MS News

Familienplanung mit MS

04.07.2016

Die Diagnose MS trifft viele Betroffene in einer Lebensphase, in der das Thema Familienplanung eine Rolle spielt. Die plötzliche Konfrontation mit einer chronischen Erkrankung kann Fragen aufwerfen, wie z. B. „Kann und sollte ich als MS-Patient Kinder bekommen?“ oder „Wie sieht es bei uns mit der Fruchtbarkeit aus?“

Eltern zu werden ist eine sehr persönliche und weitreichende Entscheidung, die jedes Paar für sich treffen muss. Für viele ist es das Wundervollste im Leben und gibt ihrem Leben erst einen Sinn. Natürlich wollen alle werdenden Eltern nur das Beste für das ungeborene Kind und eine unkomplizierte Schwangerschaft für die werdende Mutter. Aus diesem Grund machen sich auch MS-Patienten Gedanken um mögliche Konsequenzen ihrer Erkrankungen für die Zeugung, die Schwangerschaft an sich oder die Gesundheit des Kindes.

Zunächst einige Fakten zum Thema MS und Kinderwunsch

MS ist keine klassische Erbkrankheit. Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung belegen, dass es sich vielmehr um eine multifaktorielle Erkrankung handelt. Das heißt, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, um eine MS auszulösen. Im Fokus der Forschung stehen Faktoren, wie Sonneneinstrahlung, Hygienebedingungen, frühkindliche Infektionen und genetische Faktoren. Aus Untersuchungen zur genetischen Komponente der MS lässt sich schließen, dass für Kinder von an MS erkrankten Eltern die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls an einer MS zu erkranken, bei 2 % liegt. Einige Genveränderungen stehen im Verdacht, ursächlich für das Erkranken zu sein. Ein „MS-Gen“ konnte jedoch bisher nicht belegt werden. Das heißt, dass genetische Veränderungen an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sein könnten, jedoch alleine nicht ausreichend sind, um eine MS auszulösen.

Schwangerschaftsverläufe von MS-Patientinnen unterscheiden sich in der Regel nur unwesentlich von Schwangerschaftsverläufen gesunder Frauen. Kaiserschnitte werden bei MS-Patientinnen etwas häufiger durchgeführt als bei gesunden Müttern. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein. Im Allgemeinen ist bei MS-Patientinnen nicht mit zusätzlichen Komplikationen in der Schwangerschaft zu rechnen. In Ihre Entscheidung sollten jedoch stets Ihre Lebenssituation und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand mit einfließen. Daher ist es auf jeden Fall sinnvoll, mit Ihrem behandelnden Neurologen über Ihren Kinderwunsch zu sprechen.

Medikamente in der Schwangerschaft können generell problematisch sein. Meist ist es das Beste für das Kind, wenn es so wenigen Medikamenten wie möglich ausgesetzt wird. Dies ist jedoch nicht immer möglich. Daher sollten Sie auch in dieser Frage den Rat der behandelnden Ärzte einholen. Für die meisten MS-Medikamente gilt, dass sie in der Schwangerschaft nicht angewendet werden sollten, außer der Krankheitsverlauf der werdenden Mutter verlangt eine Fortführung der Therapie.

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt

Etwa 15 – 20 % der deutschen Paare sind ungewollt kinderlos. Dies kann ein Problem beider Partner gleichermaßen sein. Nur in wenigen Fällen sind chronische Erkrankungen die Ursache. Viele Faktoren haben einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Ein ungesunder Lebenswandel kann sich z. B. ungünstig auf die Fruchtbarkeit auswirken. Erhöhte Stresspegel, übermäßiger Alkohol- oder Nikotingenuss sind Faktoren, die zu einer Minderung der Fruchtbarkeit führen können. Schätzungen zu Folge liegt der Grund einer ungewollten Kinderlosigkeit zu etwa 30 % bei der Frau und zu 30 % beim Mann. Bei weiteren 30 % lassen sich keine direkten Ursachen erkennen und 10% sind ungeklärt.

Zu den häufigsten Ursachen für eine Unfruchtbarkeit bei Frauen zählen, neben den oben bereits erwähnten Lebensbedingungen, Hormonstörungen (z. B. Gelbkörperschwäche), starkes Über- oder Untergewicht, Störungen der Eileiter oder das Alter der Frau. Beim Mann liegen die häufigsten Ursachen, neben den erwähnten Lebensbedingungen, in erster Linie in der Spermienqualität, erektilen Dysfunktionen, dem Alter des Mannes oder hormonellen Ursachen. Neben diesen genannten Ursachen kommen noch viele weitere in Betracht. Daher ist der Gang zu einem entsprechenden Facharzt oder einem Kinderwunsch-Zentrum bei unerfülltem Kinderwunsch unerlässlich.

Die MS gehört nicht zu den Erkrankungen, die per se zu einer eingeschränkten Fruchtbarkeit führt. Allerdings können einige Symptome dazu beitragen, dass der Zeugungserfolg ausbleibt. So leiden männliche Patienten im Verlauf der MS-Erkrankung teilweise an Erektionsstörungen. Bei MS-Patientinnen kann es zur Verminderung der Libido oder eingeschränkter Orgasmusfähigkeit kommen. Die Ursachen für eine derartige Sexualstörung können sehr unterschiedlich sein. Neben psychischer Belastung können auch Medikamente oder Nervenschäden Ursache für erektile Dysfunktion oder den Verlust der Libido sein. Allen betroffenen Paaren ist ein offenes Gespräch miteinander sowie mit dem behandelnden Neurologen zu empfehlen, damit der Kinderwunsch nicht unerfüllt bleibt.

Weitere Informationen zu dieser Thematik finden Sie auch in unserem News-Archiv auf www.ms-life.de, wie z. B. ein Interview mit der Kinderwunsch-Expertin Frau Dr. Hellwig.

Referenzen und weiterführende Informationen:

http://www.ms-und-kinderwunsch.de/allgemeine-informationen/ms-und-fruchtbarkeit.html (Stand 17.05.2016)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/kinderwunsch-und-ms/(Stand 17.05.2016)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/vitamin-d-mangel-in-der-schwangerschaft/ (Stand 17.05.2016)

http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-03/ungewollt-kinderlos-infografiken (Stand 17.05.2016)

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/article/803975/wenn-sex-nervensache.html?sh=2&h=-2027943875 (Stand 23.05.2016)

Pozzilli C., Pugliatti M., An overview of pregnancy-related issues in patients with multiple sclerosis. Eur J Neurol. 2015 Oct, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ene.12797/epdf (Stand 17.05.2016)

Amato M. P., Portaccio E., Fertility, Pregnancy and Childbirth in Patients with Multiple Sclerosis: Impact of Disease-Modifying Drugs. 14 March 2015, CNS Drugs http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs40263-015-0238-y (Stand 17.05.2016)

Prévinaire J.G., Lecourt G., Soler J.M., Denys P., Sexual disorders in men with multiple sclerosis: Evaluation and management. Annals of Physical and Rehabilitation Medicine 57 (2014), http://ac.els-cdn.com/S1877065714017217/1-s2.0-S1877065714017217-main.pdf?_tid=279412b6-1c27-11e6-bbbb-00000aacb360&acdnat=1463486697_5cf1bf6caa47dd32c33f15abe15b2fb3 (Stand 17.05.2016)

 

 

 

 

 

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