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Mit MS auf Reisen

26.04.2016

Ganz gleich, ob Sie mit der Familie in den Sommerurlaub fahren, mit Freunden einen Städtetrip planen oder zur beruflichen Weiterbildung einen längeren Weg auf sich nehmen müssen – gerade für MS-Patienten gibt es vor und während der Reise einige Dinge zu beachten, damit einer entspannten Zeit nichts im Wege steht.

Eine gute Reiseplanung ist gerade im Vorfeld von Auslandsaufenthalten unerlässlich. Ist man zusätzlich noch auf Medikamente und ärztliche Betreuung am Urlaubsort angewiesen, steckt der Teufel oft im Detail und Spontanität ist nicht immer der optimale Reisebegleiter. Zunächst einmal sollten Sie sich informieren, ob die Anreise mit dem PKW, Zug oder Flugzeug abläuft. Diese Frage ist insbesondere dann wichtig, wenn Sie von einer körperlichen Einschränkung betroffen sind. In einem solchen Fall sollten Sie vorab mit der Fluggesellschaft oder der Bahn abklären, ob ein barrierefreier Zugang zum Transportmittel gegeben ist und wie beispielsweise Ihr Rollstuhl während der Anreise transportiert werden kann. Fluggesellschaften bieten für gewöhnlich während des Fluges Leihrollstühle an, während der eigene Rollstuhl, der vor Reiseantritt bei der Fluggesellschaft angemeldet werden sollte, im Frachtraum des Flugzeugs mitreist. Sie sollten sich vor Antritt der Reise unbedingt über Ihren Versicherungsschutz informieren. Oft ist es sinnvoll, eine zusätzliche Reisekrankenversicherung für Auslandsaufenthalte abschließen, denn der Versicherungsschutz der privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung gilt nicht automatisch und im gleichen Umfang bei Auslandsaufenthalten. Um sicher zu gehen, informieren Sie sich bei Ihrem Versicherer oder bei unabhängigen Preisvergleichsseiten im Internet, wie z. B. www.check24.de oder www.reiseversicherung.com.

Generell ist dem Reiseziel durch die MS keine Grenze gesetzt. Jedoch können Fragen nach den klimatischen Verhältnissen, insbesondere bei einem Fernreiseziel, sinnvoll sein, falls Sie unter dem sogenannten Uhthoff-Phänomen (siehe Faktenbox) leiden sollten. Bei der Abwägung eines Reiseziels sollten Sie nicht zuletzt auf Ihre „innere Stimme“ hören. Fragen Sie sich z. B.: Welchen Anstrengungen der Anreise bin ich gewachsen und sind die klimatischen Bedingungen am Zielort angenehm für mich?

Zu den Bedingungen am Zielort zählen neben den klimatischen Verhältnissen auch empfohlene Impfungen. Entsprechende Reiseempfehlungen erhalten Sie stets aktuell auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes. Wenn Sie beispielsweise einen Urlaub in einem von Malaria betroffenen Gebiet planen, ist es sinnvoll, vorab mit Ihrem behandelnden Neurologen die Möglichkeit der Malariaprophylaxe zu besprechen. Stellen Sie folgende Fragen: Sind Wechselwirkungen zwischen der Malariaprophylaxe und meinem MS-Medikament zu erwarten? Ihr Arzt kann Ihnen eine Empfehlung geben, ob eine Prophylaxe in Ihrem Fall, möglicherweise in Kombination mit Ihrer Basistherapie, anzuraten ist.

Mit Medikamenten auf Reise

Handelt es sich um einen längeren Auslandsaufenthalt und Sie nehmen regelmäßig Medikamente ein, sollten Sie sich vorab über die Herstellerfirma informieren, ob das von Ihnen verwendete Medikament in dem entsprechenden Land verfügbar ist. Zudem sollten Sie mit Ihrer Krankenkasse abklären, ob die Kosten für das Medikament auch im Ausland übernommen werden. In einem solchen Fall könnte es auch nützlich sein, vor Reiseantritt bereits abzuklären, wo eine Klinik oder niedergelassene Neurologen in der Nähe zur Verfügung stehen.

Möchten Sie Medikamente auf die Reise mitnehmen, sollten Sie darauf achten, dass diese auch während der Anreise entsprechend der Herstellerangaben gelagert werden müssen. Handelt es sich beispielsweise um ein kühlpflichtiges Produkt, muss die Kühlung auch während der Reise gewährleistet sein. Sie können die Kühlung während der Anreise beispielsweise durch die Nutzung von Kühltaschen sicherstellen, die Sie in der Regel über die Herstellerfirma oder das MS Service-Center beziehen können. Übersteigt die Anreisezeit die gewährleistete Kühldauer der Kühltaschen, könnte eine frühzeitige Rücksprache mit dem zuständigen Reisedienstleister hilfreich sein, der die Kühlung Ihrer Medikamente durch Kühlgeräte an Bord übernehmen kann.

Falls Sie Ihre Medikamente auf eine Reise mit Grenzübertritt mitnehmen möchten, sollten Sie zusätzlich daran denken, eine Zollbescheinigung bzw. ein Schreiben Ihres behandelnden Neurologen mitzuführen (eventuell in Landessprache oder Englisch), das begründet, warum Sie Medikamente mit sich führen. Falls es sich um einen längeren Aufenthalt im Ausland handelt, sollte zudem die Freigrenze für die Einfuhr verschreibungspflichtiger Medikamente beachtet werden, damit es nicht zu unnötigen Problemen kommt.

 

Faktenbox

Uhthoff-Phänomen: Das nach einem Mediziner benannte Uhthoff-Phänomen ist auf die Verschlechterung der Leitfähigkeit der Nervenzellen, bedingt durch eine Erhöhung der Körpertemperatur, zurückzuführen. Eine Erhöhung der Körpertemperatur kann dabei entweder durch die erhöhte Umgebungstemperatur, durch Sport oder aber auch durch Fieber hervorgerufen werden. Die Verschlechterung der Symptomatik, die sich beispielsweise in einer allgemeinen Müdigkeit oder der Verschlechterung der Gehfähigkeit oder Spastiken äußern kann, wird auch als Scheinschub bezeichnet und ist normalerweise vollständig reversibel (umkehrbar), sobald die Körpertemperatur wieder den Normalwert erreicht.

 

Referenzen und weiterführende Links:


Frohman T.C., Davis S.L., Beh S., Greenberg B.M., Remington G., Frohman E.M., Uhthoff's phenomena in MS--clinical features and pathophysiology, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Uhthoff's+phenomena+in+MS--clinical+features+and+pathophysiology.%2C (Stand 16.03.2016).

http://www.zoll.de/DE/Privatpersonen/Reisen/Reisen-innerhalb-der-EU/Einschraenkungen/Arznei-Betaeubungsmittel/arznei-betaeubungsmittel_node.html

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/FAQ/Reisehinweise/04-Medikamente.html?nn=383016

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=47202

 

 

 

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