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Körperliche Mobilität für MS-Patienten

25.10.2016

Mobilität beschreibt im Allgemeinen die Fähigkeit, sich bewegen zu können und nicht an einen einzigen Ort gebunden zu sein. Ein Thema, das für viele MS-Patienten ein grundlegendes Thema im Alltag, aber auch im Beruf ist.

Mobilität bestimmt den Alltag eines jeden Menschen. Wir müssen mobil sein, um unseren Einkauf zu erledigen, die täglichen Aufgaben zu erfüllen und aktiv am sozialen Geschehen teilnehmen zu können. Der Begriff Mobilität beschreibt zunächst einmal die Bewegungsfähigkeit des Menschen. Sich bewegen zu können, hat existenzielle Bedeutung für Körper und Geist, denn der Grad der Bewegungsfähigkeit beeinflusst zu einem nicht unerheblichen Maß die eigene Lebensqualität. Unter den Begriff Mobilität fällt nicht nur die Fähigkeit des Gehens. Auch die Fähigkeit, Dinge anzuheben oder zu tragen, ist wichtiger „mobiler“ Bestandteil des alltäglichen Lebens. Bei jeder körperlichen Einschränkung, die das alltägliche Leben direkt betrifft, kann die Lebensqualität sinken. Daher ist es sinnvoll und wichtig, bereits früh auf seinen Körper zu hören und immer in Bewegung zu bleiben.

MS kann die Mobilität auf unterschiedlichste Weise beeinflussen. So können zum Beispiel Symptome wie Gefühlsstörungen, Gleichgewichtsprobleme, Lähmungen oder Spastiken auftreten, die die Bewegungsfähigkeit unmittelbar beeinflussen. Durch gezieltes Training können die Symptome unter Umständen gelindert werden und die Mobilität dauerhaft erhalten bleiben. Therapeutisch kommen hier in erster Linie Krankengymnastik oder Ergotherapie infrage. Aber auch jeder Einzelne kann im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas für sich und seinen Körper tun. Neben Spaziergängen können Sportarten wie Jogging, Schwimmen oder Walking für einige MS-Patienten sinnvoll sein. Auch der Gang ins nahegelegene Fitnessstudio wird von vielen MS-Patienten als wohltuend empfunden. Dort können Sie gemeinsam mit einem persönlichen Trainer ein individuelles Fitnessprogramm erarbeiten und dieses regelmäßig durchführen. Vielen Menschen fällt es jedoch oftmals schwer, ein sportliches Trainingsprogramm dauerhaft umzusetzen. Der gewünschte Effekt einer verbesserten Mobilität oder Kondition stellt sich aber nur dann ein, wenn Sie regelmäßig Sport betreiben. Ein neuer Fitnesstrend, die elektrische Muskelstimulation (EMS), verspricht nun schnelle Erfolge in Bezug auf Kraft und Kondition. Aber kommt eine EMS auch bei MS infrage?

Die Versprechen der Anbieter der EMS hören sich zu gut an, um wahr zu sein. Sie versprechen maximalen Muskelaufbau bei minimaler körperlichen Anstrengung. Hierdurch sollen die Kraft gesteigert, die Kondition verbessert und die Fettverbrennung angekurbelt werden. Die Methode funktioniert, indem Elektroden an den zu trainierenden Muskeln angebracht werden. Die Elektroden sind in der Regel in die entsprechende Funktionskleidung eingenäht und regen durch ein niedriges elektrisches Potenzial die entsprechenden Muskeln zur Kontraktion an. Dadurch, so die Hersteller und Anbieter, sollen die natürliche Bewegung imitiert und die entsprechenden Muskelpartien gestärkt werden. Die Muskeln sollen dann, in Folge der elektrischen Stimulation, wachsen und die Kraft damit gesteigert werden. Durch diese Erhöhung der Muskelmasse verbrennt der Körper mehr Energie, was wiederum die Fettverbrennung anregt. Soweit die Theorie ...

In der Kritik steht das EMS-Training, da es keinen nachweislichen Beitrag zur Steigerung der Kondition des Anwenders leistet. Hingegen wirkt sich eine mäßige körperliche Belastung, zum Beispiel zwei bis drei Mal Joggen, gesundheitsfördernd und ausdauersteigernd aus. So wird die Durchblutung verbessert und es kann Herzerkrankungen vorgebeugt werden. Eben dieser Effekt, der durch die regelmäßige körperliche Anstrengung ausgelöst wird, kann durch ein statisches Training, also die pure Stimulation von Muskeln mittels EMS, nicht gewährleistet werden. Daher bieten viele Fitnessstudios mittlerweile eine Kombination aus EMS und klassischen Fitnessübungen an, um die Kondition und den Muskelaufbau gleichermaßen zu unterstützen.

Ist die Anwendung der EMS sinnvoll für MS-Patienten? Hierauf lässt sich leider nur ein ganz klares „Jein“ erwidern. Die EMS kann sinnvoll sein, wenn zum Beispiel Muskelmasse aufgrund von Lähmungen zurückgebildet wurde. Jedoch kann die elektrische Stimulation des Muskels eine Lähmung oder eine Spastik nicht therapieren. Hier ist vielmehr ein gezieltes medizinisches Training wichtig, um einen möglichst natürlichen Bewegungsablauf gewährleisten zu können. In erster Linie hilft bei einer bestehenden Spastik, Lähmung oder Sensibilitätsstörung eine physiotherapeutische Anwendung. Das EMS-Training hat seinen Ursprung in der Physiotherapie. Angewendet wird es in diesem Bereich in erster Linie dann, wenn ein schneller Muskelaufbau, beispielsweise nach einer Verletzung, notwendig wird. Im Zuge einer neurologischen Erkrankung wie der MS ist bisher kein Behandlungserfolg belegbar. Außerdem sollten Personen mit Herzproblemen oder auch Personen mit Epilepsie auf jeden Fall vor der Durchführung des EMS-Trainings Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten.

MS-Patienten, die sich fit halten und etwas Neues ausprobieren möchten, sollten EMS-Training in einem Fitnessstudio ihres Vertrauens oder in einer Physiotherapie-Praxis durchführen. Achten Sie dabei auf ein ausführliches Vorgespräch und eine verantwortungsvolle Trainingsbegleitung. Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie diese Art von Training durchführen sollten, dann sprechen Sie vorab mit Ihrem behandelnden Neurologen.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

http://www.ems-training.de/magazin/article/ganzkoerper-ems-in-der-therapie (Stand 07.09.2016)

Schwitzen unter Strom, Stern 08 2016, http://www.stern.de/gesundheit/fitness/sportarten/ems---elektrische-muskelstimulation-schwitzen-unter-strom-3524208.html (Stand 07.09.2016)

J. Gutmann, EMS: Fit durch elektrische Muskelstimulation?, Apothekenumschau 15.08.2016, http://www.apotheken-umschau.de/Sport/EMS-Fit-durch-elektrische-Muskelstimulation-218835.html (Stand 07.09.2016)

D. Friedrich, Multiple Sklerose und Sport-Immer in Bewegung, TRIAS-Verlag, 2011

 

 

 

 

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