MS News

Masernimpfung bei MS?

22.06.2015

Masern sind eine durch ein Virus hervorgerufene, hochansteckende Infektionskrankheit. Diese betrifft vor allem Kinder und äußert sich typischerweise meist in juckenden roten Hautflecken und Fieber. Durch die virale Schwächung des allgemeinen Gesundheitszustands kann sie zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie beispielsweise Lungen- oder Hirnhautentzündung führen. Eine Spätkomplikation, die durch eine Maserninfektion auftreten kann, ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis, die durch eine Demyelinisierung der Nervenzellen schwere Schäden nach sich ziehen kann. In Deutschland ist das Auftreten einer Maserninfektion seit 2001 beim Gesundheitsamt meldepflichtig.

Generell wird eine Masernimpfung von der ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts auf Grund der möglichen Komplikation empfohlen. Nach dem Impfkalender ist eine Kombinationsimpfung für Masern-Mumps-Röteln (MMR) zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat und eine zweite Impfung im Alter von 15 – 23 Monaten vorgesehen.

In Folge der Ausbrüche von Maserninfektionen in letzter Zeit in Deutschland fragen sich einige MS-Betroffene, ob Auffrischungsimpfungen bei Multipler Sklerose notwendig und überhaupt ratsam sind. Es wurde sogar vermutet, dass die Impfung Schübe auslösen könnte oder womöglich der Virus die MS verursachen kann. Ein Zusammenhang mit der Impfung und Schubauslösung konnte bis heute nicht wissenschaftlich belegt werden. Auch ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einer Maserninfektion und der Entstehung einer MS besteht nach heutigem Wissensstand nicht. Allerdings kann eine Maserninfektion Schübe oder Pseudo-Schübe hervorrufen.

Masernimpfung für MS-Patienten?

Die Masernimpfung wird meist als Kombinationsimpfstoff eingesetzt, kann aber auch als Einzelimpfstoff gegeben werden. Bei der Masernimpfung handelt es sich um einen abgeschwächten Lebendimpfstoff. Kontraindikationen für eine Impfung sind unter anderem akute Infekte, HIV-positive und andere immungeschwächte Patienten. Für MS-Patienten unter einer immunmodulierenden Therapie wird die Masernimpfung, wie andere Lebendimpfungen auch, nicht empfohlen. MS-Patienten, die mit immunmodulierenden Basistherapien behandelt werden, sollten nach Möglichkeit auf passive Immunisierungen zurückgreifen.

Insgesamt sind zwei Impfungen nötig, um einen konstanten Schutz zu erreichen. Wer also in seinem Impfpass nur eine oder gar keine Impfung verzeichnet findet, sollte überprüfen, ob eine Maserninfektion bereits stattgefunden hat. Dies kann mittels eines Bluttests überprüft werden. Sofern keine immunmodulierenden Therapie angewendet wird, sollte diese Impfung nachgeholt werden. Bei der Anwendung einer immunmodulierenden Therapie kann das Risiko einer Maserninfektion jedoch durch einen vollständigen Impfschutz des persönlichen Umfelds verringert werden. Im Fall einer akuten Masernexposition kann bei nicht ausreichend geschützten MS-Patienten schnellstmöglich (innerhalb von 2 – 6 Tagen) eine „passive“ Immunisierung mit Human Immunglobulin erfolgen.

Referenzen:

http://www.amsel.de/dokumentearchiv/dmsgstellungnahme_masernimpfung.pdf

STIKO-Empfehlungen; Stellungnahme des DMSG-Bundesverbandes 01/2015

 

 

 

 

 

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