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Impfschutz und MS: Passt das zusammen?

12.06.2017

Wer von einer chronischen Erkrankung wie der MS betroffen ist, ist mitunter unsicher, wenn es um Impfungen geht. Einige befürchten, dass eine Impfung den Organismus überanstrengen könnte. Dabei sollten gerade Menschen mit einer Immunerkrankung die aktuellen Impfempfehlungen (z. B. die Grippeschutzimpfung) ernstnehmen, um Infektionen zu vermeiden. Denn innerhalb von 2 bis 5 Wochen nach einem Infekt ist die Gefahr eines Schubes um das Dreifache erhöht. Patienten mit Multipler Sklerose können die meisten Impfungen erhalten und sollten sich entschlossen um ihren Impfschutz kümmern. Auf jeden Fall sollte die Entscheidung immer individuell mit dem behandelndem Arzt getroffen werden.

Entsprechend nationaler und internationaler Empfehlungen, etwa von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, sollten Patienten mit MS die empfohlenen Impfungen mit Totimpfstoffen erhalten. Diese enthalten vollständig inaktivierte Erreger oder deren Bestandteile. Dazu gehören z. B. die Impfungen gegen:

• Diphtherie
• Tetanus
• Poliomyelitis
• Keuchhusten
• Hepatitis A und Hepatitis B
• Grippeimpfung
• Zeckenimpfung (FSME, Frühsommer-Meningoenzephalitis)
• Typhus und Tollwut (für Jugendliche, Reisende und medizinisches Personal)

Nach einer Impfung mit einem Totimpfstoff besteht in der Regel kein erhöhtes Risiko für einen MS-Schub. So gelten für MS-Patienten, was Impfungen mit Totimpfstoffen angeht, die üblichen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Anders verhält es sich dagegen bei Lebendimpfstoffen. Sie bestehen aus abgeschwächten, aber noch lebenden Erregern. Hier ist nicht auszuschließen, dass  die Impfung einen Schub auslösen kann. Die wichtigsten Lebendimpfstoffe sind die gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Gelbfieber, Typhus (Schluckimpfung) und Tuberkulose.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenza-Impfung als vorbeugende Maßnahme gegen Grippe explizit für alle MS-Patienten und insbesondere für Betroffene, bei denen den MS-Schüben virale Infekte nachweislich vorangehen. Aktuelle Informationen zu Impfungen sowie die Empfehlungen der STIKO gibt es unter www.rki.de beim Robert-Koch-Institut.

Impfungen vor einer Auslandsreise
Einige Länder – auch viele beliebte Reiseziele im Ausland – schreiben Impfungen zur Einreise vor. Reisende sollten rechtzeitig an Vorkehrungen denken, damit genügend Zeit bleibt, alle notwendigen Impfungen vornehmen zu lassen. Ebenso sollte ausreichend Zeit einkalkuliert werden, damit der Arzt gegebenenfalls den Impferfolg überprüfen und bei Bedarf nachimpfen kann. Kurzfristige Last-Minute-Reisen in tropische Länder sind aus diesem Grund nicht empfehlenswert.
Welcher Impfschutz im geplanten Urlaubsland Pflicht ist oder empfohlen wird, erfährt man beim Auswärtigen Amt. Auf deren Website (www.auswaertiges-amt.de) sind unter „Außen- und Europapolitik“ im Menüpunkt „Länderinformationen“ zu jedem Land die entsprechenden Einreisebestimmungen (unter „Reise- und Sicherheitsbestimmungen“) zu finden.

Vor Planung einer Tropenreise oder einer Reise in südafrikanische Länder sollte auch an die Malaria-Prophylaxe gedacht werden. Nach wie vor gibt es keine Schutzimpfung gegen Malaria. Ein sogenanntes „Stand-by-Präparat“ kann die Infektionsrate senken. Wechselwirkungen mit MS-Medikamenten sind in der Regel nicht zu erwarten. Sicherheitshalber sollte man aber den behandelnden Arzt dazu fragen.

Wann man von Impfungen absehen sollte
Grundsätzlich sollten Impfungen nicht bei akuten Schüben und während einer Behandlung mit Kortison durchgeführt werden. Zwischen einer Kortisonbehandlung und einer Impfung sollte ein Abstand von mindestens drei Wochen liegen.

Bei Patienten, die eine immunsuppressive Therapie erhalten, sind Lebendimpfstoffe weniger geeignet. Diese Patienten können unter Umständen von der Impfpflicht befreit werden. Damit bei der Einreise keine Schwierigkeiten entstehen, sollte der Arzt für diesen Fall eine schriftliche Erklärung ausstellen.

Zeitweise kursierte das Gerücht, dass Impfungen, insbesondere die Hepatitis-B-Impfung, MS auslösen oder ihren Verlauf verschlechtern könnte. Mehrere epidemiologische Studien zeigen allerdings, dass eine Impfung kein erhöhtes Risiko für MS-Patienten darstellt.

 

 

 

 

 

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