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Vitamin D als Schlüsselhormon bei Multipler Sklerose

19.01.2015

Laut einer Studie weisen Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, auffallend häufig erniedrigte Vitamin D3-Blutspiegel auf.

Vitamin D beeinflusst Multiple Sklerose
Welche Rolle Vitamin D bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen genau spielt, ist bereits Gegenstand zahlreicher aktueller Studien. Viele MS-Patienten beschäftigen sich nun mit der Frage, ob sie durch eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D den Verlauf ihrer Erkrankung positiv beeinflussen können.

Substanz mit hoher Potenz
Sicher ist, dass ein Mangel an diesem fettlöslichen Vitamin zu zahlreichen Erkrankungen wie Osteoporose, Rachitis, Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, chronischen Entzündungen, Autoimmunerkrankungen sowie Depressionen und Demenz führen kann. Wenn aber der Mangel an diesem Vitamin die Entstehung so unterschiedlicher Krankheiten beeinflussen kann, muss dieses Vitamin an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt sein. Was also genau macht Vitamin D in unserem Körper?

Vitamin D stimuliert das Immunsystem

Sonnenlicht fördert die Vitamin-D-Produktion im Körper. Ausgehend von der körpereigenen Vorstufe von Vitamin D wird durch einen mehrstufigen, durch die UVB-Strahlen des Lichts hergeleiteten Reaktionsweg Vitamin D3 hergestellt. Über die Blutbahn wird dieses in die Leber befördert und dort zu Calcidiol (25(OH)Vitamin D3) verändert, das sich zur Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels sehr gut im Blut nachweisen lässt. In der Niere erfolgt schließlich die Herstellung zum Endprodukt Calcitriol (1,25(OH)2 Vitamin D3). Dieses spielt eine wichtige Rolle sowohl im Knochenstoffwechsel als auch bei der Reifung von Immunzellen und greift modulierend in das Immunsystem ein.

UVB-Licht aktiviert Vitamin D
In Studien wurde nachgewiesen, dass UVB-Strahlen bestimmte Zellen des Immunsystems stimulieren,  Botenstoffe auszuschütten, die Entzündungen verhindern können. Forscher beobachteten das Auftreten von MS-Schüben vor allem in Jahreszeiten mit schwacher Sonneneinstrahlung. Sie schlossen daraus, dass das Schubrisiko steigen könnte, wenn in den Wintermonaten durch Lichtmangel der Vitamin-D-Spiegel sinkt. Beobachtungen zeigen, dass die Schubhäufigkeit verstärkt im Frühjahr auftritt, wenn die Vitamin-D-Speicher nahezu leer sind.

Im Sommer bevorraten
Wird mehr Vitamin D hergestellt als verbraucht wird, werden Vitamin-D-Speicher im Fettgewebe angelegt. Empfohlen wird deshalb, im Sommer einen Vitamin-D-Vorrat anzulegen. Etwa 10 bis 15 Minuten Arme und Gesicht der Sonne auszusetzen, sollen zur täglichen Aufnahme von Vitamin D  genügen. Ungefähr ab Oktober ist die Menge an UVB-Strahlung zur Produktion der benötigten durchschnittlichen Tagesdosis von Vitamin D nicht mehr ausreichend. Jetzt werden die Speicher des Fettgewebes angezapft. Blutkonzentrationen von 50 bis 80 ng/ml bzw. 125 bis 200 nmol/l gelten als Referenzwerte, um den Vitamin-D-Bedarf im Winter zu decken. Nahrungsmittel wie fetthaltiger Fisch, Milch, Eier, Butter oder Pilze sind reich an Vitamin D und können einen Teil des durchschnittlichen Tagesbedarfs decken. Bei nachgewiesenen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln kann auch eine ärztlich überwachte Substitution von Vitamin D3 erwogen werden.


Referenz:
Breuer J et al. Ultraviolet B light attenuates the systemic immune response in central nervous system autoimmunity. Ann Neurol 2014 May 14

Spelman T et al. Seasonal variation of relapse rate in multiple sclerosis is latitude dependent. Ann Neurol 2014 Oct 20