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Hilfsmittel – gewusst wie!

09.05.2016

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat weltweit lediglich einer von zehn Menschen mit Hilfsmittelbedarf auch den Zugang zu diesen. Auch MS-Patienten in Deutschland benötigen zur Bewältigung ihres Alltags häufig Unterstützung. Von der Mobilfunk-App über Griffverdickung für das Essbesteck bis hin zum elektrischen Rollstuhl. Hilfsmittel können in vielen Lebenslagen eine wertvolle Stütze für Menschen mit MS sein.

Hilfsmittel sind für Menschen mit chronischen Erkrankungen ein wichtiges Thema. Zwar benötigt nicht jeder MS-Patient einen Rollstuhl oder Rollator, aber körperliche und neurologische Einschränkungen erschweren den Alltag ohne Hilfsmittel teilweise erheblich. Da können kleine Helfer, wie eine Sehhilfe, eine Sprachausgabesoftware für den PC oder ein Gehstock sinnvoll sein. Für MS-Patienten stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Die meisten Menschen, die an MS leiden, benötigen nur selten spezielle Hilfsmittel, da sie trotz der Krankheit viele Jahre lang mobil bleiben. Andere Patienten sind jedoch auf Geräte angewiesen, die ihnen den Alltag erleichtern. Das Angebot an Hilfsmitteln ist groß. Zu den wichtigsten Hilfsmitteln gehören Rollator und Rollstuhl. Im Verlauf der MS ist es möglich, dass die Beschwerden zunehmen, so dass eine Anpassung an die neuen Bedürfnisse des Patienten erforderlich wird.

Ehe man ein Hilfsmittel erwirbt und verwendet, ist es ratsam, dieses zunächst zu testen, damit es gegebenenfalls an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann. Auch Hilfsmittel zum Ausgleich von Funktionsdefiziten (z. B. Bandagen und Orthesen), Hilfsmittel, die das alltägliche Leben erleichtern, wie zum Beispiel Duschstuhl, Funkfernbedienungen, sprachgesteuerte Geräte, Schreibhilfen oder spezielles Geschirr zählen zu den relevanten Hilfsmitteln für MS-Patienten.

Bei der Auswahl von Hilfsmitteln spielt auch die individuelle Sturzprophylaxe eine große Rolle, denn MS-Patienten sind aufgrund ihrer neuromuskulären Symptomatik einem erhöhten Sturzrisiko ausgesetzt. Durch rutschfestes und gut sitzendes Schuhwerk, Sicherheitsstrategien beim Gehen, regelmäßiges Koordinationstraining für ein verbessertes Gangbild, Gleichgewichtstraining, aber auch durch die Beseitigung von Stolperfallen im alltäglichen Umfeld kann die Sturzprophylaxe optimiert werden. Stürze können schwerwiegende Folgen haben, über Präventionsmöglichkeiten wird jedoch nicht immer aufgeklärt. Eine Befragung, deren Ergebnisse auf einer Fachtagung der American Academy of Neurology (AAN) vorgestellt wurden, belegt dieses Aufklärungsdefizit. Die von Dr. Patricia Noritake Matsuda und Kollegen (Seattle/USA) durchgeführte Befragung von knapp 500 MS-Patienten zeigte, dass fast die Hälfte der Stürze durch Stolpern und Ausrutschen beim einfachen Gehen verursacht wurden. In knapp 60 Prozent aller Fälle zogen die Stürze ernsthafte Verletzungen wie Frakturen, Schürfungen, Zerrungen oder Kopfverletzungen nach sich. Dennoch berichteten nur die Hälfte der Betroffenen ihrem medizinischen Betreuer von ihrem Unfall. Und selbst unter diesen bereits Geschädigten wurden knapp 30 Prozent nicht darüber aufgeklärt, wie sie zukünftig durch präventive Maßnahmen und Hilfsmittel gezielt Stürze vermeiden können. Auch einfachere Hilfsmittel zur Sturzprophylaxe sind heute verfügbar, darüber berichtete auch das ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" am 17. Februar 2016. Der Beitrag "Krankenkassen: Knausern bei Hilfsmitteln" thematisiert die Genehmigungspraxis der Krankenkassen.

Kostenerstattung bei Hilfsmitteln

Die Auswahl von Hilfsmitteln ist oft problematisch, gerade dann, wenn die Kosten von Krankenkasse oder Pflegeversicherung übernommen werden sollen. Der Leistungsträger bestimmt dann zumeist einen Höchstbeitrag pro Hilfsmittel und der Patient muss für die darüber hinausgehenden Kosten selbst aufkommen. Um eine möglichst optimale Hilfsmittelversorgung und Finanzierung zu erhalten, sollten Sie sich ausführlich von Ihrem behandelnden Arzt, einem Ergotherapeuten oder dem örtlichen MS-Verband beraten lassen. Dort erhalten Sie Hilfe bei der Auswahl der passenden Hilfsmittel und Unterstützung bei der Beantragung von Zuschüssen.

Die gesetzlichen  Krankenkassen übernehmen die Kosten für Hilfsmittel wie Gehhilfen, Rollstühle und Wannenlifte in der Regel dann, wenn sie Teil der Therapie sind. Normalerweise reicht als Beleg ein Rezept Ihres behandelnden Arztes aus. Die Zuzahlung für Hilfsmittel richtet sich nach derselben Regel wie bei den Arzneimitteln. Bei Hilfsmitteln, die zum Verbrauch bestimmt sind, beträgt die Zuzahlung 10 Prozent des Packungspreises. Die Zuzahlung ist an die Stelle zu entrichten, bei der man das Hilfsmittel erhält (z. B. Sanitätshaus, Orthopädie-Fachgeschäft). Laut § 33 des Sozialgesetzbuches trägt die Krankenkasse für ein Hilfsmittel einen Festbetrag. Wenn Versicherte auf dieser Grundlage nur unzureichend versorgt werden können, muss eine Einzelfallvereinbarung erfolgen. Hilfreiche Informationen über die Erstattung von Hilfsmitteln bietet die BAG Selbsthilfe.

Der Bedarf an Hilfsmitteln steigt und ist ein weltweites Problem, gerade für chronisch Erkrankte und ältere Menschen. Die WHO erstellt derzeit eine Liste der 50 wichtigsten Hilfsmittel und hat zu Beginn dieses Jahres eine weltweite Umfrage durchgeführt. Die WHO Model List of Priority Assistive Products (APL) soll Informationen zur Hilfsmittelversorgung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und weltweit verbessern. Teilgenommen haben mehr als 10.000 Menschen aus 160 Ländern. Die Liste soll die WHO-Mitgliedsstaaten dabei unterstützen, Sozialgesetze und Programme zu realisieren, die die Versorgung mit diesen Hilfsmitteln sicherstellen. Vorgestellt werden die Ergebnisse im Rahmen der diesjährigen World Health Assembly (WHA) in Genf (18. – 26. Mai 2016) – man darf gespannt sein!

Unser Tipp: Hilfsmittel selbst gemacht!

Einige Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern, können bei Bedarf einfach und preiswert selbst hergestellt werden. Mit Griffverdickungen aus Heizungsrohrisolierungen oder einem Tennisball können Sie zum Beispiel Besteck, Werkzeug oder Stifte auf Ihre Bedürfnisse anpassen. Anleitungen dazu gibt es auch im Internet zum Beispiel hier. Gerade bei eingeschränkter Greiffunktion stellen Sie so in kürzester Zeit kostengünstige Helfer für Arbeit, Freizeit oder Beruf her. Die Ergotherapeutinnen Simone Stabentheiner und Katrin Frey zeigen hier im Rahmen der „Aktion Multiple Sklerose Erkrankter“ (AMSEL) Hilfsmittel, wie zum Beispiel eine selbstgebaute Sockenausziehhilfe vor, die MS-Betroffenen den Alltag erleichtern kann.


Referenzen und weiterführende Informationen:


http://www.behindertenbeauftragte.de/DE/Themen/GesundheitundPflege/Gesundheit/Zuzahlungen/Zuzahlungen_node.html

http://www.dmsg-nrw.de/index.php/news-recht/hilfsmittel-wann-zahlt-die-krankenkasse.html

http://www.myhandicap.de/hilfsmittel-behinderung/?gclid=Cj0KEQjw8u23BRCg6YnzmJmPqYgBEiQALf_XzY-YrOdkQptnt41OGvCdpoP5HYYiVpk-hYusACIujEEaAlCw8P8HAQ

http://www.rehadat-hilfsmittel.de/de/

https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hilfsmittel/hilfsmittelverzeichnis/hilfsmittelverzeichnis.jsp

http://www.eastin.eu/de-de/whatiseastin/index

http://www.ms-life.de/ms-wissen/recht-und-soziales/krankenkassenleistungen/

http://www.paradisi.de/Health_und_Ernaehrung/Erkrankungen/Multiple_Sklerose/Artikel/20046.php

 

 

 

 

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