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Sommer, Sonne, Hitzeregulation – das Uhthoff-Phänomen bei MS-Patienten

19.08.2015

Die erste Hitzewelle des Jahres Anfang Juli, hat mit Temperaturen von über 37° C Deutschland relativ unvorbereitet getroffen. Hatte sich doch jeder auf einen eher moderat warmen und verregneten Sommer eingestellt. Der ein oder andere hatte sich über Sahara-Temperaturen und 14 Stunden täglichen Sonnenscheins gefreut, aber nicht jeder kann mit Hitze und Trockenheit gut umgehen. Gerade temperaturfühlige, hitzeempfindliche Personen leiden mitunter sehr unter diesen hohen Temperaturen. Auch für Kinder, Senioren oder gesundheitlich angeschlagene Menschen sind Hitzeperioden mehr als belastend. Auch mehr als 60 % der MS-Patienten sind von einer Hitzeempfindlichkeit betroffen: dem Uthoff-Phänomen.

Darunter verstehen Mediziner die Verschlechterung der Nervenleitfähigkeit bedingt durch eine Erhöhung der Körpertemperatur. Durch die hohen Außentemperaturen, aber auch Fieber, ist der Körper nicht immer in der Lage, die Körperkerntemperatur konstant zu halten. Durch die erhöhte Körpertemperatur kann die Symptomatik der Patienten verschlechtert werden, was sich beispielsweise in einer Verschlechterung der Gehfähigkeit, Konzentrationsbeschwerden oder einer frühzeitigen Ermüdung äußern kann. Dies kann sehr belastend für den einzelnen Patienten sein, da die Lebensqualität dadurch mitunter stark eingeschränkt wird. Die Symptome sind glücklicherweise für gewöhnlich vollständig reversibel. Das heißt, mit sinkender Körpertemperatur klingen die Symptome ab. Patienten, die hitzeempfindlich sind und stark unter dem Uhthoff-Phänomen leiden, sollten mehr als jeder andere ihren Körper unterstützen, eine konstante Temperatur zu halten und auch bei hohen Umgebungstemperaturen nicht zu überhitzen.

Abhilfe schaffen – für Abkühlung sorgen

Überschlagen sich die Außentemperaturen und brennt die Sonne heiß vom Himmel, können einige kleine Tipps zur Senkung der Körpertemperatur und damit zu einer Steigerung des Wohlbefindens beitragen. Ein essenzieller Ratschlag ist in diesem Zusammenhang, ausreichend zu trinken, denn der Körper weist einen stark erhöhten Flüssigkeitsbedarf bei sehr hohen Außentemperaturen auf. Schwitzen ist die natürliche Art des Körpers, für Abkühlung zu sorgen. Zusätzlich sollte stets darauf geachtet werden, dass man sich im Schatten aufhält und die direkte Sonne meidet, besonders in den Mittagsstunden. Sind diese zugegebener Weise sehr allgemeinen Abkühlungshilfen nicht ausreichend, kann man sich mit Hilfsmitteln wie kühlenden Westen, Stirnbändern oder Halstüchern die nötige Abkühlung verschaffen. Insbesondere bei Sportlern haben sich diese Hilfsmittel bereits bewährt, und auch viele MS-Patienten greifen in der heißen Jahreszeit auf die Verwendung von Kühlkleidung zurück.

Über den Nutzen von Kühlkleidung aus therapeutischer Sicht in der Behandlung von MS-Patienten, die unter dem Uhthoff-Phänomen leiden, hat der ärztliche Beirat des DMSG-Bundesverbandes eine Stellungnahme veröffentlicht: „In klinischen Studien hat sich gezeigt, dass die Abkühlung des Körpers durch verschiedene Kühlaggregate, -anzüge oder -westen die Gangstörung, Kraft, Fatigue-Symptomatik und die Lebensqualität verbessern kann […]“. Leider zählen Kühlwesten zu Hilfsmitteln in der Behandlung von MS, deren therapeutischer Nutzen umstritten ist. Daraus ergibt sich, dass die Krankenkasse nicht zwangsläufig für die Kosten aufkommt.

Durch die Verwendung von Kühlkleidung in den heißen Monaten des Jahres kann betroffenen Patienten also die Teilnahme am sozialen Leben erleichtert werden. Sowohl die Konzentrationsfähigkeit als auch die körperliche Aktivität können durch den Einsatz dieser Kühlkleidung positiv beeinflusst werden. Schlussendlich muss jeder individuell für sich entscheiden, wie stark er durch das Uhthoff-Phänomen beeinträchtigt wird und ob sich die Investition in ein Kleidungsstück mit Kühlfunktion lohnt. Die grundsätzlichen Verhaltensregeln bei Hitze sollte jedoch jeder, egal ob mit oder ohne MS-Erkrankung, beachten, um ohne Stress und Belastung durch den Sommer zukommen. Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt.

Referenzen und weiterführende Links:

http://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/index.php?anr=1190&kategorie=Therapien

http://www.gesundheit.de/wellness/reisen-und-urlaub/sommer-und-sonne/sommer-sonne-Hitze

http://www.wetter.com/gesundheit/gesundheitslexikon/hitze-was-tun-gegen-hitze_aid_3826.html

www.onmeda.de/reisen/hitzefrei_fuer_den_koerper-folgen-von-hitze-3858-2.html

 

 

 

 

 

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