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Der häufigste Betrug ist der Selbstbetrug

30.09.2014

So sehr MS-Patienten schubfreie Zeit genießen, sie kann sehr heimtückisch sein. Und zwar dann, wenn sie vorgaukelt, dass alles in Ordnung ist. Manche der Betroffenen wiegen sich in Sicherheit und kommen in Versuchung zu glauben, dass „ihre“ MS gar nicht so schlimm oder sogar ganz verschwunden ist. Leider ist das ein Trugschluss, der oft unübersehbare Folgen hat – insbesondere dann, wenn auf die verordnete Medikation verzichtet wird.  

Die schubfreie Zeit bedeutet für die meisten MS-Patienten, ihr gewohntes Leben zu führen. Die regelmäßige Anwendung der MS-Therapeutika wird da mitunter als lästig oder überflüssig empfunden. Doch unser Verstand weiß es natürlich ganz genau: das Medikament wirkt nur, wenn es konsequent, also auch in guten Zeiten, genommen wird. Doch dann schleicht sich der berühmte „innere Schweinehund“ an und sabotiert unseren guten Willen.

 

Der „innere Schweinehund“ hat immer eine Ausrede

Sie kennen dieses Tier? Es ist enorm bequem, um nicht zu sagen faul. Es sucht sich immer den einfachsten Weg und findet tausend Gründe gegen unsere echten Überzeugungen.

Zum Beispiel: „Vielleicht wirkt das Medikament ja auch, wenn ich es nur an jedem 2. Termin spritze“ oder „Mir geht es gut, dann muss ich das Medikament nicht anwenden“.

Im Grunde wissen wir genau, dass dies alles Ausreden sind. Ausreden, weil es manchmal sehr anstrengend ist, konsequent zu sein. Weil wir die MS gerne verdrängen und die damit verbundenen Verpflichtungen los sein möchten.

Das ist alles sehr verständlich. Nur leider können diese Zugeständnisse an den inneren Schweinehund zu einer rapiden Verschlechterung der MS führen. Meist gibt es anfangs keine Symptome, und doch – wie wir alle wissen – die Krankheitsaktivität schreitet fort.

Oft deutlich sichtbar durch zunehmende Läsionen im Gehirn oder Rückenmark und später vielleicht bemerkbar durch Verschlechterung der Gehfähigkeit oder andere Behinderungen. Spätestens jetzt wird klar: Der innere Schweinehund ist kein guter Ratgeber!

 

Der Arzt ist Ihr aufrichtiger Partner

Vorschlag: Vertrauen Sie stattdessen Ihrem Arzt. Er hat die Erfahrung und das Wissen, wie mit Ihrer MS umzugehen ist.

Er ist Ihr erster Ansprechpartner und Vertrauensperson – nutzen Sie seinen medizinischen Sachverstand und halten Sie sich daran. Damit sichern Sie sich die bestmögliche Chance auf einen Krankheitsverlauf, der Ihr Leben am wenigsten beeinträchtigt.

 

So besiegen Sie Ihren inneren Schweinehund:

Erkennen Sie die Zeiten und Situationen, die Ihnen das Durchhalten erschweren.

Suchen Sie sich eine vertraute Person, die Sie auffängt, wenn Ihnen alles zuviel wird.

Belohnen Sie sich selbst, wenn Sie der Resignation widerstehen.

Schaffen Sie sich ein positives Bild vom Leben mit Ihrer MS.

Hören Sie auf Ihren Verstand.

 

 

Die häufigste Form des Betruges ist der Selbstbetrug, er wird zwar selten entdeckt, aber am häufigsten bestraft.

Prof. Dr. med. Gerhard Uhlenbruck, deutscher Immunbiologe und Aphoristiker

 

 

 

 

 

 

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