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MS – die größten Irrtümer

12.06.2017

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Erkrankung des Nervensystems mit vielen Facetten. Allgemeingültige Angaben über Symptome, Verlauf und Ausprägung der Krankheit zu treffen, ist selbst für Experten schwierig. Und auch, warum das Immunsystem „verrücktspielt“ konnte noch nicht eindeutig geklärt werden.

Allgemein existieren heute immer noch viele Missverständnisse rund um die MS, die den Umgang mit der Erkrankung nicht einfacher machen. Im Folgenden möchten wir etwas mehr Klarheit schaffen und mit den größten Irrtümern aufräumen.

Irrtum 1: MS-Patienten leiden an Muskelschwund!

Ein Irrtum, der schon sehr lange Zeit Bestand hat. Wahrscheinlich rührt er von einem Unwissen der Krankheit gegenüber, so dass die Abkürzung „MS“ mit Muskelschwund gleichgesetzt wird. Einen Muskelschwund oder auch Muskeldystrophie gibt es zwar auch, aber dieser hat nichts mit einer Multiplen Sklerose zu tun. Muskelschwund ist eine degenerative Erkrankung der Muskeln, bei der es zum Verlust der Muskelkraft kommt. Multiple Sklerose hingegen ist eine chronisch entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark, in deren Verlauf es zu vorrübergehenden oder dauerhaften Muskelschwächen kommen kann. Die Ursache hierfür liegt allerdings in der Schädigung jener Nerven, die den Muskel ansteuern und nicht in einer Schädigung der Muskeln.

Irrtum 2: Der Verlauf der Erkrankung ist immer gleich!

MS-Verläufe unterscheiden sich sogar sehr voneinander. Mindestens drei unterschiedliche Verlaufsformen sind bekannt. Dazu zählt der schubförmige Verlauf, der bei etwa 80–90 % der Betroffenen zu Beginn der Erkrankung vorliegt. Bei einem schubförmigen Verlauf wechseln sich Phasen hoher Krankheitsaktivität (Schub) mit Phasen der Erholung (Remission) ab. Während eines Schubs entwickeln Betroffene häufig viele MS-typische Symptome, wie beispielsweise Gefühlsstörungen, Sehprobleme oder Bewegungsstörungen. Oftmals bilden sich diese Symptome in den Phasen der Remission weitestgehend wieder zurück. Daneben gibt es die progredienten Verlaufsformen. Bei diesen Verlaufsformen erfahren die Betroffenen eine schleichende Verschlechterung ihrer MS-Symptome, ohne dass es zu Krankheitsschüben kommen muss. Daher werden diese Formen von vielen Betroffenen auch als „schleichende MS“ bezeichnet. Es gibt die primär-progrediente Verlaufsform, bei der die schleichende Form von Krankheitsbeginn an vorliegt und die sekundär-progrediente Verlaufsform, die sich einem anfänglichen schubförmigen Verlauf anschließt und ein späteres Stadium der Erkrankung kennzeichnet. Mehr zu diesem Thema lesen Sie bitte hier.

Irrtum 3: MS bedeutet ein Leben im Rollstuhl!

Zwar gibt es bislang keine Medikamente, die MS heilen könnten, aber es gibt seit einigen Jahren Medikamente, die den Krankheitsverlauf verzögern oder zur Linderung von Symptomen eingesetzt werden können. Aus diesem Grund ist die Diagnose MS nicht zwangsläufig an ein künftiges Leben im Rollstuhl gekoppelt. Diese Aussage stammt aus einer Zeit, als hochwirksame Medikamente größtenteils noch Mangelware waren. Mit den heutigen Möglichkeiten lässt sich der Krankheitsverlauf langfristig günstig beeinflussen, so dass die Selbstständigkeit und Gehfähigkeit auch dauerhaft erhalten bleiben können. Laut Beurteilung des Kompetenznetzes zur Erforschung und Behandlung der Multiplen Sklerose (KKNMS) führt MS lediglich bei einem Drittel der Betroffenen zu deutlichen Beeinträchtigungen, die meist mit Berufsunfähigkeit und oft auch Pflegebedürftigkeit einhergehen.

Irrtum 4: MS-Patienten sollten keine Kinder bekommen!

MS ist keine Erbkrankheit! Vielmehr handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung (siehe Faktenbox), bei der die Ursachen noch relativ unbekannt sind. Neben einer eventuell erblichen Komponente stehen ebenfalls Umweltfaktoren wie Sonneneinstrahlung oder auch verschiedene Krankheitserreger im Fokus der Ursachenforschung. Aus diesem Grund ist die Aussage „MS-Patienten sollten keine Kinder bekommen!“ unhaltbar. Auch die Schwangerschaftsverläufe von MS-Patienten weichen nicht von denen „gesunder“ Frauen ab. Mehr Informationen zum Thema Schwangerschaft und Multiple Sklerose finden Sie hier.

Irrtum 5: MS kann durch Ernährungsumstellung geheilt werden!

Es gibt keine MS-Diät. Die Empfehlungen, die aktuell für MS-Patienten gültig sind, entsprechen den Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Ernährung. Jedoch kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass häufig ein Vitamin-D-Mangel bei MS-Patienten vorliegt. Vitamin D scheint ein Schlüsselhormon im Krankheitsgeschehen zu sein, wobei die abschließende Beurteilung durch Spezialisten noch aussteht. Im Zuge des Neurologenkongresses 2016 gab es ein umfangreiches Symposium zum Thema Ernährung und MS, bei dem viele der gängigen (Trend-)Diäten im Kontext zur MS besprochen wurden. Das alleinige Einhalten einer Diät kann die Krankheit jedoch nicht aufhalten. Mehr zu diesem Thema finden sie hier.

Irrtum 6: Sport sollte bei MS vermieden werden!

Es gibt keinen wissenschaftlich haltbaren Nachweis dafür, dass Sport negativ für MS-Patienten sein könnte. Daher gilt hier vor allem die Regel, die eigenen körperlichen Grenzen beim Ausüben einer sportlichen Betätigung immer zu berücksichtigen. Im Allgemeinen kann eine körperliche Herausforderung sogar die Lebensqualität und Belastbarkeit positiv beeinflussen.

 

Faktenbox:

Autoimmunerkrankung: eine gegen den eigenen Körper gerichtete Reaktion des Immunsystems

Zellen des Immunsystems: Bei einer MS sind vor allem sogenannte T-Lymphozyten beteiligt. Die Zellen gehören den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) an und zirkulieren im Blutstrom.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

http://www.kompetenznetz-multiplesklerose.de/patienteninformationen/ueber-ms/ (Zugriff: 13.03.2017)

http://www.ms-life.de/ms-wissen/was-ist-ms/verlauf/?print=jcnr%C3%83%25 (Zugriff: 13.03.2017)

https://www.ms-und-kinderwunsch.de/ (Zugriff: 13.03.2017)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/fit-home/ (Zugriff: 17.03.2017)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/aktuelle-studie-gehfaehigkeit-bleibt-laenger-erhalten/ (Zugriff: 17.03.2017)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/trotz-ms-eltern-werden/ (Zugriff: 17.03.2017)

 

 

 

 

 

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