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Vitamin D und MS

08.12.2015

Genetisch verringerter Vitamin-D-Spiegel erhöht das Risiko, an MS zu erkranken

Schon seit langem wird ein Zusammenhang zwischen Störungen im Vitamin-D-Haushalt und dem Auftreten einer Multiplen Sklerose vermutet. Diese Vermutung hat ein internationales Forscherteam genauer unter die Lupe genommen und dabei interessante Ergebnisse erhalten.

Vitamin D und MS

Dass der Vitamin-D-Haushalt in einem Zusammenhang mit dem Auftreten von MS zu stehen scheint, stützt sich vor allem auf die Beobachtung, dass in nördlichen Breiten die Prävalenz der MS, gegenüber der südlichen Erdhalbkugel statistisch erhöht ist. Zudem herrscht eine außergewöhnlich niedrige Erkrankungsrate in Gebieten um den Äquator. Diese Beobachtung ließ erstmals Forscher ein Augenmerk auf das „Sonnenhormon Vitamin D“ richten. Denn Vitamin D kann nur unter dem Einfluss von Sonnenlicht in das im Körper aktive Substrat 25-Hydroxyvitamin-D (25-OHD) überführt werden. Wie dies genau geschieht, berichteten wir in unserer Ausgabe vom 19. Januar 2015. Da die Sonnenstundenlänge in den südlichen Gebieten und am Äquator länger ausfällt als auf der nördlichen Halbkugel, kam der Verdacht auf, dass der Mangel an Sonnenlicht ursächlich für die Erkrankung sein könnte. Tatsächlich wurde immer wieder beobachtet, dass MS-Patienten einen außergewöhnlich geringen Spiegel an 25-OHD aufweisen und dass die Krankheitsaktivität mit dem Spiegel an 25-OHD korreliert. Wie es zu diesem Vitaminmangel kommt und ob dieser tatsächlich mit MS in Verbindung steht, blieb bislang ungeklärt.

Genetische Veränderungen in „Vitamin-D-Genen“ als Ursache für MS?

Dass dies zum Teil zutreffen könnte, belegen nun Ergebnisse einer aktuellen großangelegten Vererbungsstudie einer internationalen Forschergruppe. Die Wissenschaftler untersuchten anhand der Daten von etwa 15.000 MS-Patienten und -Patientinnen und ca. 25.000 gesunder Probanden europäischer Abstammung den Zusammenhang zwischen genetischen Veränderungen in diesen Genen und dem Risiko, an MS zu erkranken.

Sie konnten belegen, dass eine Verringerung des 25-OHD-Spiegels durch genetische Veränderungen das Risiko erhöht, an MS zu erkranken. Die Autoren räumen ein, dass die gezeigte Steigerung des Risikos auf das Doppelte alleine wohl nicht ausreichend ist, den Erkrankungsausbruch zu erklären. Vielmehr gehen die Autoren davon aus, dass eine Substitution, also ein Ausgleich des geringen 25-OHD-Spiegels, den Ausbruch der Erkrankung verzögern könnte.

Therapeutische Nutzung

Die Frage nach der therapeutischen Nutzbarkeit von Vitamin-D-Präparaten in der MS-Therapie wird schon seit langer Zeit immer wieder diskutiert. Bislang deuten die Daten nicht darauf hin, dass die alleinige Substitution eines bestehenden Vitamin-D-Mangels ausreichend wäre, den Krankheitsverlauf zu beeinflussen.

Oftmals tritt MS zunächst als sogenanntes klinisch isoliertes Syndrom (KIS) auf. Ein KIS ist das erstmalige Auftreten eines demyelinisierenden Ereignisses. Aus einem KIS kann sich in der Folgezeit eine MS entwickeln. Nach den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung könnte eine Möglichkeit darin bestehen, dass 25-OHD eben in diesem therapeutischen Fenster zwischen KIS bis zum etwaigen Ausbruch der MS verabreicht werden könnte. Dabei handelt es sich dann um eine prophylaktische Therapie, die möglicherweise den Ausbruch einer MS verzögern oder unterbinden könnte. Insbesondere für Kinder oder Geschwister MS-Erkrankte könnte diese Therapie bei bestätigtem 25-OHD-Mangel sinnvoll sein. Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass weitere klinische Untersuchungen nötig sind, die den kausalen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Stoffwechsel und dem Ausbruch der Erkrankung beurteilen müssen.

Referenzen:

 

 

 

 

 

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