweils den gleichen Außenbedingungen 60 Minuten auf dem Pedometer zu fahren. Während des 1. Durchlaufes versorgten die Forscher die Teilnehmer alle 15 Minuten mit 37 Grad Celsius (°C) warmem Wasser (3,2 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht) und im 2. Durchlauf mit 1,5°C kaltem Wasser.


Das Ergebnis: Die 10 Probanden ohne MS schafften die 60 Minuten „Fahrradtour“ beide Male, unabhängig von den Temperaturen des zugeführten Wassers. Von den 10 Probanden mit MS konnten nur 3 die 60 Minuten auf dem Pedometer durchhalten, als sie warmes Wasser zu trinken bekamen. Beim 2. Versuch auf dem Pedometer und mit eiskaltem Wasser versorgt, schafften 5 der 10 MS-Betroffenen die 60-minütige Radtour. Außerdem konnten diejenigen Probanden, die keine 60 Minuten durchhielten, dennoch um etwa 30 Prozent länger auf dem Übungsfahrrad fahren, als es bei der Versorgung mit warmem Wasser der Fall war.


Erstaunlicherweise ließ der Genuss des kalten Wassers die Probanden zwar länger durchhalten und später ermüden, hatte aber keinen Einfluss auf die Körperkerntemperatur, die Herzfrequenz und die Temperatur der Haut. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass Thermosensoren im Mund, auf der Zunge, im Verdauungstrakt und im Abdomen für den positiven Einfluss auf Ausdauer und Fatigue zuständig sein könnten und dass die Körperkerntemperatur wider Erwarten keinen großen Einfluss darauf hat. Zukünftig sollen derartige Untersuchungen mit einer größeren Zahl an Probanden wiederholt werden. Außerdem wollen die Forscher herausfinden, ob allein ein kühlender Inhalt im Mund für gute Ergebnisse ausreicht, ohne dass der Inhalt zwangsläufig hinuntergeschluckt werden muss.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29140896

 

Hintergrund:

Viele Menschen mit Multipler Sklerose reagieren sensibel darauf, wenn sich ihr Körper erwärmt. Das Uhthoff-Phänomen kann sich schon bei einer geringfügigen Erhöhung der Körpertemperatur um etwa 0,5 Grad Celsius (°C) bemerkbar machen: Dabei ist es gleichgültig, ob diese Erwärmung durch sommerliche Temperaturen oder durch körperliche Bewegung hervorgerufen wird. Die Folgen sind schubähnliche Symptome und verstärkte Fatigue. Auch wenn die Symptome nach Abkühlung des Körpers auf die normale Körpertemperatur meist wieder vollständig zurückgehen, schränken sie die Betroffenen sehr ein. Doch den höheren Außentemperaturen zu entgehen, ist kaum möglich, und körperliche Bewegung zu vermeiden wäre falsch.


Zwar bietet der Handel zur Abkühlung allerlei Hilfsmittel wie Kühlwesten, Kühlhauben oder Kühlstrümpfe. Auch eine Abkühlung des Körpers in kälterem Wasser hilft für den Moment – allerdings sind diese Methoden umständlich und nicht jederzeit und überall einsetzbar. Aus diesen Gründen fahnden Forscher weltweit nach effektiven und praktikablen Maßnahmen, durch die das Uhthoff-Phänomen in Schach gehalten werden kann. 

 

Weitere Informationen zum Verreisen mit MS und zum Uhthoff-Phänomen finden Sie hier.

 

Gut zu wissen

Impfungen vor der Reise - ja oder nein?

Impfungen stimulieren das Immunsystem. Bei Autoimmunerkrankungen ist das Immunsystem bereits überaktiv. Kein Wunder, dass Betroffene sich die Frage stellen, ob bestimmte Impfungen für sie geeignet sind.


Während Impfungen mit inaktivierten Erregern oder deren Bestandteilen (Totimpfstoffe) bei MS schon seit Längerem als unbedenklich betrachtet werden, blieben die Zweifel hinsichtlich der Impfungen mit abgeschwächten Erregern (Lebendimpfstoff) bestehen. Eine aktuelle Übersichtsstudie kam nach Auswertung vieler Impfstudien jedoch zu dem Schluss, dass auch bei manchen Lebendimpfstoffen kein erhöhtes Risiko für MS besteht, so etwa bei Masern-, Mumps- und Röteln-Impfungen. Zudem wurde die Unbedenklichkeit folgender Impfstoffe bei MS belegt: Humane Papilloma-, Hepatitis B-, Grippe- und Pockenimpfungen, Tetanus-, Bacillus Calmette-Guerin- und Tollwutimpfungen, Keuchhusten-, Typhus-, Cholera-, Polio- oder Diphterieimpfungen. Trotz aller Studien gilt wie immer: Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt darüber, ob Impfungen in Ihrem speziellen Fall ratsam sind oder nicht.


Zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27604618

 

Übrigens: Hepatitisimpfungen sind schon lange „frei gesprochen“ von dem einstigen Verdacht, in einem Zusammenhang mit MS zu stehen.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/19120/Multiple-Sklerose-durch-Hepatitis-B-Impfung-Studie-entkraeftet-Verdacht

 

Weitere Informationen über Impfungen finden Sie auf unserer MSlife-Seite:

Impfschutz und MS: Passt das zusammen?

Informationen über Impfungen bei Multipler Sklerose

 

Alles über Impfungen allgemein erfahren Sie beim Robert Koch-Institut:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/impfen_node.html