MS News

Ich bin wieder da! - Teil I: Es geht los

07.09.2015

Eine MS-Patientin schildert ihre Reise auf dem Jakobsweg: Multiple Sklerose ist kein Beinbruch und der Jakobsweg ist kein Spaziergang.

Warum und wodurch ich auf die Idee gekommen bin, den Jakobsweg zu laufen, kann ich nicht mehr sagen. Der Entschluss kam gleichzeitig mit der Idee und die ist sicher nicht so ungewöhnlich. Dass die Idee trotzdem einiges Kopfschütteln hervorrief, hat damit zu tun, dass ich an Multipler Sklerose erkrankt bin und allein mit meiner siebenjährigen Hündin Cagna laufen wollte. Mein freundlicher Neurologe und meine Mutter waren übrigens die Einzigen, die mir wirklich abgeraten haben – alle anderen, denen ich meinen Plan offenbarte, zeigten ehrliches Interesse und mein Mann unterstützte mich von Anfang an – das tut gut:
Zwischen erster Idee und erstem „Wandertag“ lagen ca. 1,5 Jahre – also von einem spontanen Loslaufen kann nicht die Rede sein und ich denke, das ist auch gut so.

Die Ausrüstung ist fast komplett und es stapeln sich Reiseführer und Karten. Meine liebe Freundin Julia, die mit ihrer Familie vor einigen Jahren nach Atlanta/USA ausgewandert ist, wird für ein paar Tage nach Spanien kommen und mich auf einigen Etappen begleiten und mit uns meinen 50. Geburtstag feiern. Das wird schön!

19. Mai: Endlich geht es los. Der Bulli ist vollgepackt – Kleidung, Hundefutter, Sonnenschirm, Fahrrad, Wanderführer etc. Am frühen Morgen starten mein Mann, Hündin Cagna und ich Richtung Paris, wo wir die erste Zwischenübernachtung einlegen.

20. Mai: In Paris sind wir beide schon mehrfach gewesen, so dass wir dort kein großes Besichtigungsprogramm geplant haben, sondern am nächsten Morgen sehr früh Richtung Eiffelturm starten und dort einen Milchkaffee und ein Croissant genießen. Ein kurzer Spaziergang über das Marsfeld und schon geht es weiter Richtung Atlantik. In Arcachon legen wir den nächsten Zwischenstopp ein und wandern dort auf und über die Dune du Pilat, die größte Düne Europas – ein anstrengender Ausflug, der sich gelohnt hat!

21. Mai: Wir sind in Spanien! Genauer gesagt im Baskenland in Hondarribia nahe Irun. In einem kleinen, netten Hostel übernachten wir und freuen uns, dass auch Hündin Cagna dort willkommen ist. Sie versucht, mit dem hauseigenen Kater Freundschaft zu schließen, aber der hat kein wirkliches Interesse. Woher soll er auch wissen, dass unser Hund völlig vernarrt in Katzen ist. Am Abend genießen wir in verschiedenen Tapas-Bars die vielfältigen kleinen Köstlichkeiten, die unseren Hunger auch während der restlichen Reise oft stillen werden.

22. Mai: Am nächsten Morgen wache ich sehr früh auf - heute ist mein erster Wandertag!  Auf das Frühstück im Hotel verzichte ich, ich will los. Gegen 6.00 Uhr versuche ich, möglichst leise meinen Rucksack zu packen und breche auf. Mein Mann wird wach, aber ich hoffe, dass er nochmal einschläft. Fröhlich folge ich zum ersten Mal den gelben Pfeilen, die mich den Rest meiner Reise als Markierung für den Jakobsweg begleiten werden.

Die Fortsetzung dieser spannenden Lesegeschichte folgt in den nächsten MS-life Newslettern.

 

(Text und Bild Susanne S.)

 

 

 

 

ALL-GER-0156