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Ich bin wieder da! – Teil V: Besuch aus den USA und ein schöner Tag

02.11.2015

Eine MS-Patientin schildert ihre Reise auf dem Jakobsweg: Multiple Sklerose ist kein Beinbruch und der Jakobsweg ist kein Spaziergang.

Die nächsten Tage verlaufen angenehm unspektakulär und ich komme besser als erwartet voran. Wir korrespondieren viel mit Julia in den USA, die eigentlich nach Bilbao kommen wollte, um von dort aus eine Woche mit mir zu pilgern. Da wir jetzt schon ein Stück weiter sind als gedacht, versucht sie nun, zum nächstgelegenen Flughafen in Santander zu fliegen. Nach einigen Querelen mit den Beamten in den USA wegen ihres zu gebraucht aussehenden Reisepasses, bekommt Julia in den USA ein neues Dokument ausgestellt und wir können zum Flughafen fahren, um sie abzuholen. Ich freue mich riesig, ein Stück mit ihr zusammen zu gehen.

Unsere erste gemeinsame Etappe führt uns einige Kilometer am Strand entlang (offizieller Weg). Das ist ein wirklicher Pilgerhochgenuss! Menschen in Wanderkleidung und mit Rucksäcken scheinen an diesem Strand nichts Besonderes zu sein. Die Badegäste rufen uns höchstens ein „Buen Camino“ hinterher – nur meine Hündin Cagna mit ihrer Pilgermuschel am Geschirr erregt wohlwollendes Aufsehen.

Am Abend werden wir in Escalante hervorragend bekocht. Es ist nicht viel los und der Koch hat Zeit, sich mit uns zu unterhalten. Er kennt den Herbergsvater in Güemes – von dem haben wir auch schon gelesen. Scheint ein sehr interessanter Mensch zu sein – wir lernen ihn nicht kennen, da wir nicht in der Herberge übernachten (keine Hunde erlaubt), sondern in einer sogenannten Casa Rural auf dem Land. Allerdings sind hier im Haus auch keine Hunde erlaubt. Da es keine Alternative in dem Ort oder in der Nähe gibt, muss Cagna eine (die einzige) Nacht im Bulli schlafen. Anfangs macht sie Theater und ist überhaupt nicht einverstanden. Ich bereite mich darauf vor, auch im Bulli zu schlafen, damit Cagna Ruhe gibt. Ich schleiche mich im Dunklen an den Bulli und siehe da, Cagna schläft tief und fest – erleichtert krabbele ich in mein Bett.

Am Tag vor meinem 50. Geburtstag treffen wir auf eine kleine Gruppe Pilger, die eine Pause am wieder einmal traumhaften Strand einlegen wollen. Julia und ich müssen nicht lange überlegen und so gehen wir mit Nicole aus Deutschland, Diego aus Argentinien und Bob und Steve (Vater und Sohn) aus Nebraska, USA, runter zum Strand und verbringen einen großen Teil des Nachmittags mit Erzählen, Baden und Muscheln Suchen. Cagna ist glücklich und unsere amerikanischen Mitpilger wollen ihre Wasservorräte mit ihr teilen, natürlich hat Cagna ihren eigenen Vorrat in meinem Rucksack.

Schließlich laufen wir weiter und unsere neuen Freunde machen sich auf zur Herberge nach Santander. Julia und ich suchen und finden Erhard und die Unterkunft in Langre für heute und morgen Nacht. Wir gehen abends aus und feiern in meinen Geburtstag rein – uns geht´s gut!

Die Fortsetzung dieser spannenden Lesegeschichte folgt in den nächsten MS-life Newslettern.

 

Bild: Hündin „Cagna“ ist der Star auf dem Camino.

(Text und Bild Susanne S.)

 

 

 

 

 

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