MS News

Trotz MS Eltern werden

21.11.2016

Die Diagnose MS kann viele Lebenspläne auf den Prüfstand stellen, darunter auch den Wunsch nach Kindern. Frauen mit MS wird heute in der Regel nicht von einer Schwangerschaft abgeraten. Und auch einer Vaterschaft steht bei der Diagnose MS meist nichts im Wege.

Sie haben MS und noch viel vor in Ihrem Leben. Gehört dazu auch der Wunsch nach Kindern? Dann geht es Ihnen wie vielen MS-Patienten. Denn nicht selten sind  von dieser Erkrankung gerade jüngere Menschen betroffen. Zum Glück ist MS kein Grund, die Familienplanung an den Nagel zu hängen. Wünschen Sie sich Kinder, so werden Sie das natürlich zuerst mit Ihrem Partner besprechen. Teilt er diesen Wunsch? Ist in Ihrer Beziehung Platz für ein Kind? In einer gefestigten Partnerschaft, in der sich beide Partner Kinder wünschen, stellt Familienzuwachs in erster Linie eine Bereicherung dar. Ein Kind bedeutet viel Freude, liebevolle Momente und schöne gemeinsame Erlebnisse.

Eine wichtige Frage, die Sie sich in diesem Zusammenhang sicherlich stellen, ist, ob Ihr Kind ebenfalls an MS erkranken könnte. Die Ursachen von MS sind nicht vollständig erforscht. Vererbung scheint eine Rolle zu spielen, allerdings ist diese geringer als die von Umweltfaktoren. Auch wenn Sie die Veranlagung für MS an Ihr Kind weiter geben sollten, muss es nicht an MS erkranken. Das Risiko, dass ein Kind mit einem an MS erkrankten Elternteil ebenfalls an MS erkrankt, liegt bei nur 3%.

Haben Sie sich für eine Schwangerschaft entschieden, sollten Sie diese gut planen. Das Beste für Sie und Ihr Kind wäre natürlich eine schubfreie Schwangerschaft. Die Aussichten dafür stehen gar nicht schlecht, denn das Immunsystem einer Schwangeren befindet sich in einem Ausnahmezustand, der für MS-Erkrankte sogar günstig ist. Die Schubrate sinkt im Verlauf der Schwangerschaft kontinuierlich um bis zu 80%. Den meisten werdenden Müttern mit MS geht es in dieser Zeit daher richtig gut. Auch langfristig hat eine Schwangerschaft nach heutigem Wissenstand keine negativen Auswirkungen auf die MS-Erkrankung. Damit es während der Schwangerschaft möglichst nicht zu einem Schub kommt, sollten Sie sich aber nicht nur auf diesen natürlichen Schutz verlassen. Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Neurologen. Planen Sie mit ihm gemeinsam Ihre Schwangerschaft und den richtigen Zeitpunkt dafür. Bevor Sie schwanger werden, sollten Sie längere Zeit schubfrei sein. Ihr Arzt wird Ihnen auch erläutern, wie Ihre medizinische Behandlung in dieser Zeit aussehen wird. Wahrscheinlich wird er Ihre Basistherapie vor oder zu Beginn der Schwangerschaft unterbrechen. Er kann Ihnen auch erklären, wie er Sie behandeln kann, wenn es doch zu einem Schub kommt. Gemeinsam mit Ihrem Frauenarzt wird Ihr Neurologe Sie während der gesamten Schwangerschaft betreuen.

Nicht nur Schwangerschaft und Geburt verlaufen bei MS-Patientinnen in der Regel ganz normal. Vielen Betroffenen wird jedoch eine Therapieunterbrechung empfohlen, diese Entscheidung sollte aber jede Schwangere individuell mit ihrem behandelnden Arzt absprechen. Auch das Stillen des Kindes ist meistens möglich. Stillen stärkt neben der Bindung zwischen Mutter und Kind auch das kindliche Immunsystem. Es kann auch einen positiven Einfluss auf die Schubrate der Mutter haben. MS-Patientinnen, die ihr Kind in den ersten Monaten ausschließlich stillen, haben in dieser Zeit oft eine niedrigere Schubrate als Mütter, die nicht stillen oder regelmäßig Beikost geben. Letztendlich muss aber Ihr Arzt entscheiden, ob Sie stillen können oder ob Sie Ihre Basistherapie direkt nach der Geburt wieder aufnehmen und auf Flaschennahrung zurückgreifen sollten.

Ist das Kind auf der Welt, kommt natürlich auch zusätzliche Arbeit auf Sie zu und Ihre Nerven werden mitunter auf die Probe gestellt – ein Aspekt, den es gerade bei einer chronischen Erkrankung wie der MS zu bedenken gilt. Damit der Nachwuchs Sie nicht zu sehr erschöpft  (Fatigue) sollten Sie  für diese Zeit rechtzeitig vorsorgen. Bauen Sie sich möglichst früh ein Netzwerk aus Helfern auf, die Sie regelmäßig entlasten und in schwierigen Zeiten auch verstärkt aushelfen können. Binden Sie Ihren Partner, weitere Familienmitglieder, Nachbarn und Freunde in die Haushaltsführung und Kinderbetreuung ein, damit sie Sie von Anfang an ausreichend unterstützen. Direkt nach der Geburt kann Ihnen eine Nachsorge-Hebamme helfen. Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel für acht Wochen. Erkundigen Sie sich dort auch nach der Möglichkeit, eine Haushaltshilfe zu beantragen. Beim Allgemeinen Sozialen Dienst Ihrer Kommune besteht die Möglichkeit, die Unterstützung einer Familienhebamme zu beantragen. Sie kann Sie je nach Bedarf bis zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes bei vielen Aufgaben unterstützen.

 

Faktenbox:

Unter einer Fatigue verstehen Mediziner die außerordentliche Erschöpfbarkeit. Eine Fatigue kann sich sowohl körperlich als auch geistig zeigen. Der Körper scheint nicht über die nötigen Energiereserven zu verfügen und zeigt ein gesteigertes Ruhebedürfnis, das unverhältnismäßig zur vorausgegangenen Aktivität ist und nicht ausreichend durch normale Erholung oder Schlaf kompensiert werden kann.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-forschung/multiple-sklerose-und-familienplanung-ergebnisse-aus-dem-multiple-sklerose-und-kinderwunschregister/ (Zugriff: 21.10.2016)

https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-forschung/ist-multiple-sklerose-vererbbar/ (Zugriff: 21.10.2016)

http://www.ms-und-kinderwunsch.de/ (Zugriff: 21.10.2016)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/ms-und-kinderwunsch-wie-gut-vertraegt-sich-das/ (Zugriff: 21.10.2016)

http://www.amsel.de/video/index.php?w3pvid=haas1&w3pvcat=alle (Zugriff: 21.10.2016)

https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/leben-mit-ms/multiple-sklerose-und-kinderwunsch/ (Zugriff: 14.11.2016)

http://www.amsel.de/multiple-sklerose-news/medizin/Mindert-das-Stillen-die-Schubrate-bei-MS_5996 (Zugriff: 14.11.2016)

 

 

 

 

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