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Serie MS und Sport - Teil 8

21.09.2015

Tanzen – Ausdruck, Leidenschaft und Lebensfreude pur

Tanzen ist mehr als nur Bewegung zu Musik. Es ist eine durchaus anstrengende Sportart. Beim Tanzen trainieren Sie kontinuierlich Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer sowie Ihre Koordinationsfähigkeit und das Gleichgewicht.

Beim Tanzen können Sie den Alltag mit all seinen Sorgen für eine Weile vergessen und Kraft tanken. Viele Menschen mit Multipler Sklerose berichten, dass es ihnen beim Tanzen leichter fällt, sich zu zeigen und mit anderen in Kontakt zu kommen. Es ist ein lebendiger Austausch, eine Form der Kommunikation ohne Worte. Je nach Typ und Stimmung kann das spielerisch leicht oder dramatisch intensiv geschehen.

Auch wenn es Ihnen schwer fällt, sich für ein regelmäßiges körperliches Training zu motivieren, kann diese Bewegungsform eine optimale Lösung sein. Denn bei guter Musik und in angenehmer Atmosphäre vergessen Sie schnell, wie sehr Sie sich gerade fordern. Viele Tänzer beschreiben ihr Training als eine angenehme Art der Anstrengung. Zudem fördert es die Gedächtnisleistung, denn Sie müssen sich oft komplexe Bewegungsabläufe merken. Die vielen Überkreuzbewegungen regen die Bildung von neuronalen Bahnen im Gehirn an und steigern so die Koordinations- und Konzentrationsfähigkeit.

Vom freien improvisierenden Bewegen bis hin zu ausgefeilten Choreografien, vom Solo- über Paartanz bis hin zu großen Ensembles, von klassischer bis zu moderner Musik: Die Möglichkeiten sind schier unendlich. Jeder kann den Tanzstil und die Musik finden, die zu ihm passt.

Paartanz
Ob Wiener Walzer, Tango oder Disco Fox, Samba oder Chachacha – klassischer Paar- und Formationstanz hat viele Varianten. Gemeinsam ist allen, dass Rollen klar definiert sind: Der Mann führt, die Frau folgt – zumindest in der Theorie. Zusammen bewegen sich die Paare in rhythmischen Tanzschritten nach einstudierten Figuren durch den Raum. In Tanzschulen des ADTV (Allgemeiner Deutscher Tanzlehrerverband) immer in Tanzrichtung. Hier werden zumeist Struktur und Etikette groß geschrieben, das kommt vielen Menschen mit MS entgegen. Sie können sich optimal darauf einstellen, was von ihnen erwartet wird und so besser entspannen. Beim Turniertanz kommt eine strenge Kleiderordnung hinzu. Belohnt werden Tänzer und Zuschauer durch elegante Tanzshows mit ganz eigener Atmosphäre. Wer es spontaner und weniger streng mag, kann zum Beispiel Tango Argentino, Salsa oder Swing ausprobieren. Hier wird meist mehr improvisiert und Tanzfiguren selbst neu kombiniert.

Reihen- und Kreistänze
Wer gern ohne Partner in einer Gruppe tanzt, kommt bei rhythmischen Tänzen wie Aerobic, Zumba oder Hip Hop voll auf seine Kosten. Diese Tänze werden meist unter Anleitung eines Vortänzers in hohem Tempo und sehr sportlich ausgeführt, teilweise motivierend und mitreißend – aber auch sehr schweißtreibend. Das kann für Menschen mit MS problematisch werden, denn steigt die Körpertemperatur zu stark, machen ihnen MS-Symptome zu schaffen. Sind auch Sie davon betroffen, wählen Sie besser eine ruhigere Form. Der klassische Jazzdance beispielsweise legt Wert auf langsamere und sehr bewusst ausgeführte Bewegungen. Auch viele Standardtänze wie Wiener Walzer, Samba oder Discofox werden heute als Reihen- oder Partytänze angeboten. Die Schrittfolgen sind meist einfach zu lernen. Hier steht der gemeinsame Spaß an der Bewegung zu populären Hits, die oft auch mitgesungen werden, im Vordergrund. Traditionelle Volks- oder höfische Tänze werden oft im Kreis oder in wechselnden Formationen getanzt. Bei Aufführungen tragen die Tänzer meist historische Trachten oder Kostüme. Wer Spaß daran hat, eine komplexe künstlerische Choreografie zu erarbeiten, ist beim Ballett, Ausdruckstanz oder Modern Dance richtig.

Getanzt wird meist in einem Saal mit Spiegel, um die eigenen Bewegungen ständig beobachten und korrigieren zu können. In der Gruppe können die Tänzer sich gegenseitig unterstützen und motivieren. Das ist besonders bei Bewegungseinschränkungen hilfreich. Oft werden auch Stühle oder Ballettstangen zum Abstützen integriert. Kurse – auch speziell für Menschen mit Multipler Sklerose – bieten örtliche Tanzschulen, Sport- und Kulturvereine oder auch öffentliche Bildungsträger. Und wer nur Kraft oder Zeit für eine kurze Tanzpause findet, kann das auch einfach zuhause tun. Musik an und los geht's!

 

 

 

 

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