MS News

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse im Fokus

30.11.2018

Wie kann sich eine „ungesunde“ Darmflora auf Multiple Sklerose auswirken? Eine neue Möglichkeit, das Ausmaß der MS-bedingten Nervenschädigungen zu erkennen und wie wichtig Real-World-Daten für die Patienten sind, erfahren Sie hier.

Diese Themen standen im Vordergrund des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

 

Gesunder Darm, gesunder Mensch?

Erst seit kurzem vermuten Wissenschaftler, dass Zigarettenrauch, Übergewicht und hoher Konsum von Kochsalz den Krankheitsverlauf von MS negativ beeinflussen könnten. Wodurch MS genau ausgelöst wird, ist jedoch nach wie vor unbekannt und wird intensiv erforscht. Man weiß, dass – wie bei fast allen Erkrankungen – neben einer gewissen genetischen Veranlagung auch Umweltfaktoren eine große Rolle spielen. Dazu gehören auch eine gesunde Ernährung und eine entsprechend gesunde Darmfunktion. Im experimentellen Modell konnte kürzlich nachgewiesen werden, dass MS durch die Entfernung von Darmbakterien unterdrückt werden konnte. Doch ist eine solche Vorgehensweise als Therapie natürlich nicht denkbar, da wir Menschen die bakterielle Darmflora zum Überleben brauchen. Die Forscher arbeiten mit Hochdruck daran, die Rolle bestimmter Bakterienarten bei der Entstehung und dem Verlauf von MS näher zu ergründen. Womöglich lassen sich aus diesen neuen Erkenntnissen irgendwann auch Ursachen für die Entstehung von MS ableiten.

 

Gut zu wissen  

70 bis 80 % aller Zellen, die Antikörper produzieren, befinden sich in der Schleimhaut des Darmes. Ein Ungleichgewicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien könnte somit eine der Ursachen für das fehlgesteuerte Immunsystem bei allergischen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen sein. Forscher vermuten, dass hauptsächlich unsere Ernährung die Zusammensetzung der Darmflora bestimmt. Durch kleine Änderungen in der Lebens- und Ernährungsweise lässt sich für die Darmflora eine Menge tun. Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören:

• eine Darmreinigung
• Vermeidung von Antibiotika
• Verzicht auf Zucker, Alkohol und gesüßte Säfte. Besser: Wasser und ungesüßte Kräutertees
• Vermeidung von zu vielen Kohlenhydraten und langkettigen gesättigten Fettsäuren
• eine ausgewogene Ernährung mit viel (fermentiertem) Gemüse und Obst
• Ballaststoffreiche Kost wie Äpfel, Möhren, Zitrusschalen, gekochte Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Topinambur, Chicorée, Spargel, Knoblauch, Porree, Zwiebeln, Pastinaken, Artischocken
• Einnahme von Präbiotika wie z.B. Leinsamen, Flohsamen
• Stressvermeidung, da das Stresshormon Cortisol die Darmflora ungünstig beeinflusst

 

Einen weiteren spannenden Artikel zum diesem Thema finden Sie auch auf MS life:
http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/gesunde-ernaehrung-so-koennen-sie-ihre-darmflora-und-ihr-immunsystem-staerken/

 

Neu entdeckter Biomarker zeigt das Ausmaß von MS an

Biomarker sind biologische Merkmale bzw. Moleküle in Lebewesen, die gemessen werden können und so biologische Prozesse im Körper anzeigen. Einer dieser Biomarker ist das Neurofilament-light-chain-protein (NfL), welches nur bei MS und anderen Nervenerkrankungen im Blut gefunden werden kann. Anhand der Menge dieser NfL-Marker können seit Neuestem zuverlässige Aussagen darüber gemacht werden, wie stark die Nerven geschädigt sind und wie die Krankheit verläuft. Besonders wichtig ist ein solcher Marker, weil sich dadurch auch erkennen lässt, ob die gewählte Therapie die gewünschte Wirkung zeigt.

 

 

Perspektivwechsel Neurologe – Entscheidungshilfen

Die Anzahl therapeutischer Möglichkeiten zur Behandlung von MS steigt rasant. Dadurch erhalten Neurologen immer mehr Möglichkeiten, ihre Patienten nach individuellen Bedürfnissen zu behandeln. Studien sind sehr wichtig, um medizinische Erkenntnisse zu erlangen. Besondere Bedeutung für die Therapieentscheidung erhalten jedoch immer mehr die sogenannten „Real-World-Daten“, also die dokumentierten Beobachtungen aus der täglichen ärztlichen Praxis. Diese Daten zeigen umso mehr, wie individuell jeder Patient ist und auf Therapien reagiert. „Mitarbeit“ bei der Therapie, sprich, die so genannte „Adhärenz“, kann zum Beispiel ein entscheidender Faktor sein. Dazu gehört eine möglichst gesunde Lebensweise und auf jeden Fall ein Gespräch mit Ihrem Arzt - sofern es Ihnen nicht gut geht.

 

Tipp: Kostenfreie App Cleo unterstützt Gespräch mit Arzt:

Um mit dem Arzt stets im Gespräch zur Therapie zu bleiben, kann auch die MS-App Cleo wertvolle Hilfestellung geben: Mit dem integrierten Tagebuch lassen sich Symptome, Medikamenteneinnahme und Stimmung einfach und unkompliziert dokumentieren.

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Hintergrund:

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. (DGN) ist eine medizinische Fachgesellschaft mit rund 9.000 Mitgliedern aus dem Bereich der Neurologie. Die DGN sieht sich selbst in der ständigen Verantwortung, die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. So schafft sie zum Beispiel durch die Veranstaltung wissenschaftlicher Kongresse wichtige Foren für den Austausch deutscher und internationaler Experten.

Weitere Infos unter: https://www.dgn.org/

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Der DGN-Kongress

Der DGN-Kongress ist das zentrale Wissenschafts-, Fortbildungs- und Diskussionsforum der neurologischen Medizin in Deutschland. Auf der jährlich stattfindenden Veranstaltung treffen sich Ärzte und Fachleute, um unter anderem durch Symposien und Vorträge ein umfassendes Update über das gesamte Spektrum der Neurologie zu erhalten. Inhalte des hochkarätigen Wissenschafts- und Fortbildungsprogramms sind unter anderem die Diagnose, Therapie und Erforschung neurologischer Erkrankungen. Ergänzt wird der DGN-Kongress unter anderem durch eine Fachausstellung mit rund 120 Unternehmen und Patientenorganisationen sowie Industriesymposien und einer Patientenveranstaltung. Der DGN-Kongress ist damit einer der größten deutschsprachigen Medizinkongresse und zählt zu den drei besucherstärksten neurologischen Kongressen weltweit.

Weitere Infos unter: https://www.dgn.org/rubrik-dgn/der-dgn-kongress

 

 

 

 

 

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