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Forscher regen endogene Stammzellen zur Reparatur von Myelin an - Remyelinierung bei MS möglich?

16.11.2015

Körpereigene, im Gehirn vorkommende Stammzellen könnten im Idealfall die Möglichkeit für eine nicht-invasive Zellersatztherapie bieten. Eine aktuelle Untersuchung durch ein Forscherteam unter der Leitung von PD Paul J. Tesar an der Case Western Reserve (CWR) Universität in Cleveland (USA) regte mit Hilfe zweier bekannter Substanzen, die ursprünglich von den relevanten Behörden zur Linderung von Hautkrankheiten zugelassen wurden, Stammzellen im Gehirn von an MS erkrankten Mäusen zur Reparatur von Myelin an.

Jahrzehnte lang war die vorherrschende Forschungsmeinung, dass das Gehirn keine Möglichkeit zur Regeneration habe. Dieses Dogma wurde jedoch vor einiger Zeit gestürzt, als Wissenschaftler die Entdeckung machten, dass auch im Gehirn erwachsener Lebewesen Stammzellen vorhanden sind. Diese Stammzellen haben die Möglichkeit, alle Zellen des Gehirns nach zu bilden. Zu diesen Zellen gehören: Nervenzellen (Neurone) und verschiedene Arten von Stützzellen (Gliazellen). Eine besondere Form der Gliazellen sind die sogenannten  Oligodendrozyten, welche ebenfalls aus Stammzellen im erwachsenen Gehirn neu gebildet werden können.

Oligodendrozyten sind jene Zellen im Gehirn, die Myelin bilden, das dann die Ausläufer von Nervenzellen (Axone) ummantelt. Diese Ummantelung ist vergleichbar mit der Isolierung eines elektrischen Kabels. Nur solange die Hülle intakt ist, ist eine schnelle Signalweiterleitung gewährleistet. Während eines aktiven MS-Krankheitsschubes wird das Myelin zusehends zerstört, wodurch die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen ins Stocken gerät, was zu dem Auftreten von Symptomen, wie beispielsweise Empfindungsstörungen oder Bewegungsstörungen führen kann.

Dr. Tesar und sein Forschungsteam legten den Schwerpunkt ihrer Forschungsvorhabens auf die Untersuchung zahlreicher bereits bekannter Medikamente hinsichtlich ihres Potenzials vorhandene Schädigungen der Myelinbereiche des Gehirns von MS-Mäusen zu reparieren. Dadurch konnten die Forscher zwei Wirksubstanzen ausfindig machen, die die Intensität der Einschränkungen der an MS erkrankten Mäuse klinisch positiv beeinflussen konnten. Die Wissenschaftler konnten belegen, dass die Behandlung der Tiere mit diesen Substanzen dazu führt, dass auch im erwachsenen Tier Myelin neu gebildet werden kann. Diese Entdeckung ist insofern bahnbrechend, als dass sie einen ganz neuen Weg zur MS-Therapie ermöglichen könnte. Bisher zielen alle verfügbaren Therapien darauf ab, das Immunsystem zu beeinflussen bzw. den Übergang von Immunzellen ins Gehirn zu unterbinden. Neuere Ansätze beschäftigen sich zudem mit Substanzen, welche man verabreichen könnte damit bereits vorhandene, ausgereifte Oligodendrozyten zur Remyelinisierung angeregt werden. Ebenfalls wird die Verwendung von körpereigenen Stammzellen erprobt, welche aus dem Blut von Patienten gewonnen werden.

Der Vorteil einer endogenen Stammzelltherapie würde viele Risiken minimieren. Durch die Verwendung von endogen, also im Gehirn  bereits natürlich vorkommende, Stammzellen und deren Beeinflussung durch extern gegebene Substanzen, die beispielsweise wie in der vorliegenden Arbeit als Injektion verabreicht werden, können einige Risiken minimiert werden. Beispielsweise würden  Operationen überflüssig werden, da die Stammzellen bereits im Gewebe vorliegen und nicht transplantiert werden müssten.

Es bleibt allerdings noch ein langer Weg, denn Daten aus präklinischen Studien müssen in unterschiedlichen Phasen der klinischen Studien am Menschen hinsichtlich der Sicherheit und Wirksamkeit hin überprüft werden.

Referenzen und weiterführende Informationen:

Drug-based modulation of endogenous stem cells promotes functional remyelination in vivo., Najm F., Madhavan M., Zaremba A., Shick E., Karl R.T., Factor D.C., Miller T.E., Nevin Z.S., Kantor C., Sargent A., Quick K.L., Schlatzer D.M., Tang H., Papoian R., Brimacombe K.R., Shen M., Boxer M.B., Jadhav A., Robinson A.P., Podojil J.R., Miller S.D., Miller R.H., Tesar P.J., Nature. 2015 Jun 11;522(7555):216-20. doi: 10.1038/nature14335. Epub 2015 Apr 20.

http://tesarlab.case.edu/

http://www.curado.de/reparatur-myelinscheiden-30307/

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/ms-therapie-mit-antimykotikum.html

 

 

 

 

 

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