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Phil Hubbe über die Zauberkraft des Humors

31.08.2018

Foto Burghard Mannhöfer

Phil Hubbe ist ein sympathischer Mensch, besonders kreativ und mit einem ausgeprägten Sinn für Humor. Der Magdeburger lebt seit 1988 mit der Diagnose MS – seitdem hat er einige ihrer Gesichter kennengelernt. Davon lässt er sich aber nicht unterkriegen. Die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern greift er bildhaft auf – in seinen Cartoons.

Was hat Sie dazu bewogen, Cartoons dieser Art zu zeichnen?

Ich habe schon immer irgendwie gezeichnet, also auch vor meiner offiziellen MS-Diagnose im Jahr 1988. Aber die Idee, MS und andere Erkrankungen sowie Behinderungen in Cartoons zu thematisieren, kam relativ spät. Erst im Jahr 2000, als ich eine Biografie über John Callahan sah, einem US-amerikanischen Cartoonisten. Durch einen Unfall war er plötzlich querschnittsgelähmt. Callahan thematisierte daraufhin Behinderungen und körperliche Unzulänglichkeiten in seinen Zeichnungen und Cartoons, allerdings auf eine makabre Art. Dieser schwarze Humor gefiel mir. Freunde und Bekannte bestärkten mich in meinem Vorhaben, dies auch zu versuchen. Seitdem mache ich das.

 

 

Was wollen Sie mit Ihren Cartoons bewegen?

Grundsätzlich möchte ich mit Humor auf solche Tabuthemen, die zum Leben dazu gehören, aufmerksam machen. Dafür greife ich in meinen Cartoons bewusst Tabu-Themen, Klischees und Vorurteile auf und gebe den unterschiedlichen Erkrankungen und körperlichen Handicaps ein humoristisches Gesicht. In erster Linie möchte ich, dass sich die Leute amüsieren, sich damit auseinandersetzen, darüber sprechen. Ich will aber nicht die Welt verbessern.

 

 

 

 

 

Welche Rückmeldungen haben Sie auf Ihre Zeichnungen erhalten? Finden manche Menschen sie grenzwertig? Und wie gehen Sie mit Kritik um?

Die Rückmeldungen sind sehr unterschiedlich, ich bekomme positive wie negative. Es sind eher die Gesunden, die das negativ kommentieren und der Meinung sind, dass es zum Beispiel geschmacklos ist oder sich fragen, warum ich das in einem Cartoon aufgreife, da sich das ja nicht gehöre. Wenn es sachliche Kritiken und Meinungen sind, schreibe ich auch zurück und sage meine Meinung dazu. Menschen, die betroffen sind, finden das gut, bedanken sich sogar, dass Handicaps auch auf diesem Wege angesprochen werden. Einige schicken mir sogar Ideen. Nicht jeder kann darüber lachen, das ist auch in Ordnung. So kommen die Menschen aber ins Gespräch und tauschen sich dazu aus. Das erlebe ich immer wieder.   

 

Ist Humor eine Art, mit MS umzugehen? Ist das auch Ihr Weg?

Humor ist ein guter Kanal und Weg, um mit Tabuthemen und Erkrankungen wie MS umzugehen. Er wirkt befreiend und ist auch für mich ein Stück Selbsthilfe und Therapie. Es tut mir gut, denn ich zeichne und lache gerne. Und wenn andere auch darüber lachen und gelöst damit umgehen können, freue ich mich darüber.

 

 

 


Was bringt Sie persönlich am meisten zum Lachen? 

Ich mag schwarzen, auch absurden Humor. Ich bin zum Beispiel ein Fan der britischen Komikergruppe Monty Python. Ihr humoristischer Einfluss gilt bis heute als wegweisend und hat mich natürlich auch beeinflusst.

 


Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?

Ich möchte gerne weiterhin zeichnen können. Ich hoffe, dass sich die Symptome nicht verschlimmern und ich noch lange eine schöne Zeit mit meiner Familie habe. Ich kann anderen Betroffenen auch nur raten, Träume weiterzuverfolgen und sie nicht aufzugeben.

 

 

 

 

 

Phil Hubbe machte 1992 aus seiner Zeichnerei einen Beruf. Seitdem ist er als selbstständiger Cartoonist tätig und arbeitet u. a. für Tageszeitungen, die Werbebranche und unterstützt soziale Projekte. 

Seit dem Jahr 2000 thematisiert der Magdeburger, der selbst an MS erkrankt ist, in seinen Cartoons auch körperliche Behinderungen und Erkrankungen. Dafür erhielt der 52-Jährige u.a. den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2006, den Medienpreis der Amsel-Stiftung (Stuttgart) 2014 und den Inklusionspreis „Mosaik“ aus Mitteldeutschland 2017.

Sein aktuelles Cartoon-Buch „Der siebte Sinn!“
(bestellbar: Carlson Verlag):
https://www.carlsen.de/hardcover/der-siebte-sinn/96509

Sein Wandkalender „Handicaps“ 2019 (auch bestellbar: Carlson Verlag):
https://www.carlsen.de/kalender/handicaps-2019/93203

Phil Hubbes Internetseite mit einer Auswahl seiner Cartoons:
http://www.hubbe-cartoons.de/cartoons/