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Sehnsuchtsort Heimat

30.11.2017

Was bedeutet Heimat? Welche Faktoren prägen unser Heimatgefühl? Jonathan Arntz, Psychologischer Psychotherapeut aus Köln, erklärt, warum das Thema "Heimat" auf uns so eine Anziehungskraft hat.

Fragt man Freunde oder Kollegen, was sie mit Heimat verbinden, werden vermutlich die unterschiedlichsten Lebensgeschichten erzählt. Jeder verbindet etwas anderes damit. An die eigene Heimat zu denken, lässt bei den meisten ein wohlig-warmes Gefühl aufsteigen und zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Welche Bedeutung Heimat für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie MS haben kann, sagt uns Jonathan Arntz, psychologischer Psychotherapeut aus Köln.

 

Was bedeutet Heimat und welche Faktoren prägen diesen Begriff?

Faktoren wie Familie, Freunde, Kindheit, Geborgenheit, Sicherheit, Schutz können diesen Begriff prägen. Jeder verbindet etwas Individuelles damit – grundsätzlich etwas Positives. Denn: Heimat ist ein positiv besetzter Begriff und wird mit guten Erinnerungen, prägenden Erlebnissen und auch Sehnsüchten assoziiert. Heimat bedeutet: vertraute Umgebung, Identität, Vertrauen und das Gefühl der Zugehörigkeit. Oftmals sorgt allein der Gedanke für positive Emotionen. Auch lokale Verbundenheit zu Vereinen und Bräuchen, lokale Essenstraditionen und Getränke oder Dialekte können ein Heimatgefühl hervorrufen.

 

Was heißt Heimat für Menschen mit chronischen Erkrankungen?

Heimat prägt uns, Heimat ist wichtig für uns, für unsere Gefühle und emotionale Entwicklung. Sie gibt uns Halt und Kraft. Da spielt es zunächst keine Rolle, ob wir gesund oder chronisch krank sind. Bei einer Erkrankung ist es allerdings wichtig, dass es einen „Rettungsanker“ gibt, wie beispielsweise vertraute Personen oder geliebte Hobbys, die Kraft geben und beim Genesungsprozess unterstützen können. Denn oftmals gehen mit einer chronischen Erkrankung auch Verlustängste einher, die verarbeitet werden sollten. Das Normale, der Alltag tritt in den Hintergrund, man ist in seinem gesunden Weltbild erschüttert.
Betroffene sollten sich an dieser Stelle fragen, welche echten Alternativen in Betracht kommen können. Trotz meiner Einschränkung: Was gibt mir ein Stück Normalität, Alltag oder Heimat zurück? Wobei fühle ich mich wohl? Was gibt mir Kraft? Wer dabei professionelle Unterstützung benötigt, weil er es alleine oder nur mithilfe der Familie nicht schafft, sollte sich nicht scheuen, einen Psychotherapeuten aufzusuchen.

 

Was kann man selbst tun, um sich ein Stück Heimat zu bewahren?

Heimat ist identitätsstiftend, gibt uns das Gefühl der Zugehörigkeit und sorgt für emotionale Stabilität und Geborgenheit. Wichtig ist es, für sich zu klären, was man will und wo man sich wohl fühlt. Heimat ist da, wo man sich verstanden und geborgen fühlt, wo man Bodenhaftung hat. Ein alter Freund kann Heimat bedeuten, ebenso wie das geliebte Familientreffen einmal im Jahr oder das Reisen an einen Urlaubsort aus der Kindheit. Auch Rituale und Traditionen können dazu gehören – das muss jeder für sich herausfinden. Wenn man seine Heimat für sich gefunden hat, regt das die Selbstheilungskräfte an, man fühlt sich glücklicher und vielleicht nicht mehr so rastlos.

 

Was bedeutet Heimat für Sie persönlich?

Ich assoziiere Familienrituale, die ich in positiver Erinnerung habe und die mich Dankbarkeit spüren lassen, mit dem Begriff Heimat. Daher fahre ich regelmäßig in meine alte Heimat an den Niederrhein und besuche meine Familie. Das gibt mir Bodenhaftung. Das ist wichtig, denn im oft hektischen Alltag geht der Blick für die vielen kleinen Dinge im Leben schnell verloren. Aber genau diese kleinen Dinge sind entscheidend und prägen.

 

Zur Person:

Jonathan Arntz ist approbierter psychologischer Psychotherapeut und in Köln tätig. Er arbeitet mit verschiedenen psychotherapeutischen Behandlungsmethoden und Techniken und bietet Therapien etwa bei Ängsten und Traumata oder zur Verbesserung der Achtsamkeit an. Kontakt und weitere Informationen unter

https://www.psychotherapie-arntz.de/

 

 

 

 

 

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