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Hilfe bei Blasenschwäche

06.12.2016

Blasenfunktionsstörungen müssen kein Tabu sein und sind in allen Altersgruppen verbreitet. Die Gründe sind dabei vielfältig. Auch im Verlauf von MS können Blasenfunktionsstörungen auftreten. Für die Betroffenen ist dieses Symptom oft ein sensibles Thema. Wir wollen Ihnen Tipps mit auf den Weg geben, wie Sie damit umgehen können und welche Maßnahmen Hilfe bieten.

Bei einer MS kommt es zu Entzündungen im Gehirn, die zu einer Schädigung der Myelinscheiden und der Nervenzellen führen. Geschädigt werden unter anderem auch Nervenzellen, die die Blasenfunktion kontrollieren. Es gibt heute jedoch vielfältige Behandlungsmöglichkeiten. Ihr behandelnder Neurologe berät Sie hierzu gerne und empfiehlt Ihnen bei Bedarf auch einen Spezialisten (Urologen oder Gynäkologen) in Ihrer Nähe. Gehen Sie offen mit diesem sensiblen Thema um, um eine für Sie optimale Lösung zu finden.

Durch bestimmte Schädigungen im zentralen Nervensystem bei MS kann es zu Sensibilitätsstörungen im urogenitalen Bereich und einer Beeinträchtigung von Muskeln des Beckenbodens kommen. Die Kommunikation zwischen Blase und Zentralnervensystem ist also gestört was sowohl die Motorik als auch Sensorik betreffen kann. Folgen können die Beeinflussung der Blasenaktivität sein, wie zum Beispiel ein häufiger Harndrang (Reizblase) oder eine Harninkontinenz (ungewollter Urinverlust). Zur Vorbeugung können Sie selbst beitragen, indem Sie durch gezielte Übungen Ihren Beckenboden stärken. Entsprechende Kurse werden auch von physiotherapeutischen Praxen und professionellen Fitnessstudios angeboten. Bei starkem Harndrang kann es in Einzelfällen zudem sinnvoll sein, ein Miktionstagebuch (siehe Faktenbox) zu führen.

Unregelmäßigkeiten bei der Blasenentleerung können dadurch entstehen, dass das Zusammenspiel zwischen dem Zusammenziehen der Blasenwandmuskulatur und bestimmter Muskeln des Beckenbodens, die für ein Verschließen der Harnröhre verantwortlich sind, nicht einwandfrei funktioniert. So kann ein frühes Anzeichen beispielsweise ein verminderter Harnstrahl oder der vorzeitige Abbruch der Blasenentleerung sein. Unter Umständen kann es auch zur Bildung von Restharn kommen. Bei einer Restharnbildung besteht eine erhöhte Gefahr von Harnwegsinfekten, da die verbleibende Menge an Urin in der Blase einen guten Nährboden für Bakterien darstellt. Eine weitere häufige Form der Blasenentleerungsstörung kann sich als ungewollter Harnabgang (Harninkontinenz) zeigen. Grundlegend kann hier eine eingeschränkte Kontrolle der Schließmuskulatur oder eine dauerhafte Überdehnung der Blasenwand in Folge anhaltender Restharnbildung sein. Eine Reizblase hingegen ist keine Störung der Blasenentleerung, sondern resultiert aus einer fehlerhaften Kommunikation zwischen Blase und Gehirn aufgrund von Nervenschädigungen. Trotz leerer Blase verspüren Betroffene in diesem Fall einen Harndrang. Die Blase vermittelt also falsche Signale an das Gehirn.

Diese Problematik ist im Alltag oft störend und vielen Betroffenen fällt ein offener Umgang mit diesen Symptomen nicht immer leicht. Aufgrund von häufigem Harndrang oder Inkontinenz fühlen sich Betroffene teilweise unsicher in der Öffentlichkeit und verlassen dann seltener die eigenen vier Wände. Aber wie einleitend bereits beschrieben gibt es heute medizinische und therapeutische Wege, um mit derartigen Situationen und Symptomen umzugehen. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren behandelnden Arzt und finden Sie, zusammen mit ihm, die für Sie beste Lösung. 

 

Faktenbox:

Miktion ist der vom Lateinischen abgeleitete Begriff für Wasserlassen. Durch die Dokumentation der Trinkmenge und des Miktionsverhaltens können Sie Ihren Arzt unterstützen, eine gezielte Diagnose Ihrer Beschwerden zu erheben. Ein Miktionstagebuch können Sie beispielsweise hier herunterladen.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

http://www.ms-life.de/ms-service/broschuerendownload/ (Zugriff: 19.10.2016)

Video: Mit Beckenbodentraining Inkontinenz vorbeugen http://www.apotheken-umschau.de/Inkontinenz/Video-Mit-Beckenbodentraining-Inkontinenz-vorbeugen-37604.html (Zugriff: 19.10.2016)

http://www.kontinenz-gesellschaft.de/Toiletten-und-Trinkprotokolle.35.0.html (Zugriff: 19.10.2016)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/vielfalt-der-symptome/ (Zugriff: 4.11.2016)

 

 

 

 

 

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