MS News

Laborwerte einfach erklärt

06.03.2017

MS ist eine höchst komplexe Erkrankung, da sie eine Vielzahl unterschiedlichster Beschwerden auslösen kann. Im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen gibt es kein typisches Kriterium, das ausschließlich bei MS vorkommt. In vielen Fällen können die Beschwerden auch bei anderen Erkrankungen, beispielsweise bei Durchblutungsstörungen im Gehirn, auftreten und somit die Diagnose erschweren. Daher setzen sich die notwendigen Untersuchungen nach klar definierten klinischen Kriterien aus mehreren Bausteinen zusammen.

Mitunter kann es sehr lange dauern, bis ein eindeutiger Befund für das Vorliegen einer MS feststeht. Einen Teil des umfangreichen Untersuchungsspektrums stellt die Labordiagnostik dar, denn eine zügige Diagnosestellung bei einem Verdacht auf MS ist wichtig, um möglichst früh eine entsprechende Therapie einleiten zu können. Neben neurologischen Untersuchungen und unterstützenden, bildgebenden Verfahren (u. a. MRT), ist die Laboruntersuchung von Blutproben ein weiterer Baustein der MS-Diagnostik. Doch was genau wird im Labor untersucht und was sagen die Werte aus?

Bisher gibt es leider noch keinen Bluttest oder etwa einen spezifischen Biomarker, durch den die MS direkt nachweisbar wäre. Mit den Laboruntersuchungen auf spezifische Parameter im Blut sollen in erster Linie andere Krankheiten als mögliche Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden. Einer der getesteten Parameter ist das C-reaktive Protein (CRP). CRP ist ein Eiweiß, das bei einer akuten Entzündung im Körper vermehrt ins Blut abgegeben wird und das Immunsystem auf unterschiedliche Weise unterstützt. Der Anstieg des Wertes gibt einen ersten Hinweis auf Entzündungen oder einen Infekt im Körper. Für gesunde Erwachsene und Kinder gilt ein Referenzwert von < 10 mg/l.

Weitere Bestandteile der Labordiagnostik sind zum einen das große Blutbild und zum anderen die Serumchemie. Das große Blutbild, auch Differenzialblutbild genannt, gibt Auskunft über die Anzahl und Beschaffenheit verschiedener Zellen (u. a. Monozyten, Lymphozyten, Granulozyten) im Blut. Erhöhte, aber auch zu niedrige Werte können auf bestimmte Erkrankungen, beispielsweise einer Infektion, hinweisen. Die Serumchemie dagegen bestimmt u. a. die im Blut gelösten Bestandteile wie Natrium, Kalzium, Magnesium, Chlorid sowie Glukose, Vitamine (u.a. Vitamin B12) und bestimmte Fettsäuren. Reduzierte Kalziumwerte können beispielsweise auf einen Vitamin-D-Mangel oder eine Niereninsuffizienz (Nierenversagen) hindeuten.

Des Weiteren werden die Blutproben auf das Vorhandensein von Rheumafaktoren, Antinukleärer Antikörper (ANA) sowie auf Antiphospholipid Antikörper (APA) analysiert. Rheumafaktoren sind Antikörper, die bei rheumatischen Erkrankungen vermehrt auftreten. Sie richten sich gegen körpereigene Abwehrstoffe (sog. Immunglobuline) und werden daher als Autoantikörper bezeichnet. Erhöhte Werte geben einen Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung. ANA ist eine besondere Form von Autoantikörpern, die sich gegen körpereigene Zellkerne richten und besonders bei Autoimmunerkrankungen im Blut auftreten. Allerdings sind erhöhte Werte des Faktors kein endgültiger Beweis für das Vorliegen einer Autoimmunerkrankung. APAs sind Abwehrstoffe, die durch eine krankheitsbedingte Fehlsteuerung des Immunsystems entstehen und sich gegen körpereigene Substanzen, hauptsächlich Phospholipide, richten. Erhöhte APA-Werte liefern einen zusätzlichen Hinweis auf das Vorhandensein einer möglichen Autoimmunerkrankung, rheumatischer Beschwerden, aber auch auf Infekte.

Darüber hinaus werden die Blutproben routinemäßig auch auf Borrelien, einem bakteriellen Erreger, der hauptsächlich durch Zeckenbisse übertragen wird, serologisch getestet. Borrelien sind der Auslöser der Borreliose, einer Erkrankung, bei der u. a. das Nervensystem angegriffen wird und die zu vergleichbaren Symptomen wie bei der MS führt. Ein weiteres Verfahren, eine Borreliose zu diagnostizieren, ist die Untersuchung des Liquors (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit). Diese Methode findet Anwendung, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Neuro-Borreliose (Befall des zentralen Nervensystems) besteht. Darüber hinaus lassen sich im Liquor sogenannte oligoklonale Banden als Folge einer gesteigerten Antikörper-Produktion nachweisen. Die Suche nach diesen ist bei über 95 Prozent der MS-Patienten mit nachweislichen neurologischen Ausfällen erfolgreich. Seltener gelingt jedoch der Nachweis beim erstmaligen Auftreten der Erkrankung. Allerdings ist auch das Vorliegen dieser Banden kein endgültiger Beweis für MS, da sie auch bei anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen des Zentralnervensystems auftreten können.

Faktenbox:

Die Borreliose (Lyme-Borreliose, Lyme-Krankheit, Lyme Disease) ist eine Erkrankung, die durch eine Infektion mit Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (Borrelien) verursacht wird. Diese werden durch Zeckenbisse auf den Menschen übertragen. Die Krankheit kann verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke.

MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) ist ein bildgebendes Verfahren, das in der medizinischen Diagnostik der Visualisierung von Struktur und Funktion der inneren Organe und Gewebe des Körpers dient. Mit der MRT-Technik können Schnittbilder des Körpers erzeugt werden, die eine Beurteilung der Organe und krankhafter Veränderungen dieser ermöglicht.

Der Begriff oligoklonalen Banden spielt in der Liquor-Diagnostik eine Rolle. Wenn sich im Liquor im Vergleich zum Blut vermehrte Banden bestimmter Immunglobuline (IgG) zeigen, deutet dies auf eine Immunglobulinsynthese im zentralen Nervensystem hin, welches wiederum ein Indiz für einen dort stattfindenden Entzündungsprozess sein kann.

 

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

Leitlinie „Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose“, Deutsche Gesellschaft für Neurologie; http://www.dgn.org/leitlinien/2333-ll-31-2012-diagnose-und-therapie-der-multiplen-skleros (Zugriff: 14.12.2016)

„Laborlexikon, Facharztwissen für alle“ – e-Journal für Labormedizin, http://www.laborlexikon.de/index.html (Zugriff: 14.12.2016)

Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose“, http://www.borreliose-gesellschaft.de/de/Leitlinien (Zugriff: 14.12.2016)

 

 

 

 

ALL-GER-0691