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MS & Umweltfaktoren: Neuer Stiftungslehrstuhl

24.07.2017

In Regionen nahe des Äquators gibt es bis heute nur wenig registrierte MS-Fälle, aber warum ist das so? Diese und andere Fragen zum Zusammenhang von MS und Umweltfaktoren werden zukünftig im Rahmen des Forschungsvorhabens eines neuen Stiftungslehrstuhls der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf untersucht.

Multiple Sklerose ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems, deren Ursachen bis heute noch weitestgehend ungeklärt sind. Immer wieder wird die Rolle von Umweltfaktoren und dem individuellen Lebensstil bei der Entstehung oder dem Verlauf von Multipler Sklerose diskutiert. Es gibt entscheidende Hinweise, dass beispielsweise die Ernährung oder die Sonneneinstrahlung eine bedeutende Rolle bei MS spielen könnten. Aktuellen Schätzungen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit auf der nördlichen Hemisphäre der Erde zu erkranken am höchsten und sie sinkt, desto weiter man sich dem Äquator nähert. Am Äquator selbst liegt ein Niedrig-Risiko-Gebiet. Aber warum ist die Multiple Sklerose nicht gleichbleibend über den Globus verteilt? Handelt es sich um eine Erkrankung, die vorwiegend Industriestaaten betrifft, in denen ein hoher Hygienestatus besteht? Welche Faktoren begünstigen das Auftreten von MS?

Dies sind einige der häufigsten Fragen, auf die es bislang noch keine ausreichenden Antworten gibt. Verschiedene Diäten und Ernährungsrichtlinien wurden bereits untersucht. Jedoch konnte weder eine gezielte „MS-Diät“ entwickelt werden, die den Verlauf günstig beeinflusst noch konnten bestimmte Faktoren charakterisiert werden, die den Ausbruch der Erkrankung begünstigen. Aufgrund der geographischen Verteilung wurden vereinzelt unterschiedliche Krankheitserreger wie beispielsweise Borrelien unter die Lupe genommen. Groß angelegte Studien ob Umweltfaktoren oder individuelle Lebensgewohnheiten zur Entstehung und den Verlauf von Multipler Sklerose beitragen gab es bislang noch nicht. Dies soll sich nun ändern. Durch die Erforschung eben dieser „Umwelteinflüsse“ erhoffen sich die Initiatoren des Forschungsvorhabens zukünftig individuelle Empfehlungen für Betroffene herausarbeiten zu können. Bis es soweit ist wird jedoch noch einige Zeit vergehen. „Mit immer konkreter werdenden Forschungsergebnissen entstehen den Betroffenen möglicherweise Chancen, zusätzlich zur medikamentösen Therapie aktiv Einfluss auf ihre chronische Erkrankung zu nehmen und z.B. Begleitsymptome zu vermindern“ so Frau Dr. Eva Koch, Leiterin der Multiplen Sklerose-Projekte der gemeinnützigen Hertie-Stiftung und beschreibt damit das Ziel des Hertie-geförderten Projekts.

Die Hertie-Stiftung ist die größte deutsche Stiftung zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen. Unter anderem fördert die Stiftung Multiple Sklerose-Projekte im Bereich der Grundlagenforschung und vergibt den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe für Menschen, die sich in besonderem Maße ehrenamtlich für eine bestimmte neurologische Erkrankung verdient gemacht haben. Näheres zu den Aktivitäten der Hertie-Stiftung in Bezug auf Multiple Sklerose finden Sie hier. Um die Forschung auf dem Gebiet der Umweltfaktoren und des Lebensstils in Bezug zu dem Auftreten und Verlauf von Multipler Sklerose voranzutreiben hat die Hertie-Stiftung im vergangenen Januar zur Bewerbung für die Förderung eines Stiftungslehrstuhls aufgerufen. Gewonnen hat das Konzept der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie richtet somit bundesweit den ersten Lehrstuhl zur Erforschung von Umwelt- und Lebensstilfaktoren ein. Der Lehrstuhl wird mit insgesamt 1,25 Millionen Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren finanziert. In einer internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Forschungseinrichtungen werden hoffentlich einige der Rätsel um die Multiple Sklerose gelöst.

 

Faktenbox:

Als Zentralnervensystem (ZNS) bezeichnet man die im Gehirn und Rückenmark gelegenen Nervenstrukturen, die eine zentrale Reizverarbeitung der aus der Peripherie einlaufenden sensorischen Reize vornehmen. Das ZNS ist der Ort des unbewussten und bewussten Denkens.

Borrelien: Die Borreliose (Lyme-Borreliose, Lyme-Krankheit, Lyme Disease) ist eine Erkrankung, die durch eine Infektion mit Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (Borrelien) verursacht wird. Sie werden durch Zeckenbisse auf den Menschen übertragen. Die Krankheit kann verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

http://www.ghst.de/service/presse/pressemitteilungen/details/article/hertie-stiftung-foerdert-deutschlands-erste-professur-fuer-umwelt-und-lebensstilfaktoren-bei-multiple/ (Zugriff: 30.03.2017)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/umweltfaktoren-im-fokus-der-ms-forschung/ (Zugriff: 30.03.2017)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/hertie-preis-2017-bewerben-sie-sich/ (Zugriff: 30.03.2017)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/24-verleihung-hertie-preis-bringen-sie-den-baer-zum-tanzen/ (Zugriff: 30.03.2017)

 

 

 

 

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