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Stammzelltherapien bei MS

21.07.2015

Unter Stammzellen verstehen Wissenschaftler nichtspezialisierte Zellen im Organismus, die in der Lage sind, sich zu teilen (proliferieren) und sich in unterschiedliche spezifische Zelltypen zu differenzieren. In der Stammzellforschung unterscheidet man zwischen totipotenten und pluripotenten Stammzellen. Der Begriff totipotent beschreibt Stammzellen, die in der Lage sind, sich zu allen unterschiedlichen Zellen des Organismus zu entwickeln und somit folglich einen vollständigen Organismus formen können. Diese liegen lediglich in einem sehr frühen embryonalen Stadium vor. Pluripotent hingegen sind beispielsweise Zellen aus dem Knochenmark, die in der Lage sind, alle unterschiedlichen Immunzellen des Körpers und verschiedene Stützzellen wie Knochen und Knorpelzellen zu bilden oder auch natürlich im Gehirn vorkommende neuronale Stammzellen, die in der Lage sind, alle Zelltypen des Zentralnervensystems zu bilden. Vorläuferzellen aus dem Knochenmark nennen Wissenschaftler auch mesenchymale Stammzellen. Mesenchymale Stammzellen können relativ einfach aus dem Blut isoliert werden und stellen so eine gute Quelle für körpereigene Stammzellen dar, die potenziell zur Therapie unterschiedlicher Erkrankungen genutzt werden könnten. Durch die gezielte Manipulation von pluripotenten Vorläuferzellen können diese dazu gebracht werden, spezifische Zelltypen zu bilden, was sich Forscher bei unterschiedlichen Ansätzen für Zellersatztherapien zu Nutze machen.

Mesenchymale Stammzellen und Multiple Sklerose

Präklinische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Therapie mit körpereigenen mesenchymalen Stammzellen in unterschiedlichen Tiermodellen der Multiplen Sklerose zu einer Abschwächung/Modulation der Autoimmunreaktion führt. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Therapie endogene Remyelinisierungs- und Reparaturprozesse fördert.

Im Rahmen der AAN-Jahrestagung 2015 wurden Ergebnisse aus der klinischen Erprobung der mesenchymalen Stammzelltherapie im Rahmen der MS präsentiert. Eine Forschergruppe um Dr. Jeffrey Cohen von der Cleveland-Klinik konnte in einer Phase-I-Studie belegen, dass die Verabreichung mesenchymaler Stammzellen, die aus dem Blut gewonnen wurden, für die Therapie am Menschen sicher ist. Sie konnten, ähnlich wie in den vorausgegangenen präklinischen Untersuchungen, eine immunhemmende Wirkung sowie Reparatur- und Remyelinisierungsprozesse im Körper nachweisen. Die Wissenschaftler entdeckten Hinweise darauf, dass intravenös verabreichte Stammzellen Reparaturvorgänge anregen oder schützend auf das Nervengewebe einwirken. Eine Stabilisierung des Axon-Verlustes konnte erreicht werden.

Stammzellen als regenerative Therapie bei MS?

Die auf der AAN 2015 vorgestellten Forschungsergebnisse zeigen, dass mesenchymale Stammzellen potenziell als Therapieform für die Multiple Sklerose geeignet sein könnten. Durch das Anregen von endogenen Reparatur- und Remyelinisierungsprozessen könnte durch die Behandlung mit körpereignen mesenchymalen Stammzellen in Zukunft eine regenerative Therapieform zur Verfügung stehen. Bis allerdings eine etablierte Behandlungsmethode mit diesen Stammzellen in die Klinik Einzug hält, werden noch einige Jahre vergehen. Aktuell laufen zwei weitere klinische Studien, die den Nutzen und das Risiko dieser neuen Therapieform beleuchten sollen.

Referenzen:

Int J Mol Sci. 2015 Apr 24;16(5):9283-9302. Mesenchymal Stem Cells and Induced Pluripotent Stem Cells as Therapies for Multiple Sclerosis. Xiao J1,2,3, Yang R4, Biswas S5, Qin X6, Zhang M7, Deng W8,9.

AAN2015, Abstract P1.152

https://clinicaltrials.gov/ct2/results?term=multiple+sclerosis+stem+cells&Search=Search

 

 

 

 

 

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