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Gesunde Ernährung: So können Sie Ihre Darmflora und Ihr Immunsystem stärken!

29.03.2018

Eines vorweg: Ja, an Ostern dürfen auch MS-Betroffene ruhig mal naschen, dafür schmecken Osterlamm und Schokohase viel zu gut. Auf das berühmte Maß kommt es an. Wir sagen, warum.

Ob Feiertag oder nicht: Die Ernährung auf Ballaststoffen aufzubauen, soll auch bei MS sehr wichtig sein. Verschiedene Studien belegen, dass eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse und Ballaststoffen sowie regelmäßige Bewegung die Symptome und den Verlauf von Multipler Sklerose positiv beeinflussen. 

Eine intakte Darmflora ist das A und O

Ballaststoffe sind wichtig für eine intakte Darmflora. Je gesünder unser Darm ist, desto besser für uns. Denn viele Erkrankungen stehen im Zusammenhang mit einer Darmflora, die aus dem Gleichgewicht geraten ist. Eine aktuelle Studie1 aus Japan belegt, dass die ballaststoffabbauenden Bakterien in unserem Darm sogenannte regulatorische T-Zellen aktivieren, die wiederum eine Überaktivierung des Immunsystems unterdrücken. Werden zu wenige Ballaststoffe aufgenommen, können sich die ballaststoffabbauenden Bakterien nicht vermehren und deren korrigierender Einfluss auf das Immunsystem wird verringert. Das bedeutet: Die gesunde Darmflora gerät ins Ungleichgewicht1.

Große Umfrage unter 7.000 MS-Patienten

Die Kombination aus einer ausgewogenen, gesunden Ernährung und einer gesunden Lebensweise bewirkt nach den Ergebnissen einer Umfrage2 des North American Research Committee on MS (NARCOMS) unter knapp 7.000 MS-Patienten den größten Effekt auf die Symptome von MS.

Abgefragt wurde die Art der Ernährung in Bezug auf den Obst- und Gemüsekonsum, Vollkornprodukte, Lebensmittel mit zugesetztem Zucker und auf den Konsum von industriell verarbeiteten Fleischprodukten. Die Fragen, die die Probanden zu ihrer Lebensweise beantworteten, bezogen sich unter anderem auf das Ausmaß der regelmäßigen Bewegung, das Gewicht im Verhältnis zur Körpergröße (BMI = Body Mass Index < 25) und darauf, ob sie rauchten. Außerdem machten die Teilnehmer Angaben zu der Häufigkeit der Schübe und der Schwere anderer Symptome. Anschließend teilten die Forscher die Probanden in 5 Gruppen ein, abgestuft nach dem Ausmaß, in welchem sie sich gesund oder ungesund ernährten und verhielten.

Die Ergebnisse: Die Teilnehmer, die am „gesündesten“ leben, haben im Vergleich mit der „ungesündesten“ Gruppe eine um die Hälfte geringere Wahrscheinlichkeit für Einschränkungen wie etwa Depressionen, eine um 40 Prozent verringerte Wahrscheinlichkeit für Schmerzen und eine um 30 Prozent verringerte Wahrscheinlichkeit für Fatigue3.

Eigentlich verwundern diese Ergebnisse kaum. Die Ernährung ist der „Treibstoff“ für unseren Körper und Bewegung gehörte seit Anbeginn zur menschlichen Natur. Jeden Tag ein bisschen daran zu denken, mag schon einige Veränderungen bringen. Zu Ostern empfiehlt es sich, den Obstsalat beim Osterbrunch und die Gemüsebeilage beim Hauptgericht nicht zu verschmähen und sich vor allem zwischendurch zu bewegen. Auf zum Osterspaziergang!

Quellen:

1 https://onlinelibrary.ectrims-congress.eu/ectrims/2017/ACTRIMS-ECTRIMS2017/202391/takashi.yamamura.asia.html?f=media=3

2 Fitzgerald KC. Diet quality is associated with disability and symptom severity in multiple sclerosis. Neurology. 2018 Jan 2;90(1):e1-e11. doi: 10.1212/WNL.0000000000004768 : https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29212827

3 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29212827

 

Wissenswertes zur Ernährung

Zucker: Im Durchschnitt essen wir bis zu 35 Kilogramm Zucker im Jahr, das sind fast 100 Gramm täglich. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt bei höchstens 25 Gramm oder 6 Teelöffeln „freiem“ Zucker am Tag, was etwa dem Zuckergehalt einer halben Tafel Schokolade entspricht. Dazu kommen aber noch die Kohlenhydrate in Getreideprodukten, die besonders aus Weißmehl leicht zu Zuckern abgebaut werden. Ein übermäßiger Zuckerkonsum kann zu einer Insulinresistenz führen, sodass der Zucker im Blut verbleibt und den Organismus oder auch die Nerven schädigen kann. Wer auf Süßes nicht verzichten mag, könnte es – ebenfalls in Maßen – mit den etwas gesünderen Alternativen wie Palm-, Kokos-, Birken- oder Dattelzucker, Honig, Ahornsirup, Stevia oder Zuckerrohrmelasse probieren.

Fleisch: Der Fleischkonsum sollte nach Aussagen der Ernährungswissenschaftler nicht höher als 300 bis 600 Gramm pro Woche liegen. In den Industrienationen werden jedoch rund 1,2 Kilogramm Fleisch pro Woche verzehrt und damit das 3- bis 4-Fache. Fett tierischer Herkunft ist nicht zwangsläufig „schlecht“ und Fett pflanzlicher Herkunft ist nicht automatisch „gut“. Der Körper benötigt alle Fette, nur in einem ausgewogeneren Verhältnis, als es heutzutage in der Ernährung vieler Menschen der Fall ist. Denn Fleisch enthält gesättigte Fettsäuren, die für die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe verantwortlich sind.

So wie Fleisch früher den Sonn- und Feiertagen vorbehalten war, sollte es auch heute nur selten verzehrt werden, und wenn Fleisch verzehrt wird, dann sollte es von Tieren aus ökologischer Haltung stammen. Nur Tiere, die artgerecht gefüttert werden, sind auch wirklich gesund. Das wirkt sich auf die Zusammensetzung des Fleisches mit den für uns wichtigen Omega-3-Fettsäuren aus. Gegen einen „guten“ Osterbraten ist demnach nichts einzuwenden.

Ballaststoffe: Einer zucker- und fetthaltigen Ernährung mangelt es meist an Ballaststoffen. Daher so oft wie möglich auf Vollkornprodukte zurückgreifen wie Vollkornbrot, Vollkornnudeln oder -reis. Doch auch Gemüse liefert viele Ballaststoffe. Am höchsten ist der Gehalt in sämtlichen Kohlsorten, Hülsenfrüchten wie Erbsen und Bohnen, aber auch in Möhren und Kartoffeln. Obst besteht überwiegend aus Wasser, daher ist der Ballaststoffgehalt vergleichsweise gering. Zwar lässt sich durch Leinsamen, Kleie oder Flohsamenschalen (eingerührt in Müsli oder Joghurt) die Ballaststoffzufuhr steigern. Bekömmlicher ist es jedoch, hauptsächlich ballaststoffreiche Lebensmittel zu verzehren. Damit die Ballaststoffe im Darm quellen können, sollten täglich mindestens 2 Liter getrunken werden – bestenfalls Wasser und ungesüßte Kräutertees.

Bewegung: Regelmäßige körperliche Bewegung wirkt sich regulierend auf die Blutfettwerte aus und senkt den Insulinspiegel. Diese beiden Faktoren stehen nicht nur mit dem Risiko von Herz- Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung, sondern sind auch mit ausschlaggebend für den Verlauf von MS. Einer aktuellen Studie4 zufolge wirkte sich ein 12-wöchiges moderates Training sogar mehr auf die Senkung der Blutfettwerte und den Insulinspiegel aus als ein ebenso langes Intensivtraining. Ein Spaziergang nach dem Festessen macht vielleicht nicht jede „Sünde“ wett, kann aber einiges bewirken – und nicht nur zu Ostern.

 

Quelle:

4 Jorissen W et al. Int J Mol Sci. 2018, 19, 193

 

 

 

 

 

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