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Digitale Hilfsmittel für mehr Mobilität im Alltag

30.05.2018

Es gibt mittlerweile viele digitale Hilfsmittel, die unsere Motivation für mehr Bewegung steigern sollen und mobile Unterstützung im Alltag bieten, darunter auch Apps speziell für MS-Patienten. Wir stellen einige vor.

Fitness-Tracker zeichnen die täglichen Schritte auf sowie den Puls oder die Herzfrequenz. Die regelmäßige Anwendung kann die Motivation steigern – aber auch der Forschung nützen: Dies war das Ergebnis einer aktuellen Studie¹, für die etwa 200 MS-Patienten für 3 Wochen mit Fitnessarmbändern ausgestattet wurden. Untersucht wurden folgende Fragestellungen: Nutzen die Patienten die Geräte überhaupt und wenn ja, kommen sie damit zurecht? Wirken sich die täglichen Aufzeichnungen von Bewegungen und körperlichen Reaktionen so motivierend für eine gesündere Lebensweise aus, wie es erwartet wurde? Die Bewertung der Teilnehmer über den Nutzen eines Fitness-Trackers fiel positiv aus: Etwa 9 von 10 Befragten fanden die Handhabung des Gerätes einfach und meinten, es sei leicht in den üblichen Tagesablauf zu integrieren. Etwa 8 von 10 wollten den Fitness-Tracker auch nach der Studie nicht wieder hergeben, und 7 von 10 waren davon überzeugt, das Armband könne ihnen bei dem Umgang mit der Erkrankung hilfreich zur Seite stehen. Insgesamt brachten es die Probanden auf 15 Millionen Schritte, das sind knappe 11.000 Kilometer und damit die Strecke von Boston nach Peking.
Neben der Schrittzahl verzeichnete der Fitnesstracker unter anderem die gegangene Strecke, den Kalorienverbrauch, die „aktiven“ Minuten pro Tag, die Schlafdauer und -qualität. Bei den anschließenden Befragungen gaben manche Patienten an, durch die Aufzeichnungen über Ernährung oder Schlaf Zusammenhänge mit ihrem Befinden erkannt zu haben. Dadurch hätten sie am nächsten Tag „eine bessere Wahl“ getroffen, gesündere Lebensmittel verzehrt oder eine verbesserte Schlafhygiene betrieben.

 

Die Studie ergab aber auch, dass Fitness-Tracker die Durchführung von Studien vereinfachen können. Der Aufwand für die Wissenschaftler und die Patienten sei minimiert. Außerdem ließe sich untersuchen, wie oft und intensiv sich die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung, in ihrem gewohnten Alltag und in Echtzeit bewegen – ohne dass ihnen ein Wissenschaftler mit einer Stoppuhr über die Schulter schaut. Denn unter Versuchsbedingungen fühlen sich manche Patienten vielleicht gehemmt oder sie strengen sich mehr an als unter normalen Umständen.
Auch die Rekrutierung der Teilnehmer erfolgte auf digitalem Wege über die MS-Community PatientsLikeMe. Dort waren notwendige Informationen über die Ausprägung der MS und die Symptome bereits hinterlegt und konnten mit dem Einverständnis der Community-Mitglieder genutzt werden. Etwa 9 von 10 Teilnehmern haben die Daten ihres Fitness-Trackers über die gesamte Studiendauer täglich auf einen gemeinsamen Server hochgeladen. Damit lag die Adhärenz bei 87 Prozent. 

 

Digitale Helfer als Motivationsschub für die eigene Gesundheit

Das Prinzip des Selbstmanagements ist schon lange bekannt: Diät-Tagebücher helfen beim Abnehmen, Bewegungstagebücher helfen, sich mehr zu bewegen. So erscheint jede kleine „Sünde“ schwarz auf weiß, aber auch jeder Erfolg. Lässt ein Erfolg auf sich warten, wissen die Tagebuch-Verfasser meist auch, woran das liegen könnte. Immer mehr Studien² belegen einen ähnlich motivierenden Nutzen von Fitness-Trackern für Patienten mit chronischen Erkrankungen aller Art. Ob Typ 2 Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen: Regelmäßige Bewegung kann den Verlauf positiv beeinflussen und immer mehr Patienten profitieren davon, ihre Fortschritte digital zu dokumentieren. 

 

Körperliche Fitness: Fehlerhafte Selbsteinschätzung versus Realität

Den Wert solcher Daten „aus dem richtigen Leben“ bestätigte auch eine weitere aktuelle Studie³. Die Forscher wollten wissen, ob die Selbsteinschätzung der Studienteilnehmer in Bezug auf ihre körperliche Fitness mit ihrer tatsächlichen Fitness übereinstimmt. Dafür wurden etwa 1.500 Probanden aus Amerika, Großbritannien und den Niederlanden mit Fitness-Trackern ausgestattet. Alle füllten den gleichen Fragebogen aus, durch den sie ihre körperliche Aktivität anhand von 5 Auswahlmöglichkeiten zwischen „körperlich inaktiv“ und „sehr aktiv“ einschätzen sollten. Das Ergebnis: Amerikaner schätzten sich ähnlich aktiv ein wie Engländer und Niederländer. Ältere Menschen schätzten sich ähnlich aktiv ein wie jüngere Menschen. In Wahrheit aber waren im Vergleich zu den europäischen Probanden fast doppelt so viele amerikanische Probanden „körperlich inaktiv“ und ältere Menschen waren weitaus weniger aktiv als junge Menschen.

 

 

1 https://www.karger.com/Article/FullText/488040
2 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4391303/
3 https://www.sciencedaily.com/releases/2018/04/180412102746.htm

 

 

 

Gut zu wissen: Nützliche Apps für Menschen mit MS und Angehörige

Verschiedene Apps bieten mobile Hilfestellungen für MS-Patienten: überall und jederzeit.

Cleo

Mit ‚Cleo‘ (www.cleo-app.de) steht ab sofort ein neuer digitaler Service für alle Menschen mit MS zur Verfügung. Die 4 hilfreichen Funktionen können individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse und Anforderungen im Alltag mit MS abgestimmt und personalisiert werden:

 

 

• Durch eine Chat-Funktion ermöglicht ‚Cleo‘ auch jenseits der üblichen Sprechzeiten den direkten Austausch mit MS-Coaches für individuelle Fragestellungen, etwa zur Krankheitsbewältigung oder rund um den Alltag mit MS.

• Ein persönliches Tagebuch ermöglicht es, das tägliche Befinden einzutragen. Der aus den Daten erstellte übersichtliche Bericht kann den Nutzern das Selbstmanagement erleichtern, als Vorbereitung für das nächste Arztgespräch genutzt bzw. mit dem Arzt besprochen werden. Auf Wunsch erinnert ‚Cleo‘ an die Medikamenteneinnahme oder den nächsten Arzttermin.

• Serviceorientierte Artikel bieten aktuelle Informationen über medizinische Hintergründe von MS sowie Tipps, wie sich beispielsweise Symptome, wie Fatigue oder Schmerzen mildern lassen. Echte Patientengeschichten geben Inspiration für unterschiedliche Lebensführungen mit MS und

• ‚Cleo‘ bietet außerdem von Experten entwickelte Video-Trainingsprogramme für das Wohlbefinden, nach denen Arme, Beine oder der ganze Körper trainiert werden können.

 

 

Cleo ist kostenlos sowohl für Android als auch für iOS erhältlich.

 

MS-Kognition

MS-Kognition wird von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft angeboten. Die App bietet verschiedene animierte Übungen, um die Aufmerksamkeits- und die Konzentrationsfähigkeit zu trainieren. Dazu kommen Übungen für die sogenannten Exekutivfunktionen, die unter anderem notwendig sind, um angemessen denken, planen oder schätzen zu können. Die Übungen machen Spaß und motivieren durch die angezeigten Ergebnisse dazu, weiterzumachen und die aufeinander aufbauenden Schwierigkeitsgrade zu meistern.

Android:  https://play.google.com/store/apps/details?id=de.dmsg.mskognition
iOS:         https://itunes.apple.com/de/app/ms-kognition/id1036720290?mt=8

 

WHEELMAP

Die Sozialhelden e. V. bieten in ihrer Android-App eine Onlinekarte zum Finden und Markieren rollstuhlgerechter Orte. Die Karte erleichtert es Menschen mit eingeschränkter Mobilität, ihren Alltag zu planen und somit am öffentlichen Leben teilzunehmen. Weltweit kann jeder mitmachen, wenn er oder sie einen öffentlich zugänglichen Ort findet, der mit dem Rollstuhl nicht oder gut besuchbar ist. Ist dieser Ort noch grau gekennzeichnet, können die Nutzer den Ort nach einem Ampelsystem markieren (Grün = rollstuhlgerecht; Gelb = eingeschränkt rollstuhlgerecht; Rot = nicht rollstuhlgerecht) und zusätzlich mit Fotos und Kommentaren beschreiben. 

Android:  https://play.google.com/store/apps/details?id=org.wheelmap.android.online
iOS:         https://itunes.apple.com/de/app/wheelmap/id399239476?mt=8

 

TALKBACK (Android) / Voice over (iOS)

Die Bedienungshilfen für blinde Nutzer oder Nutzer mit eingeschränktem Sehvermögen TalkBack (Android) und Voice over (iOS) sind auf den meisten Smartphones vorinstalliert. Das gesprochene Feedback beschreibt die am Handy durchgeführten Aktionen und benachrichtigt über Ereignisse, zum Beispiel eingehende Benachrichtigungen und Anrufe.

 

MS-TV

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft bietet die App MS-TV. Experten- und Patientenvideos beantworten Fragen über Neuigkeiten aus Forschung und Therapie oder über das Leben mit MS. Außerdem werden Diagnoseverfahren, etablierte und alternative Therapien veranschaulicht oder auch, wie verschiedene Symptome behandelt werden können. Wer die medizinischen Hintergründe genau verstehen möchte, lernt durch Animationsfilme Näheres über die Funktionsweisen des Immunsystems oder des Zentralen Nervensystems.

Android:  https://play.google.com/store/apps/details?id=com.excelsisnet.android.mstv
iOS:         https://itunes.apple.com/de/app/multiple-sklerose-videos/id929067447?mt=8

 

Für Rollstuhlfahrer: Wheelchair calorimeter

Die App für iPhones stellt über GPS-Koordinaten den Standort des Nutzers fest und auch, ob und wann sich dieser bewegt. Aus den Daten zum Körpergewicht und zurückgelegter Distanz werden die verbrauchten Kalorien ermittelt. Es handelt sich um einen Schätzwert, da Pulsschlag und Bodenbeschaffenheit nicht in die Kalkulation einbezogen werden. Das Körpergewicht kann variiert werden, je nachdem, ob das Fortbewegungsmittel ein Standardrollstuhl, ein Rennrollstuhl oder ein Handbike ist. Die täglich zurückgelegte Strecke wird jeweils abgespeichert, sodass eine Art Bewegungstagebuch entsteht, dem die verbrauchten Kalorien und die täglich zurückgelegte Strecke zugrundeliegt.

Die App ist für 1,09 Euro (Stand: Mai 2018) im Appstore erhältlich.

iOS:         https://itunes.apple.com/de/app/wheelchair-calorimeter/id978183407?mt=8

 

Apple Watch Fitness Tracker

Speziell für Apple Watches soll das Feature Rollstuhlfahrer motivieren, sich mehr zu bewegen. Gemessen werden die zurückgelegte Entfernung, Geschwindigkeit und verbrauchten Kalorien. Die Berechnungen beruhen auf abweichenden Fahrweisen der Rollstuhlfahrer auf Steigungen, Rampen oder bei Hindernissen. Unterschiedliche Sitzhöhen auf den Rollstühlen werden ebenos einbezogen wie die Größe der Reifen oder die unterschiedlichen Bodenbelege, wie Teppich oder Asphalt. Aktivitätskalorien werden durch die Anschübe berechnet. Außerdem gibt es für Rollstuhlfahrer 2 Workouts: das Outdoor-Rollstuhltraining im Gehtempo und das Outdoor-Rollstuhltraining im Lauftempo.

Das Feature gehört zu dem Software Update für Apple Watches, watchOS 3.0.

https://www.apple.com/de/accessibility/watch/physical-and-motor-skills/