MS News

Ich bin wieder da! – Teil VIII

21.12.2015

Eine MS-Patientin schildert ihre Reise auf dem Jakobsweg: Multiple Sklerose ist kein Beinbruch und der Jakobsweg ist kein Spaziergang.

Heute erkunden wir Llanes und meine Freundin Julia und ich gehen noch etwas shoppen. Eine hübsche Bluse passt noch ins Gepäck. In Llanes treffen wir auch Heidi aus Sachsen wieder. Sie ist tieftraurig, denn sie hat ihre Brille verloren und kann nun die Etappenbeschreibungen in ihrem Wanderführer nicht mehr lesen. Mein Mann Erhard zögert nicht lange und schenkt Heidi seine Lesebrille, sie ist überglücklich und sehr dankbar.

Die nächste Etappe führt uns laut Pilgerführer wieder einige Kilometer am Strand entlang. Wir freuen uns schon darauf. Auf dem Weg dahin müssen wir etwas unwegsames Gelände mit Mühe durchqueren. Die schmale Betonpiste überquert ein Flussbecken. In der Mitte fehlt ein Stückchen – eigentlich kein Problem, die Lücke ist maximal 80 cm breit. Irgendwie überkommt mich aber plötzlich so etwas wie Panik. Meine Hündin Cagna überquert die Lücke problemlos – Julia auch. Ich fühle mich sehr unsicher und bin dankbar, dass Julia mir ihre Hand reicht. So gestärkt komme auch ich gut hinüber und bald erreichen wir den weichsandigen, breiten Sandstrand. Eine junge Frau macht ein hübsches Strandfoto von uns und hat viel Spaß an dem „perro peregrino“, dem Pilgerhund.

Auch für die heutige Übernachtung haben wir wieder eine schöne Ferienwohnung gebucht. Da wir Schwierigkeiten haben, das Haus in Villahormes zu finden, rufen wir den Vermieter an. Die Unterhaltung gestaltet sich schwierig, der Gastgeber José spricht so schlecht Englisch wie ich Spanisch. Schließlich sage ich ihm, wir würden mit einem blauen Auto vor einem blauen Haus an der Hauptstraße stehen. Offenbar gibt es nur eine „Casa azul“ (blaues Haus), jedenfalls weiß er wovon ich rede, holt uns dort ab und fährt voraus zu unserer schönen Unterkunft. Wir richten uns ein und kochen wieder selbst. Der Sohn des Besitzers übersetzt für seinen Vater – wieder ein sehr netter Gastgeber, der sich auch für Leute wie uns, die nur zwei Nächte bleiben, sehr viel Mühe gibt. Cagna bekommt vom Sohn noch einen Ball geschenkt, mit dem sie die nächsten Stunden begeistert spielt – trotz der langen Wanderung.

Dann heißt es Abschied nehmen: Leider muss Julia heute weiterreisen. Es war so schön, endlich mal wieder viel Zeit mit der ausgewanderten Freundin zu verbringen. Erhard, Cagna und ich fahren zurück zum Flughafen nach Bilbao und uns wird die gemeinsam zurückgelegte Distanz bewusst. Das macht uns schon ein bisschen stolz.

Die Fortsetzung dieser spannenden Lesegeschichte folgt in den nächsten MS-life Newslettern.

(Text Susanne S.)

 

 

 

 

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