MS News

Selftracking und MS

02.11.2015

„Quantified self“ ist eine Bewegung zur Selbstoptimierung durch Datensammlung (Selftracking). Dieser Trend, der ursprünglich in den USA entstanden ist, schwappte bereits vor einiger Zeit auch nach Deutschland über. Sogenannte Selftracker zählen Kalorien, Schritte und überprüfen täglich ihren allgemeinen Gesundheitszustand anhand der gesammelten Daten. Diese Apps und Gadgets, die mittlerweile für alle Smartphones erhältlich sind, können jedoch noch viel mehr. So können beispielsweise mithilfe eines entsprechenden Stirnbands Gehirnströme während des Schlafs überwacht werden, um so einen idealen Aufwachzeitpunkt zu ermitteln bzw. ein detailliertes Bild über die Schlafqualität des Anwenders zu erhalten. Diese Form der Datensammlung nennt man Sleeptracking.

Die Anwendungsgebiete des Selftrackings sind vielfältig. Täglich kommen neue Apps zur Überprüfung des Gesundheitszustands oder von Trainingserfolgen auf den Markt. Viele Anwender nutzen die technische Unterstützung ihres täglichen Trainings als Motivationshilfe, Dokumentationsunterstützung oder Bewegungstagebuch. Beispielsweise wird der Läufer über die App „runtastic“ durch eine Computerstimme während des Trainings motiviert. Am Ende einer Trainingseinheit erhält er Daten über die absolvierte Strecke, inklusive Karte sowie den Kalorienverbrauch. Zusätzlich können diese Daten mit anderen Teilnehmern der Community geteilt werden.

Mit Multiple Sklerose aktiv und fit bleiben – für viele MS-Patienten ist das selbstverständlich. Doch manch einer wünscht sich mehr Ansporn, um die persönlichen Ziele in Sachen Bewegung jeden Tag aufs Neue zu erreichen. Die „BeActive“-App wurde für MS-Patienten konzipiert, die wissen wie wichtig Bewegung für ihr Wohlbefinden ist. Sie möchten wissen, wieviel Sie sich im Alltag tatsächlich bewegen? Sie zählt, rechnet und erstellt Ihre persönliche Leistungskurve. Dabei können Ihre Aktivitäten aus unterschiedlichen Bereichen kommen und unterschiedlich anstrengend sein (z.B. staubsaugen, spazierengehen oder radfahren). Der aktuelle Punktestand des Users wird angezeigt, diesen gilt es durch weitere Aktivitäten zu erhöhen. Ihre Ergebnisse können Sie dann mit der Community auf der MSlife teilen. Und nun wird bestimmt Ihr Ehrgeiz geweckt! Sammeln Sie Punkte, treten Sie mit einem Community-Freund in den Wettstreit und steigern Sie langsam Ihre Aktivität. Sie werden bald feststellen, dass Ihr Energie-Level steigt und Ihnen vielleicht einige Tätigkeiten wieder leichter fallen. Diese App ist kostenfrei im App Store von Apple oder im Google Play Store verfügbar. Mehr erfahren sie unter http://www.ms-life.de/ms-leben/mobilitaet/app-beactive/

Auch im medizinischen Kontext können durch Selftracking-Tools wertvolle Daten gewonnen werden. Mit einigen Apps lassen sich beispielsweise, neben den Basisdaten, auch Informationen zur Herzfrequenz sowie zum Blutdruck oder dem Blutzucker erfassen. MS-Patienten mit einer teilweisen Einschränkung der Gehfähigkeit wären beispielsweise mithilfe eines Schrittzählers in der Lage, detailliert ihre Laufstrecke aufzuzeichnen. Welche Daten man mit den behandelnden Ärzten teilt und inwieweit die selbstaufgezeichneten Daten die Therapie beeinflussen sollen, muss immer der individuelle Patient mit den behandelnden Ärzten entscheiden.

In Anwendungen wie „captureproof“ können Patienten Fotos oder Videos ihrer Symptome und zusätzlich Daten, die sie aus ihren Selftracking-Apps beziehen, hochladen. So können Patienten zunächst einmal Symptome dokumentieren, um diese später mit ihren behandelnden Ärzten zu besprechen. Wie sinnvoll Selftracking für MS-Patienten ist, ist eine Frage, die wohl jeder für sich selbst beantworten muss. Selbstverständlich kann es motivierend sein, wenn man beispielsweise seine Trainingserfolge mit anderen teilt und damit angespornt wird. Es kann sicherlich auch nicht schaden, seine Symptome genau zu dokumentieren, allerdings sollte sich jeder Nutzer auch der Schattenseiten gewahr sein. In diesen Apps erlaubt man oftmals anderen Nutzern, die eigenen Daten einzusehen. Zusätzlich wird die absolvierte Laufstrecke anhand von GPS-Daten ermittelt. Sicher ist: Selftracking kann den Gang zum Arzt nicht ersetzen. Stellt man diesem jedoch die umfangreiche Datensammlung zur Verfügung, könnte die Therapie möglicherweise individueller gestaltet werden. Fahrlässig vertrauen sollte man den gesammelten Daten nicht. Bei kostenlosen Apps kann Fachwissen durch Gesundheits- oder Fitnessexperten fehlen, um fundierte Daten zu generieren. Man sollte die Apps daher eher als Motivationshilfe und Datensammlungsmedium verwenden. Niemals sollte sich der Patient auf eine durch eine solche App gewonnene Ferndiagnose verlassen.

Referenzen und weitere Informationen:

http://www.livinglikeyou.com/en/stories/cat/future

http://www.welt.de/regionales/koeln/article125411855/Diese-Apps-machen-uns-zum-glaesernen-Menschen.html

http://www.fitforfun.de/beauty-wellness/trends/fitness-tracker-bordcomputer-am-handgelenk-159875.html

http://news.doccheck.com/de/92681/selftracking-bis-der-arzt-kommt/?cat=5&context=category

https://itunes.apple.com/de/app/beactive/id819231010?mt=8

https://play.google.com/store/apps/details?id=de.antwerpes.biogen.beactive

https://www.runtastic.com/

http://captureproof.com/home/patients.html

 

 

 

 

 

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