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Tipps für Betroffene – Warum Bewegung bei MS richtig ist

26.04.2018

Markus Hermann lebt seit über 13 Jahren mit der Diagnose Multiple Sklerose. Der lebensfrohe Münchener hat seinen Weg gefunden: Regelmäßiger Sport und Bewegung sind seine Schlüssel zum erfolgreichen Umgang mit der Erkrankung.

Sport und Bewegung sind grundsätzlich wichtig für eine gesunde Lebensführung, auch um Erkrankungen vorzubeugen – warum ist das gerade für MS-Betroffene so wichtig?

Jede Form von Bewegung stärkt die Durchblutung, regt das Immunsystem an und hält einfach fit. Es ist aber auch für den Körper insgesamt wichtig, damit er bestimmte Bewegungsabläufe und Aktionen abspeichern kann. Das ist unabdingbar. Gute Beispiele: Gehen, Laufen oder Wandern. Ich persönlich habe mir vorgenommen, regelmäßig oder zumindest öfter mal mit dem Handbike in die Firma zu fahren.


Wie hast du „deine“ Sportart gefunden? Was ist „deine“ Sportart und warum?

Meine Sportart hat mich gefunden. Vor knapp 13 Jahren kam ein Sportstudent zu unserem Stammtisch und suchte Probanden für eine Studie. Ich machte mit und daraus entstand dann schließlich „meine“ Sportart. Es ist das „Therapeutische Klettern mit MS“. Seit nunmehr 13 Jahren treffen wir uns jeden Samstag, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, zum Klettern. Das tut mir persönlich unheimlich gut.


Du hast also das Klettern für dich entdeckt. Und du bist MS-Betroffener. Wie unterscheidet sich deine Vorbereitung und dein Ausüben dieser Sportart im Vergleich zu der Art und Weise, wie dies gesunde Menschen tun, und welche Veränderungen stellst du bei dir fest?

Eigentlich gar nicht, wenn man davon absieht, dass wir zum Teil mit Stöcken, Rollator oder sogar Rollstuhl an die Wand gehen. Sonst ist der Ablauf, soweit ich das einschätzen kann, aber gleich. Also wie bei „gesunden“ Kletterern mit Achterknoten binden, einbinden und Partnercheck machen. Sport ist gut für das eigene Wohlbefinden und gegen die MS-Symptome. Seit einiger Zeit, seit etwa 2 bis 3 Jahren hat sich mein Gleichgewichtssinn deutlich verbessert. Darüber hinaus hat sich auch meine Gehstrecke verlängert, ich bin sicherer im freien Gang und auch klettern kann ich jetzt besser.


(Belastungs)Grenzen erkennen und respektieren – worauf sollte ich achten?

Für mich ist gerade das eine wichtige Sache! Ich habe vor einigen Jahren − zum Beispiel bei Hausarbeiten oder beim Kochen − angefangen, darauf zu achten, dass ich mich nicht zu sehr anstrenge. Damals gab mir mein Oberkörper einen sehr deutlichen Hinweis darauf, wann ich eine Pause brauchte, denn ich bin immer mehr eingeknickt. Mein Oberkörper hat sich immer mehr nach vorne gebeugt. Da wusste ich, dass ich Pausen machen muss, und habe sie mir auch genommen. Heute plane ich jede Aktivität, auch das Kochen, möglichst vorher. Es wird zum Beispiel erstmal alles am Tisch vorbereitet, damit ich nachher an der Kochstelle nicht mehr so lange frei stehen muss. Und: Wir wissen ja aus der Sportmedizin, also aus den verschiedensten Vorträgen, dass es keinen fördernden Effekt auf die Ausdauer hat, die Pause erst dann zu machen, wenn man schon völlig erschöpft ist. Es ist besser, kleinere Übungsphasen zu absolvieren, ohne an die körperliche Grenze zu gehen, und dafür mehr Übungsintervalle einzubauen.


Es gibt viele verschiedene Arten von Sport und Bewegung, die man ausüben kann und die auch bei MS empfohlen werden – was möchtest du gerne ausprobieren?

Hin und wieder fahre ich Rad am sogenannten MOTOmed*. Auch Tai Chi würde mich wieder interessieren. Ich habe das vor ungefähr 20 Jahren mal gemacht, musste aber aufhören, denn ich war in einer „gesunden“ Gruppe. Die Abfolge war mir dann zu rasch, denn ich musste zwischen den einzelnen Schritten erst mal wieder mein Gleichgewicht finden, und dann waren die anderen schon weiter. Es wäre also interessant, eine Gruppe (MS-Betroffener) zu finden, die gleich viel Zeit zwischen den einzelnen Schritten braucht.


Welche Tipps hast du für Sportmuffel oder Anfänger?

Mein innerer Schweinehund ist leider ein riesiges Tier. Daher brauche ich immer einen (äußeren) Anreiz, damit ich dranbleibe und Sport treibe. Ich weiß, dass es guttut und wie wichtig es ist. Darum ist es für mich persönlich gut, an einer Studie teilzunehmen, in der Physio feste Termine zu haben oder mit einer Gruppe gemeinsam Sport zu treiben, denn dann habe ich einen gewissen „Zwang“, das Tier zu besiegen.


*MOTOmed: Das ist eine besondere Bewegungstherapie, die für Menschen mit Bewegungseinschränkungen entwickelt wurde. Diese Art der Therapie ergänzt physio-, ergo- und sporttherapeutische Maßnahmen. Mehr Infos: http://www.motomed.com/betroffene/


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