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Do it yourself: Glück lässt sich schmieden

29.03.2018

Verena Brams hat MS. Doch die heute 30-Jährige ließ sich nicht unterkriegen und fand einen kreativen Weg, mit ihrer Erkrankung zurechtzukommen. „Do it yourself“ als Selbsttherapie? Wir fragen nach…

Auf deiner Facebook-Seite schreibst du, dass du seit deiner MS-Diagnose 2008 durch viele Höhen und Tiefen gegangen bist und das kreative Arbeiten am Anfang doch etwas mühselig war. Warum?

Mein erster MS-Schub ging leider auf meine Hände und machte sich in Form von Sensibilitätsstörungen bemerkbar. Der Anfang meiner Basteleien war dadurch etwas mühselig, da ich an den Handinnenflächen sowie Fingern wenig fühlte. Aus Trotz dachte ich mir ganz oft: „Jetzt erst recht.“ Aus kleinen Fingerspielereien und Sensibilitätsübungen wurde dann im Laufe der Zeit mehr, und meine kreative Arbeit erstreckt sich mittlerweile auf viele Bereiche.

Was machst du genau?

Mein Schwerpunkt liegt auf vielseitigen Schmuckarbeiten; das mache ich mit viel Liebe und ich kann mich künstlerisch gut ausleben. Neben klassischen Ketten, Armbändern oder Armreifen, die ich zum Verkauf anbiete, stelle ich als Auftragsarbeit auch individuelle Stücke her. Grundsätzlich sind alle Stücke Unikate. Ich mag das Filigrane und das Arbeiten mit Draht. Ich experimentiere mit verschiedenen Materialien, Techniken, Formen und Farben. Seit einiger Zeit fertige ich Anhänger aus Glasphiolen an, die ich mit den verschiedensten Inhalten fülle. Außerdem arbeite ich gerne mit Origami und gerade jetzt in der Frühlingszeit bastele ich vor allem bunte Schmetterlinge.

Was bedeutet für dich Kreativität?

Kreativität bedeutet für mich: Leidenschaft, Hingabe, Stärke und Kraft schöpfen. Ich kann dabei abschalten; ich vergesse in dieser Zeit meine MS und erlebe ein Stück weit Normalität. Ich kann mich dadurch wunderbar fallen lassen. Zudem trainiere ich die Feinmotorik und meine kognitiven Fähigkeiten. Zwar war ich vor meiner Diagnose auch schon kreativ aktiv, ich häkelte, strickte und schneiderte unter anderem in meiner Freizeit. Nach der Diagnose wollte ich mein Hobby allerdings vertiefen und ausbauen.  

Kreativität als eine Art Therapie bei MS?

Ja. Ich trainiere meine Hände und Finger. Und meine Ergotherapeutin sagte auch damals, dass ich die Feinmotorik trainieren soll. Mit Basteln geht das gut. Zum anderen: Es hilft mir im Umgang mit der MS, ich akzeptiere sie. Ich muss dazu sagen, dass mir die Erkrankung zwar viel genommen, aber auch viel gegeben hat und immer noch gibt. Mein Lebensmittelpunkt dreht sich schon um meine kreative Arbeit. Zudem bekomme ich immer wieder positives Feedback aus meinem direkten Umfeld. Aber auch von anderen Betroffenen und Followern auf meiner Facebook-Seite. Es ist schön zu sehen, dass ich anderen helfen und kreative Anregungen geben kann. Das tut mir auch gut. 

Da ja Ostern vor der Tür steht: Hast du einen kleinen Last-Minute-Bastel- oder Geschenk-Tipp für uns?

Kleine Küchlein backen und in tolle dekorative Gläser portionieren, gerne mit einer kleinen persönlichen Nachricht verzieren. Sowas kommt immer gut an. Und gerade jetzt: Das Zuhause mit schönen bunten Blumensträußen dekorieren. Mit Tulpen und Narzissen quasi den Frühling einläuten. Macht auch direkt gute Laune. Falls jemand keine Eierfarbe zu Hause hat: Plastik- oder Styropor-Deko-Eier kann man gut mit Nagellack bemalen. Ein paar Tropfen Nagellack in einen Becher warmes Wasser träufeln, das Ei für wenige Minuten hineinlegen − fertig sind bunte Deko-Eier.

Was wünschst du dir für dich?

Künstlerisch: Ich arbeite derweil noch an meinen Onlineshop, den ich ausbauen möchte. Dieses Jahr möchte ich noch auf ein paar Märkten ausstellen und ein Goldschmiedekurs ist geplant. Gesundheitlich: Ich hoffe natürlich, dass es mir weiterhin soweit gut geht.

 

Im Bastel- und Do-it-yourself-Fieber?

Dann haben wir folgende Tipps:

Verena Brams hat eine Facebook-Seite: www.facebook.com/pinksombrerocrafts sowie einen Onlineshop: www.pinksombrero-crafts.de

Außerdem gibt es auf „Hand im Glück“ weitere gute Anregungen:
https://hand-im-glueck.de/

Buch-Tipp: „Das große Buch vom DIY: Über 110 Do-it-yourself-Projekte“ von
Émilie Guelpa (Autor),‎ Hanne Henninger (Übersetzung) (Autor),‎ Martha Schebella (Übersetzung) (Autor), ISBN-10: 3865288235, gebundene Ausgabe, ab EUR 24,95

 

Bild: Verena Brams

 

 

 

 

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