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Gene als MS-Risikofaktoren

19.08.2015

Die Ursachen der Multiplen Sklerose sind noch weitgehend unbekannt – man vermutet ein Zusammenspiel von genetischen Grundlagen und Umweltfaktoren. Doch wie groß ist das genetische Risiko? Erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an Multipler Sklerose zu erkranken, wenn die Erkrankung in der Familie bereits aufgetreten ist?

MS ist keine Erbkrankheit im klassischen Sinne, die von den Eltern auf ihre Kinder übertragen wird. Dennoch gibt es eine gewisse Veranlagung, an MS zu erkranken, die in Kombination mit weiteren Bedingungen MS familiär gehäuft auftritt.

Kinderwunsch bei Erkrankung eines Elternteils

Das relative Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken, ist bei Kindern eines MS-erkrankten Elternteils – im Vergleich zur übrigen Bevölkerung – nur geringfügig erhöht. Somit haben Kinder und zweieiige Zwillingsgeschwister von MS-Betroffenen rechnerisch ein leicht höheres Risiko (2 – 4 %) als die Normalbevölkerung (0,1 – 0,3 %). Das höchste Risiko tragen eineiige Zwillinge: Erkrankt einer der Zwillinge an MS, so liegt für den anderen Zwilling die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei bis zu 30 %.

Aus genetischer Sicht gibt es also keine zwingenden Einschränkungen in Bezug auf den Kinderwunsch. Allerdings sollten MS-Patienten mit Kinderwunsch immer die jeweiligen Hinweise ihres Medikaments beachten. In vielen Fällen muss das Medikament vor der Schwangerschaft abgesetzt werden, hier sollte immer der behandelnde Arzt zu Rate gezogen werden.

Die Variante des Gens STK11

Es wird weltweit intensiv geforscht, um den Einfluss der Gene auf die MS zu erklären. Vor kurzem gelang es Forschern der Universität von Illinois in Chicago, eine genetische Variante des Gens STK11 zu identifizieren, die bei Frauen signifikant das Risiko erhöht, an Multipler Sklerose zu erkranken. Eine Variante, die bei Frauen mit MS fast doppelt so häufig vorkommt wie bei gesunden Frauen. Douglas L. Feinstein vom Jesse Brown VA Medical Center, der Hauptautor der Studie, erklärt: „Das macht sie zu einem der größten Risikofaktoren, die bis heute identifiziert worden sind“.

Bereits 2007 starteten Wissenschaftler des International Multiple Sclerosis Genetics Consortium (IMSGC) eine Initiative, die Forschungsergebnisse zum Thema MS und Gene aus 15 Ländern zusammenführen. Damals konnten gerade zwei Genvarianten bestimmt werden, die das Risiko für die Erkrankung an Multipler Sklerose erhöhen – heute sind es bereits 159 Gene! Und damit nicht genug: Auch die Erkenntnisse zu am Erkrankungsprozess beteiligten Immunzellen und Proteinen fügen sich langsam wie ein Puzzlestein an den anderen.

Ein Blick in die Zukunft

Wofür werden diese aufwendigen Studien mit inzwischen mehr als 80.000 Patienten durchgeführt? Die Hoffnung ist, im ersten Schritt, die komplexen Strukturen des Krankheitsgeschehens besser zu verstehen. Dann könnte man möglicherweise Therapien finden, die zielgenau wirken. Im nächsten Schritt würde man versuchen, die identifizierten Gene wiederum so zu verändern, dass sich die MS gar nicht erst entwickeln kann. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis sich die wissenschaftlichen Ergebnisse in die Praxis umsetzen lassen und bei den Betroffenen tatsächlich ankommen. Doch die Forschung macht große Fortschritte und damit wächst die Hoffnung, eines Tages Autoimmunkrankheiten beherrschen und heilen zu können.

 

 

 

 

 

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