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Ich bin wieder da! - Teil III: Hindernisse gemeinsam überwinden

05.10.2015

Eine MS-Patientin schildert ihre Reise auf dem Jakobsweg: Multiple Sklerose ist kein Beinbruch und der Jakobsweg ist kein Spaziergang.

Nach den Erfahrungen des ersten Wandertages bin ich jetzt besser organisiert, überflüssige Apps haben wir vom Handy deinstalliert, um den Stromverbrauch zu senken und ein Ersatzakku gehört von nun an immer in meinen Rucksack. Es ist doch ein gutes Gefühl, erreichbar zu sein und immer telefonieren zu können.

So ist die nächste Etappe Richtung Zarautz auch völlig entspannt und ich genieße die immer wieder traumhaften Ausblicke auf den Atlantik. Diese traumhaften Ausblicke sollen sich laut Pilgerführer am nächsten Tag noch steigern – jedoch ist es ein sehr wolkenverhangener, teils nebeliger Tag; die Sichtweite beträgt kaum 50 m. So muss ich meine Phantasie spielen lassen, wie es aussehen könnte.

Die nächste Tour führt mich zunächst auf schönen, einsamen Wegen durch einen Wald, munter bergauf und bergab auf leider wieder ziemlich lehmigen und rutschigen Pfaden. Aufmerksam lese ich die Etappenbeschreibung im Wanderführer – richtig, es geht ziemlich steil bergab, dann leicht bergauf, es folgt ein im Wald gelegenes Haus, dort soll man ein eisernes großes Gatter öffnen und dem Weg auf die Nationalstraße folgen.

Ich sehe von weitem schon das Gatter und freue mich, bald wieder den festen Boden der Straße, die oberhalb des Gatters zu sehen ist, unter den Füssen zu spüren. Nur leider habe ich die Rechnung ohne den Grundstücksbesitzer gemacht, der anscheinend keine Lust mehr auf Pilger an seinem Gatter hat. Jedenfalls ist das Gatter durch mehrere Ketten und Schlösser verriegelt. Ich suche einen Weg, um über das Tor und die angrenzende Mauer klettern zu können – alleine extrem schwierig, mit Hund unmöglich.

Ziemlich frustriert denke ich an das matschige Bergauf und Bergab und kehre notgedrungen um. Prompt laufe ich zwei Pilgern aus Schwarzafrika in die Arme, die mir wild gestikulierend zu verstehen geben, dass man durch das Gatter zur Straße gehen muss. Da muss ich schon wieder lachen und erkläre den beiden meine erfolglosen Versuche. Natürlich probieren sie es selbst und sind leider genauso erfolglos.

Gemeinsam beschließen wir, es mit Klettern zu versuchen und in diesem Augenblick kommt noch ein amerikanisches Pilgerpaar hinzu. Die haben die Misere schnell erkannt und so werfen wir zunächst alle Rucksäcke über die Mauer. Dann klettert einer der beiden Afrikaner hinüber, dann bin ich dran, um Cagna zu motivieren sich hinüber hieven zu lassen. Sie scheint zu spüren, dass jeglicher Widerstand zwecklos wäre und schwebt, ohne zu zicken, über die Mauer. Auch die anderen drei haben mit vereinten Kräften das Hindernis bald überwunden. Bevor ich mich bedanken kann, sind alle schon auf dem Weg verstreut und ich kann endlich herzlich über diese skurrile Situation lachen. An der Straße lädt ein Café zu einer Pause ein und ich belohne Cagna ausführlich mit Streicheleinheiten und Leckerlis.

Die Fortsetzung dieser spannenden Lesegeschichte folgt in den nächsten MS-life Newslettern. 

(Text Susanne S.)

 

 

 

 

 

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