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Vitamin-D-Mangel in der Schwangerschaft

09.05.2016

Eine aktuelle finnische Studie legt nahe, dass ein Vitamin-D-Mangel in den ersten Schwangerschaftsmonaten das Risiko für das Kind erhöhen könnte, später im Leben einmal an einer MS zu erkranken. Allerdings sind zur Bestätigung dieser Ergebnisse nun noch detailliertere Untersuchungen nötig.

Vitamin D steht bereits seit einiger Zeit im Fokus der MS-Forschung. Untersuchungen weisen darauf hin, dass ein verringerter 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel, so die Bezeichnung des im Blut messbaren Vitamins, mit dem Risiko korreliert, an einer MS zu erkranken. In unserer Dezember-Ausgabe berichteten wir bereits über eine weitere Studie, die nahelegte, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut mit einer Erhöhung des MS-Risikos, in Zusammenhang stehen könnte. Eine weitere Frage im Zusammenhang mit Vitamin D und MS ist die Frage nach den möglichen Konsequenzen eines Vitamin-D-Mangels in der Schwangerschaft für das ungeborene Kind. Der Frage, ob ein Mangel an Vitamin D während der Schwangerschaft das Risiko für das Kind erhöht, später einmal an MS zu erkranken, nahm sich eine Forschergruppe an der Harvard T.H. Chan School für Public Health in Boston an.

Das internationale Forscher-Team untersuchte insgesamt 193 Blutproben von MS-Patienten, deren Mütter in einer finnischen Mutterschafts-Kohorte erfasst waren. Die Proben der Mütter lagerten bis dato in einer Biobank (Sammlung von Stoffen, wie Körperflüssigkeiten oder Gewebeproben). Die Datenerhebung war möglich, da in Finnland seit Jahrzehnten ein umfangreiches Schwangerschaftsregister geführt wird. Untersucht wurden Blutproben der Mütter aus dem ersten Schwangerschaftstrimester. Insgesamt wurden 176 MS-Fälle mit 326 Proben einer Kontrollgruppe verglichen. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass ein 2-fach erhöhtes Risiko, an einer MS zu erkranken, für diejenigen Kinder bestand, deren Mütter im ersten Schwangerschaftstrimester eine 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentrationen von weniger als 12,02 ng/ml aufwiesen. Entsprechend der aktuellen Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte die Vitamin-D-Konzentration im Blut mehr als 20 ng/ml (abhängig von der Jahreszeit) betragen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits eine Unterversorgung des ungeborenen Kindes in den ersten Schwangerschaftsmonaten das Risiko für das Kind, später im Leben einmal an MS zu erkranken, erhöht. Die Wissenschaftler geben jedoch zu bedenken, dass die Untersuchung des mütterlichen Blutes keinen direkten Rückschluss darauf zulässt, welche Konzentration im Blut des Kindes vorliegt. In Bezug auf den Einfluss von Vitamin D auf die Krankheitsentstehung sowie den Krankheitsverlauf legt die aktuelle Untersuchung erneut den Verdacht nahe, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und dem Entstehen einer MS bestehen könnte.

Referenzen und weiterführende Informationen:


Munger K.L., Åivo J., Hongell K., Soilu-Hänninen M., Surcel H.M., Ascherio A., Vitamin D Status During Pregnancy and Risk of Multiple Sclerosis in Offspring of Women in the Finnish Maternity Cohort., JAMA Neurol. 2016 Mar 7

Pierrot-Deseilligny C., Souberbielle J.C. Contribution of vitamin D insufficiency to the pathogenesis of multiple sclerosis. ,Ther Adv Neurol Disord. 2013 Mar;6(2)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/genetisch-verringerter-vitamin-d-spiegel-erhoeht-das-risiko-an-ms-zu-erkranken/

 

 

 

 

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