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Gesundheit geht durch den Darm

04.07.2016

„Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen, jede Erbse einen Knall.“ Die blähenden Effekte von Hülsenfrüchten auf die Verdauung hat fast jeder schon einmal erlebt beziehungsweise erlitten. Unsere Ernährungsgewohnheiten beeinflussen unmittelbar die Vorgänge im Darm und somit auch die Darmgesundheit. Das lebendige Milieu im Darm wiederum hat eine unmittelbare Auswirkung auf unsere Gesundheit.

Verstopfung: Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, wenig Bewegung sowie reduzierte Darmbewegungen als Folge der MS-Erkrankung und bestimmte Medikamente führen häufig zu dazu, dass der Stuhlgang erschwert ist und seltener stattfindet.

Essen Sie sich fit

Gute Essgewohnheiten sind für die Darmgesundheit grundlegend. Dazu gehören regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten in entspannter Atmosphäre. Eine ausreichende Flüssigkeitsmenge und Ballaststoffe können eine Verstopfung in den meisten Fällen lindern. Ballaststoffe nennt man die unverdaulichen Bestandteile der pflanzlichen Nahrung. Sie machen den Stuhl weicher und beschleunigen die Ausscheidung. Ballaststoffreich sind rohes Obst und Gemüse, Nüsse, Samenkerne und Getreideprodukte wie Vollkornbrot, Maismehl, ganze und geschrotete Weizenkörner, Gerste, wilder und brauner Reis und Weizenkleie.

Macht auch Ihnen öfter mal eine Verstopfung zu schaffen, können Sie mit einfachen Mitteln selbst versuchen, Ihre Verdauung in Schwung zu bringen:

- Regelmäßige Mahlzeiten unterstützen eine geregelte Verdauung, da der Körper auf diese Abläufe programmiert wird. Langsames Essen und gründliches Kauen regen die Verdauungssäfte an und unterstützen den Darm bei seiner Arbeit.

- Viel und regelmäßig Trinken: Klares stilles Wasser, Saftschorlen im Verhältnis 2:1 und auch wechselnde Teesorten, nicht zu stark aufgebrüht sollten hier Ihre erste Wahl sein. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt etwa eineinhalb Liter am Tag.

- Ein hoher Anteil an Ballaststoffen macht den Stuhl weicher und beschleunigt die Darmpassage. Alle Vollkornprodukte enthalten viele Ballaststoffe. Kleie und Leinsamen sind beliebte und effektive Soforthelfer. Mischen Sie sie mit Joghurt oder Buttermilch, verstärkt sich die Wirkung noch.

- Rohes Obst und Gemüse wirkt ebenfalls verdauungsanregend, besonders geeignet sind Trockenpflaumen, Möhren und Sauerkrautsaft.

- Getreide wie Hafer und Hirse als Brei zubereitet und evtl. mit Obst verfeinert sind hilfreich, um eine Verstopfung zu beenden.

- Um den Stuhl aufzulockern und ihm mehr Wasser zuzuführen, tun auch pflanzliche Quellstoffe einen guten Dienst. Besonders schonend und wirksam sind indische Flohsamenschalen, die enorm viel Wasser aufnehmen können und so im Darm für einen weichen, voluminösen Stuhl sorgen.

Medikamente gegen Verstopfung

Lässt sich Ihre Verstopfung weder durch mehr Trinken noch durch Ernährungsumstellung beheben, helfen Abführ- und Quellmittel, Stuhlerweicher sowie Zäpfchen und Einläufe. Auch wenn viele Medikamente gegen Verstopfung rezeptfrei erhältlich sind, sollten Menschen mit chronischen Erkrankungen besser ihren behandelnden Arzt um Rat fragen. Er kann die Ursache der Verstopfung bestimmen und eine entsprechende Therapie verordnen.

Durchfall: Durchfall ist in der Regel keine Folgeerkrankung der Multiplen Sklerose, kann aber in Form von Inkontinenz sehr belastend werden. Konsultieren Sie in jedem Fall Ihren Arzt, wenn Sie öfter unter Durchfall leiden. Hausmittel gegen gelegentlichen Durchfall sind: geriebener roher Apfel, Reisschleim sowie in viel und leicht gesalzenem Wasser gekochte, fein pürierte Möhren.

Kann die Darmflora MS positiv beeinflussen?

Mehr als eintausend Bakterienspezies sind bisher bekannt, die den menschlichen Darm besiedeln können. Jeder Mensch beherbergt mindestens 160 Arten. Unser Erbgut sowie Umweltfaktoren wie Ernährung, Hygiene und Medikamenteneinnahme beeinflussen die individuelle Zusammensetzung. Neueste Forschungen legen nahe, dass die Zusammensetzung der Darmflora auch einen Einfluss auf den Ausbruch sowie den Verlauf einer MS haben könnte.

Ein Ziel der Forscher ist es, Bakterien und deren Abbauprodukte zu bestimmen, die einen Ausbruch der Multiplen Sklerose verhindern bzw. den Verlauf der Erkrankung abschwächen können. Daraus könnten sie dann beispielsweise Präbiotika und Probiotika entwickeln, die über die Ernährung die Darmflora gezielt beeinflussen. Erforscht werden auch Antibiotika, die die Zusammensetzung der bakteriellen Lebensgemeinschaft im Darm positiv steuern. Vielversprechend sind auch erste Studien mit sogenannten Fäkaltransplantationen, bei der quasi ein Set der Darmbakterien eines gesunden Spenders auf eine Person übertragen wird. Dieses Verfahren wurde schon erfolgreich eingesetzt. MS-Patienten können hoffen, dass die Forscher auch für Ihre Erkrankung heilende Mikrobiotika finden.

Rezept: Darmanregendes Müsli

- 50 g gemischte Vollkorngetreideflocken (z. B. 2 EL Hafer-, je 1 EL Dinkel- und Hirseflocken)
- 1 EL Leinsaat
- 1 EL Sonnenblumenkerne
- 2 – 4 Trockenpflaumen (am besten über Nacht in ein wenig Wasser eingeweicht)
- 1 EL Heidelbeeren (frisch oder getrocknet, ersatzweise Trockenfeigen)
- 100 g Joghurt oder Buttermilch
- Bei Bedarf 1 – 2 TL Honig zum Süßen

Alle Zutaten gut miteinander in einer Müslischale mischen und anschließend frisch genießen. Guten Appetit!

Referenzen und weiterführende Informationen:

http://www.amsel.de/multiple-sklerose/behandeln/index.php?kategorie=msbehandeln&kategorie2=&kategorie3=symptomatischetherapie&anr=3513

http://www.dmsg-saar.de/uploads/media/Obstipation_bei_MS.pdf

https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-forschung/multiple-sklerose-wie-darmbakterien-die-gesundheit-des-gehirns-beeinflussen/

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/multiple_sklerose/article/869169/multiple-sklerose-darmbakterien-initialzuender.html

 

 

 

 

 

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