MS News

Non-Responder - Die Wahl der geeigneten Basistherapie

19.10.2015

Seit mehreren Jahren sind vielfältige Basistherapien zur Krankheitsbeeinflussung der Multiplen Sklerose auf dem deutschen Markt. Diese Therapien verfolgen vor allem zwei Ziele: Erstens sollen Schübe in ihrer Häufigkeit und Stärke abgemildert werden, um dadurch den Krankheitsverlauf zu stabilisieren und zu bremsen. Zweitens soll das Voranschreiten der körperlichen und seelischen Einschränkungen durch die Medikation eingedämmt werden. War noch vor etwa 20 Jahren die gängige Prognose der Mediziner für MS-Patienten der Rollstuhl, so ist dies mittlerweile überholt. Bei einer individuell erfolgreichen Therapie kann beispielsweise die Gehfähigkeit langfristig erhalten bleiben, ohne dass der Patient auf den Rollstuhl oder andere Hilfsmittel angewiesen sein muss.

Aber was macht eine erfolgreiche MS-Therapie aus?

Der Erfolg einer Therapie liegt vor allem darin begründet, dass ein Patient gut durch die gewählte Therapieoption eine Schubreduktion erreicht und die Lebensqualität gar nicht oder nur gering beeinflusst und seine Medikamente auch entsprechend der ärztlichen Empfehlungen einnimmt. Nicht für jeden MS-Patienten ist daher jedes Medikament gleichermaßen gut geeignet. Handelt es sich um eine moderate schubförmige Verlaufsform, so kann diese in der Regel mit den verfügbaren Basistherapeutika behandelt werden. Bei eher hoch-aktiven und aggressiveren Verlaufsformen werden die Patienten meist auf eine andere Therapieform eingestellt.

Wie gut ein Medikament für den einzelnen Patienten geeignet ist, zeigt sich im Laufe der Therapie. Als Basistherapeutikum schon lange im Einsatz ist ein Protein aus der Gruppe der Zytokine. Diese Therapieoption war als erstes für die Behandlung für MS-Patienten verfügbar und wird bereits über 15 Jahre in der Praxis verwendet. Unter Zytokinen verstehen Experten Botenstoffe des Immunsystems. Diese werden von bestimmten Zellen im Körper ausgeschüttet und sind in der Lage, Immunzellen „anzulocken“ oder „abzuschrecken“. Zytokine, die weitere Immunzellen „anlocken“ werden pro-inflammatorische, also entzündungssteigernde Zytokine genannt. Zytokine, die Immunzellen „abschrecken“ sind hingegen anti-inflammatorische, also entzündungshemmende Botenstoffe. Das am längsten in der MS-Basistherapie eingesetzte Medikament ist ein anti-inflammatorisches Zytokin, das sogenannte Interferon beta (INFβ), das nun in einer aktuellen Studie hinsichtlich der Wirksamkeit bei verschiedenen Patientengruppen untersucht wurde. Rekombinantes INFβ ist in zwei Formulierungen verfügbar. Interferon β-1b wird gentechnisch in Bakterienzellen produziert, wohingegen Interferon β-1a in Säugetierzellen hergestellt wird. Beide Formulierungen wurden in der aktuellen Studie untersucht.

Warum sprechen Patienten unterschiedlich gut auf Basistherapien an und was sind Non-Responder?

Eine aktuelle Studie, die in der renommierten Zeitschrift Cytokine and Growth Factors veröffentlich wurde, beschäftigte sich mit der Frage, warum anti-inflammatorische Interferone (INFβ) bei manchen Patienten eine signifikante Verringerung der jährlichen Schubrate und der Behinderungsprogression zeigen, während bei anderen die Schubrate nicht effizient reduziert werden kann. Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Bertolotto am Centro Riferimento Regionale Sclerosi Multipla, einer italienischen Forschungseinrichtung, hat in einem Übersichtsartikel Daten von MS-Patienten aus verschiedenen klinischen Studien genauer analysiert, die auf die beschriebene Therapie positiv ansprechen (Responder, engl. Antwortender) oder eben nicht (Non-Responder, engl. Nicht-Antwortender). „Die frühzeitige Erkennung der Patientengruppe, welche einen Nutzen von der Therapie hat, würde die medizinische Versorgung dieser Patientengruppe entscheidend verbessern“, so die sinngemäße Übersetzung der Zielsetzung des Forscherteams. Die Forscher analysierten Unterschiede in der Pathologie der Erkrankung bei Respondern und Non-Respondern. Dabei fanden sie heraus, dass die Gruppe der Non-Responder im Laufe der Therapie neutralisierende Antikörper, also Antikörper gegen INFβ gebildet hatten, die die Wirkung des Medikamentes außer Kraft setzen. Diese neutralisierenden Antikörper konnten bereits nach einem Behandlungsjahr nachgewiesen werden. Die Forschergruppe konnte zeigen, dass die Titerhöhe, also die quantitative Bestimmung der Menge an Antikörpern, für eine Therapieentscheidung berücksichtigt werden sollte. Außerdem fand die Forschergruppe heraus, dass die quantitative Bestimmung des MxA-Proteins (Myxovirus-induced protein A), die die biologische Aktivität des Medikamentes direkt wiederspiegelt, einen validen Marker für die Identifikation von Non-Respondern darstellt. Anhand der ermittelten Ergebnisse könnte eine mögliche Vorgehensweise für Ärzte entwickelt werden, um die Wirksamkeit der gewählten Therapie zu überprüfen.

Referenz:

Biological monitoring of IFN-β therapy in Multiple Sclerosis., Bertolotto A, Granieri L, Marnetto F, Valentino P, Sala A, Capobianco M, Malucchi S, Di Sapio A, Malentacchi M, Matta M, Caldano M.,  Cytokine Growth Factor Rev. 2015 Apr;26(2):241-8. doi: 10.1016/j.cytogfr.2014.12.002. Epub 2014 Dec 24.

 

 

 

 

 

ALL-GER-0228