MS News

Die Wächter des Immunsystems

19.01.2015

Slan dendritische Zellen als therapeutisches Ziel bei MS?
Dendritische Zellen spielen eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Eindringlingen und der Erkennung von körpereigenen Zellen. Stoßen sie auf Eindringlinge wie beispielsweise Bakterien, alarmieren sie das Immunsystem, um die infizierten Zellen zu beseitigen. Bei Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose ist dieses System fehlgeleitet. Körpereigene Zellen werden nicht erkannt und als Eindringling eingestuft. Dadurch werden fälschlicherweise die Nervenzellen des zentralen Nervensystems vom Immunsystem angegriffen. Wissenschaftler fanden heraus, dass eine besondere Subgruppe der dendritischen Zellen, slan dendritische Zellen, bei dieser fehlgeleiteten Abwehrreaktion eine entscheidende Rolle spielen.

Slan dendritische Zellen dirigieren das Immunsystem
Untersuchungen bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Psoriasis oder Lupus erythematodes zeigen, dass große Ansammlungen von sogenannten slan dendritischen Zellen in dem betroffenen Geweben zu finden sind. Diese schütten in großen Mengen Stoffe aus, die dazu führen, dass weitere Immunzellen an den vermeintlichen Entzündungsort gerufen werden. Außerdem sorgen die slan dendritischen Zellen dafür, dass sich die Immunzellen stark vermehren, um den mutmaßlichen Eindringling zu bekämpfen.

Die Rolle von slan dendritischen Zellen bei Multipler Sklerose
In einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler die Anwesenheit von slan dendritischen Zellen in den geschädigten Gehirnläsionen und der Rückenmarksflüssigkeit von MS-Patienten. Sie stellten fest, dass sich die slan dendritischen Zellen besonders in den entzündlichen Gehirnregionen nachweisen lassen. Auch die Analyse der Rückenmarksflüssigkeit zeigte, dass slan dendritische Zellen häufig in den entsprechenden Proben von MS-Patienten gefunden werden. In einem Experiment konnte außerdem gezeigt werden, dass eine dreitägige Gabe eines Glukokortikoids, einem entzündungshemmenden Wirkstoff, die Anzahl und die Aktivität der slan dendritischen Zellen kurzzeitig senken kann.

Interferon-beta kann die Anzahl der slan dendritische Zellen verringern
Im Rahmen der Studie wurde auch das Blut von Patienten untersucht, die an schubförmig-remittierender MS leiden und entweder keine Therapie, Interferon-beta oder andere Basistherapien erhalten. Zum Vergleich wurde das Blut von gesunden Spendern untersucht. Die Blutproben der MS-Patienten, die Interferon-beta verwenden, weisen deutlich weniger slan dendritische Zellen auf als alle anderen untersuchten Gruppen.
Fazit
Erste Ergebnisse zeigen, dass sich slan dendritische Zellen in den entzündlichen Gehirnläsionen bei MS-Patienten anreichern. Die Anzahl der slan dendritischen Zellen kann durch entzündungshemmende Glukokortikoide und Interferon-beta reduziert werden. Die Wirkung von Interferon-beta auf die slan dendritischen Zellen könnte zu der therapeutischen Effektivität der Basistherapien beitragen. Weitere Forschungen über die genaue Funktion der slan dendritischen Zellen und den Einfluss von entzündungshemmenden Wirkstoffen sind nötig, um die Rolle der slan dendritischen Zellenbei Multipler Sklerose zu entschlüsseln.

Referenz:
Thomas et al. Accumulation and therapeutic modulation of 6-sulfo LacNAc* dentritic cells in MS Neurology Sept. 2014

Breuer J et al. Ultraviolet B light attenuates the systemic immune response in central nervous system autoimmunity. Ann Neurol 2014 May 14

Spelman T et al. Seasonal variation of relapse rate in multiple sclerosis is latitude dependent. Ann Neurol 2014 Oct 20

 

 

 

 

 

 

BIIB-GER-0639