MS News

Ein sportliches Leben mit MS

25.01.2016

Willi lebt seinen ganz persönlichen Traum

Er ist 37 Jahre alt, Soldat auf Zeit und wohnt in Gütersloh. Seine Passion ist der Triathlon. Willi lebt seinen Sport nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Diagnose. Im Jahr 2012 wurde bei ihm die MS-Diagnose gestellt. Ganz zufällig kam sein Chef noch im gleichen Jahr auf ihn zu und fragte, ob er sich vorstellen könne, einen Halbmarathon in Hannover zu laufen. Erst in diesem Gespräch habe er ihn dann über seine Diagnose unterrichtet. Der Chef machte ihm viel Mut, diese sportliche Herausforderung trotz seiner Erkrankung anzunehmen. Und das packte Willi dann auch an. Regelmäßig trainiert er seitdem für Lauf-Wettkämpfe.

Nach und nach wurde immer klarer, dass Laufen alleine nicht das Richtige für den Ausdauersportler war. Seine Ehefrau gab dann den entscheidenden Anstoß in Richtung Triathlon. Da die Trainingszeiten eines angebotenen Triathlon-Kurses nicht mit der Dienstzeit vereinbar waren, trainierte er auf  eigene Faust und nahm im Mai 2014 in Gütersloh an seinem ersten Triathlon teil (http://www.dalkeman.de/). Nach einem zweiten Triathlon in Hannover, dem Maschsee-Triathlon, folgten der Kauf professioneller Ausrüstung, die Intensivierung des Trainings und die Teilnahme an weiteren Triathlon-Veranstaltungen auf der Volksdistanz (siehe Faktenbox). Willi begann erst nach seiner MS-Diagnose mit dem Leistungssport. Für ihn ging es nicht darum, seine sportliche Aktivität dem Leben anzupassen, sondern sein Leben durch den Sport positiv zu beeinflussen. Die MS-Erkrankung beeinträchtigt Willi bei der Ausübung seines Sports nach eigener Aussage kaum. Er muss lediglich darauf achten, dass sein Puls bei jeglicher sportlichen Betätigung immer im grünen Bereich liegt. Die Pulsuhr ist deshalb sein ständiger Begleiter. „Der Puls sollte immer unter 180 bleiben. Bei längeren Distanzen ab 15 km habe ich immer etwas zu trinken und zu essen dabei. In der Zeit, in der ich sehr regelmäßig Sport treibe, nehme ich zusätzlich Magnesium Tabletten ein, damit die Muskeln nicht ständig krampfen.“, beschreibt der 37-Jährige seine Pulskontrolle.

Als Soldat auf Zeit dienen die Sporteinheiten gleichzeitig  als Training für seinen Job. Das ist praktisch und wird bis 2016 weiter so funktionieren, denn erst im nächsten Jahr enden seine 12 Jahre Dienst bei der Bundeswehr. Im Oktober 2015 hat er sich dem Erdinger-Alkoholfrei-Team angeschlossen. Seit mittlerweile drei Jahren lebt er mit der Diagnose MS, wobei erste Symptome bereits Anfang 2011 auftraten. Als gläubiger Christ hat Willi sich eine positive Lebenseinstellung bewahrt, so beschreibt er sein Lebensmotto folgendermaßen: „Es gibt in der Bibel mehrere Stellen, die davon berichten, dass Gott einem Menschen nur so viel auflädt, wie er auch tragen könne und nach diesem Motto lebe ich. Wenn also Gott die MS bei mir zulässt, dann kann ich sie auch tragen.“ Über die Volksdistanz hat er in diesem Jahr bereits einen Triathlon in Harsewinkel mit einer für ihn persönlichen Bestleistung von 1:24h beendet. Doch das soll mittelfristig für Willi nur der Anfang sein. Bereits geplant sind für April 2016 der Marathon in Hannover und diverse Triathlons in der Olympischen Distanz und im November 2016 in Hannover ein Hindernislauf (http://www.steelman-hannover.de/) über die Distanz von 18 km. Auch der Ironman ist ein längerfristiges Ziel von Willi, dass er in den nächsten 5 Jahren angehen wird. Für seinen sportlichen Traum trainiert er drei Mal die Woche, jeweils eine Disziplin.

Dem passionierten Sportler fällt nicht jede der drei Disziplinen gleich leicht. Das Training mit dem Rad fällt Willi leicht, zum Lauftraining muss er sich das ein oder andere Mal extra motivieren, da man zu Fuß langsamer unterwegs ist und oft das Gefühl bekommt, nur mühsam seine Ziele erreichen zu können. „Immer schauen, dass man klein anfängt und sich nicht vornimmt, als erster durchs Ziel zu kommen. Denn dabei sein ist alles. Wichtig ist, dass man Dinge ausprobiert und dann die Aktivitäten auswählt, die einem gut tun und Spaß machen. Willi selbst wird als Vorbild von dem einen oder anderen MS-Patienten wahrgenommen. Er selbst hat auch ein Vorbild, Andreas Beseler (www.rad-statt-rollstuhl.de/): Der MS-Patient hat durch das Radfahren der MS den Kampf angesagt hat. Diese Motivation und der Wille sind es, die Willi inspirieren und motivieren. Die Faszination am Triathlon beschreibt der 37-Jährige folgendermaßen: „Ich habe gemerkt, dass es mir und der MS gut tut, Sport zu treiben. Sehr gut ist auch, dass es nicht nur eine Disziplin ist, sondern drei. Großartig ist es, dass es immer eine große Veranstaltung ist, bei der es viele Zuschauer gibt. Dies gibt einem viel Kraft und Unterstützung. Ich lasse mein Leben nicht von der Krankheit bestimmen, sondern schaue selber, was ich mir zutraue. Und glaube dass Gott mich nicht loslässt.“

Faktenbox Triathlon:

Die Ausdauersportart Triathlon besteht aus einem Mehrkampf der Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen, die nacheinander absolviert werden. Ein wichtiges Merkmal des Triathlons ist das unmittelbare Aufeinanderfolgen der Disziplinen und die damit verbundenen Ansprüche für Muskulatur, Psyche und Athletik. Optimal ist es, die Übergänge zwischen den drei Disziplinen so kurz wie möglich zu halten. Gerade die kontinuierliche Trainingsplanung und -steuerung ist für den Triathlon-Sport besonders wichtig, um die Teildisziplinen sowie den Wechsel der Utensilien zu optimieren.

Einen Triathlon zu absolvieren, stellt – ähnlich wie ein Marathon – oft eine psychische und physische Herausforderung für einen Freizeitsportler dar, aber mit dem richtigen Training klappt es bei den Meisten. Viele kennen Triathlon als Extremsport, dabei ist Triathlet zu werden eigentlich ganz einfach. Mit 200 m Schwimmen, 5 km Radfahren, 1.000 m Laufen, etwas Fleiß und Motivation ist man dabei. Unter folgendem Link gibt es Tipps und eine Checkliste für Triathlon-Einsteiger:

www.dtu-info.de/footer/einsteiger/training-und-tipps/.

 

Triathlon-Distanzen (Auswahl):
Jedermann-Distanz (Sprintdistanz):

0,75 km Schwimmen – 20 km Radfahren – 5 km Laufen


Olympische-Distanz (Kurzdistanz):

1,5 km Schwimmen – 40 km Radfahren – 10 km Laufen


Ironman (Langdistanz):

3,86 km Schwimmen – 180 km Radfahren – 42,195 km Laufen

Referenzen und weiterführende Informationen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Triathlon
http://www.dtu-info.de/
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/MS-Vom-Rollstuhl-Kandidat-zum-Triathlet,nordmagazin26884.html

 

 

 

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