MS News

Die Liquoruntersuchung

25.01.2016

Ein Baustein zur Diagnose der MS

Die Diagnose der MS kann, wie viele MS-Patienten aus eigener Erfahrung wissen, ein durchaus komplizierter Prozess sein. Um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Neben der gründlichen ärztlichen Untersuchung ist hier die MRT (Magnetresonanztomographie) zu nennen. Ein weiteres Hilfsmittel, um die Diagnose MS abzusichern, ist die Liquoruntersuchung.

Sowohl das Gehirn als auch das Rückenmark werden von einer klaren Flüssigkeit umgeben, dem sogenannten Liquor cerebrospinalis. Diese wird im Gehirn gebildet und steht mit der Gewebsflüssigkeit des Gehirns in Verbindung. Andere Bezeichnungen sind Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, Zerebrospinalflüssigkeit oder Hirn- bzw. Nervenwasser. Der Liquor schützt die empfindlichen Strukturen wie ein Polster vor äußeren Einflüssen. Im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule (lumbal) sammelt sich der Liquor und lässt sich gefahrlos mithilfe einer Punktionsnadel gewinnen. Der Vorgang wird auch als Lumbalpunktion bezeichnet und dient als ein Baustein der MS-Diagnostik.

Der Ablauf einer Liquorpunktion

Vor der Punktion wird nochmals Blut abgenommen, sonst sind meist keine weiteren Vorbereitungen nötig. Zur Punktion selbst ist eine entspannte Rückenmuskulatur mit möglichst weiten Wirbelzwischenräumen von Vorteil. Eine Krümmung der Lendenwirbelsäule ist deshalb die günstigste Position, diese kann im Liegen oder im Sitzen eingenommen werden.

Nachdem der Einstichbereich desinfiziert und lokal betäubt wurde, führt der Arzt eine lange, dünne Hohlnadel zwischen zwei Wirbeln in den Liquorraum ein. Es werden drei kleine Portionen Liquor entnommen und gleich ins Labor geschickt. Es reicht, wenn die Einstichstelle zusammengedrückt und mit einem Pflaster verschlossen wird. Die Punktion dauert meist nicht länger als 5 Minuten. Oftmals wird empfohlen, nach der Punktion zwischen 4 und 24 Stunden Bettruhe einzuhalten. Eine Liquorpunktion gehört zu den Routineeingriffen und geht selten mit Komplikationen einher.

Oligoklonale Banden

Normalerweise ist die gewonnene Liquorflüssigkeit klar und farblos. Doch durch das entzündliche Geschehen im ZNS liegt bei einer MS typischerweise eine geringe Zell- und Eiweißerhöhung vor – der Liquor erscheint trübe. Als Folge einer gesteigerten Antikörperproduktion durch bestimmte Abwehrzellen befinden sich vermehrt sogenannte oligoklonale Banden im Liquor. Sie bestehen überwiegend aus Immunglobulin G. Bei der Laboruntersuchung werden die oligoklonalen Banden in Liquor und Blut miteinander verglichen. Oligoklonale Banden, die im Liquor, aber nicht im Blut vorkommen, sprechen für das Vorliegen einer entzündlichen Erkrankung wie MS. Trotzdem ist ihr Vorkommen kein sicherer Beweis für eine MS, sondern nur ein weiteres Indiz, da sie auch bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen nachweisbar sind.

 

 

 

 

 

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